GM-Pleite beflügelt die Wall Street

5. Juni 2009, 14:02
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Ein Kommentar aus dem Equity Weekly der Erste Group von Ronald-Peter Stöferle

Die US-Börsen gehen mit deutlichen Aufschlägen aus der ersten Juni-Handelswoche. Der Dow Jones markiert ein Plus von 4,12%, der S&P gewinnt 3,93% und der Index der
Technologiebörse Nasdaq kann erneut outperformen und legt 5,61% zu. Gold flirtet weiterhin mit der magischen Marke von USD 1.000, US-Leichtöl stieg auf USD 69 je Barrel. Die US-Bonds fallen weiter, die 30-jährigen rentieren nun bei 4,5%.

Im 1. Quartal sank das BIP annualisiert um 5,7%, der Konsens ging von 5,5% aus. Auch die
Einzelhandelsdaten zeigen weiterhin ein düsteres Bild des US-Konsums. Auf vergleichbarer Fläche meldeten 63% aller Geschäfte Umsatzrückgänge. Der Einkaufsmanagerindex stieg von 40,1 auf 42,8 und damit deutlicher als erwartet. Allerdings wird erst ab 50 Zählern Wachstum angezeigt. Die Auftragseingänge in der Industrie stiegen um 0,7%, jedoch wurden die Vormonatszahlen erneut deutlich nach unten revidiert. Im März belief sich der Rückgang nicht mehr auf 0,9 sondern auf 1,9%. Der ADP Jobreport meldete 532.000 Stellenstreichungen, auc h hier wurden die Vormonatswerte im Nachhinein deutlich nach unten angepasst. Die Arbeitslosenrate stieg auf 8,9%.

General Motors reichte nun endgültig Gläubigerschutz nach Chapter 11 ein. Trotz - oder gerade wegen - des Engagements der US -Regierung sieht die Zukunft für GM nicht gerade
rosig aus. Es bleibt fraglich, ob die Kunden Autos einer insolventen Firma kaufen, was angesichts Service- und Garantieleistungen sicherlich verständlich ist. Zudem wird der Autoabsatz in den USA wohl kaum wieder die Rekordzahlen der Vorjahre erreichen können. Die Rekorde wurden markiert, als die eigenen Immobilien noch massiv beliehen werden konnten. Im Sanierungsplan wird ein Schuldenabbau von knapp USD 80 Mrd. vorgesehen. Weltweit sollen knapp 40.000 der insgesamt 235.000 Jobs abgebaut werden. In den USA
werden 14 von gesamt 46 Fabriken geschlossen, Verträge mit über 60% aller Händler werden aufgelöst. Zudem will man sich von 4 Marken (Saab, Saturn, Opel, Hummer) trennen.

Financials nutzen hohes Kursniveau für Kapitalerhöhungen

JP Morgan gab bekannt 142 Mio. neue Aktien ausgeben zu wollen, man erwarte sich Einnahmen in Höhe von USD 5 Mrd. Morgan Stanley folgt dem Vorbild von JP, möchte jedoch
lediglich USD 2,5 Mrd. aufnehmen. Auch Prudential Securities wolle USD 1,25 Mrd. im Zuge
einer Kapitalerhöhung einnehmen. Zudem werde man die Anteile an der Industrial and
Commercial Bank of China im Wert von knapp USD 2 Mrd. verkaufen. AIG gab bekannt, die
Flugzeug-Leasing-Sparte nicht verkaufen zu können. Man sei wieder auf Hilfe der US -
Regierung angewiesen.

Im Dow Jones Index gab es auch Veränderungen. Cisco ersetzt die GM Aktie, Citigroup wird
durch Aktien des Versicherers Travelers ersetzt. Dell meldete einen Gewinneinbruch von 63%
auf USD 290 Mio., beim Umsatz verlor man 23%. Einen Ausblick auf das Gesamtjahr wollte
und konnte man nicht geben, das Umfeld bleibe weiterhin "herausfordernd". Gerüchteweise
steigt Pharmahersteller Bristol-Myers Squibb bei der irischen Elan Corp ein. Intel meldete
indes die Übernahme von Wind River Systems für insgesamt USD 884 Mio.

In der nächsten Handelswoche erwarten wir kaum relevante Unternehmens- oder Konjunkturdaten. Dass das aktuelle Kursniveau bereits recht ausgereizt und hoch ist,  beweisen wohl die hastigen Kapitalerhöhungen der angeschlagenen Finanzkonzerne. Auch die vielerorts kommunizierte Hoffnung aufgrund von einigen "green shoots" (also den ersten zarten Sprösslingen einer konjunkturellen Erholung) können wir leider nicht teilen. Sie stellen für uns vielmehr einen Irrglauben an die unmittelbar bevorstehende ökonomische  Rekonvaleszenz dar, die wohl nicht so bald wie erhofft eintreten wird.

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