Pläne für Fusion von Karstadt und Kaufhof

5. Juni 2009, 08:33
posten

Arcandor vereinbart Gespräche mit Metro - Wirtschaftsprüfer halten Konzern für sanierungsfähig

Essen/Düsseldorf/Berlin - Zur Rettung des schwer angeschlagenen Handels- und Touristikkonzerns Arcandor wird eine Übernahme der Karstadt-Warenhäuser durch den Konkurrenten Kaufhof immer wahrscheinlicher. Arcandor ist bereit, mit der Kaufhof-Mutter METRO über die vorgeschlagene Zusammenlegung zu einer "Deutschen Warenhaus AG" zu sprechen. Beide Seiten hätten inzwischen ein Spitzengespräch dazu vereinbart, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski am Donnerstag dpa in Essen. Außerdem will Arcandor staatliche Rettungshilfe beantragen.

Unabhängig von den Gesprächen mit der Metro bemüht sich Arcandor um staatliche Unterstützung zur Lösung seiner Probleme. Arcandor beantragte am Abend staatliche Rettungsbeihilfe. Der Antrag sei am Abend beim Wirtschafts- sowie beim Finanzministerium in Deutschland eingereicht worden, sagte ein Sprecher am Donnerstagabend. Das Schreiben liege auch der EU vor. Zur Höhe der beantragten Hilfe wollte sich der Sprecher nicht äußern. Einzelheiten sollen den Angaben nach erst am Freitag im Laufe des Vormittags veröffentlicht werden.

FAZ: Übernahme Arcandor-Teile durch Metro mit Rettungsbeihilfe

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet unterdessen in ihrer Ausgabe vom Freitag unter Berufung auf Regierungskreise, Bund und Länder seien bereit, die Übernahme von Arcandor-Teilen durch den Konkurrenten Metro mit einer Rettungsbeihilfe in Form von Bürgschaften über 450 Millionen Euro zu begleiten. Bedingung sei aber, dass der Antragsteller sich von weiten Teilen auch seines profitablen Geschäftes und damit auch von Arbeitsplätzen trennt. Zu dem Paket gehörten auch weitere Kapitalmaßnahmen der Arcandor-Eigentümer, die darüber am Donnerstag mit der deutschen Regierung verhandelt hätten.

"Ein Kredit im Rahmen einer Rettungsbeihilfe ist der Alternativweg, den auch wir sehen", hatte Arcandor-Sprecher Koslowski zuvor erklärt. Der Karstadt-Mutterkonzern muss seine Finanzierung bis zum 12. Juni unter Dach und Fach bringen, sonst droht dem Unternehmen nach eigener Aussage die Insolvenz.

KPMG: Sanierungskonzept gut

Eine von den kreditgebenden Banken beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft stellte dem Sanierungskonzept der Arcandor-Führung indes ein gutes Zeugnis aus. "Das Unternehmen ist unter den im Konzept genannten Bedingungen sanierungsfähig", heißt es in dem von der Tageszeitung "Die Welt" (Freitagsausgabe) veröffentlichten Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Voraussetzung für eine dauerhafte Sanierung seien "Beiträge Dritter", etwa der Verzicht von Lieferanten oder Vermietern auf Teile von Zahlungen sowie der baldige Verkauf der Premium-Warenhäuser.

Als "interessanten Weg" bezeichnete indes der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor Guttenberg einen Metro-Einstieg bei Arcandor. Bundeskanzlerin Angela Merkel schloss staatliche Finanzhilfen indirekt aus. Staatliches Geld könne es nur für Unternehmen geben, "die gut gewirtschaftet haben und durch die Krise unverschuldet in Not geraten sind", sagte Merkel in Anspielung auf die schon seit längerem schwelenden Probleme bei Arcandor. Daher seien nun Eigentümer und Gläubiger in der Pflicht. EU-Industriekommissar Günter Verheugen sagte ebenfalls, dass "eine privatwirtschaftliche Lösung ohne staatliches Eingreifen in jedem Fall besser" sei. Der Tageszeitung "Ruhr Nachrichten" sagte der frühere SPD-Minister, dass die EU-Kommission eine mögliche staatliche Hilfe auf ihre Rechtmäßigkeit prüfen werde.

SPD für Staatshilfe

Die SPD macht sich für eine Staatshilfe für Arcandor stark. Medienberichten zufolge favorisiert sie einen Überbrückungskredit von mehreren hundert Millionen Euro über die staatseigene KfW Bankengruppe, um eine Insolvenz zu vermeiden. Voraussetzung sei eine signifikante Eigenleistung der Großaktionäre Schickedanz und Sal. Oppenheim sowie Fusionsverhandlungen von Karstadt und Kaufhof.

Die "Rheinische Post" berichtete, SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier habe Arcandor einen staatlich abgesicherten Rettungskredit in Höhe von 450 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die Arcandor-Eigentümer müssten aber 100 bis 200 Millionen Euro beisteuern und sich auf einen verbindlichen Fahrplan zu Fusionsverhandlungen mit Metro festlegen. Ein Sprecher Steinmeiers dementierte diese Darstellung.(APA/dpa/AP)

 

Share if you care.