Stierkampfgegner wollen eine Stimme in Europa

5. Juni 2009, 15:50
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Bei den vergangenen Parlamentswahlen 2008 wurde PACMA bereits viertstärkste außerparlamentarische Partei Spaniens

Marid - Spanien - das Land des Stierkampfes und der Machos. Mit diesem Image möchte Marta Jimeno in Europa ein für alle Mal aufräumen. Mit ihrer Partei PACMA versucht sie einen der insgesamt 50 Abgeordnetenplätze zu erobern, die Spanien im Europaparlament zustehen. Die "Anti-Stierkampf Partei gegen die Misshandlung von Tieren" nimmt zum ersten Mal an europäischen Wahlen teil. Sie dürfte es nicht leicht haben, einen Sitz im Europaparlament zu bekommen. Dennoch rechnet sich Jimeno Chancen aus. Zu Recht: Unter den insgesamt 37 Parteien und politische Formationen, die in Spanien an den EU-Wahlen teilnehmen, ist ihre PACMA-Partei mit Abstand eine der ungewöhnlichsten Bewerber, der zudem medial Aufmerksamkeit bewirkt.

Dass es in einem Land wie Spanien anscheinend auch zahlreiche Stierkampf-Gegner gibt, stellte PACMA bereits 2008 bei den spanischen Parlamentswahlen unter Beweis. Die erst 2003 gegründete Partei nahm im vergangenen Jahr zum ersten Mal an den Parlamentswahlen teil und bekam prompt an die 45.000 Stimmen. Damit wurden die Stierkampfgegner nach der Koalition Andalusien, den baskischen Nationalisten Eusko Alkartasuna und den katalanischen Ciudadanos die viertstärkste außerparlamentarische Partei Spaniens.

"Für die Wahl zum Europaparlament streben wir mindestens 100.000 Stimmen an", sagt Marta Jimeno selbstbewusst. Sie setzt dabei auf ihren großen potenziellen Wählerkreis. "Stierkampfgegner gibt es in allen politischen Lagern und wir haben außer dem Schutz von Tieren und den Kampf gegen die Fortführung des Stierkampfes in Spanien keine Ideologie", so Jimeno in einem Radiointerview.

Von dem Einzug ins Europaparlament erhofft sich auch PACMA-Präsident Manel Macia, von Brüssel und Straßburg mehr Druck auf die spanische Politik und die Stierkampf-Industrie ausüben zu können. Um die Abschaffung des Stierkampfes in Spanien zu erreichen, ist mit Sicherheit noch mehr Druck notwendig. Laut der letzten Umfrage im Jahre 2006 erklärten zwar 72 Prozent der Spanier, sich nicht für den Stierkampf zu interessieren. Doch eine große Lobby zur Abschaffung der "corridas" existiert noch nicht. Auch PACMA zählt erst 400 aktive Mitglieder. (APA)

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