Bachblüten nicht besser als Placebo

4. Juni 2009, 15:16
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Kremser Experten werteten Studien aus - Bachblüten als therapeutisches Mittel zu verkaufen sei "Täuschung der Patienten"

Krems - Eine aktuelle Studie des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie der Donau-Universität Krems zeigt, dass Bachblüten zwar eine Verbesserung von psychischen Problemen bewirken können, allerdings nicht mehr als ein Scheinmedikament (Placebo). Es handelt sich bei der Untersuchung allerdings nicht um eine klinische Studie mit Probanden, sondern um eine Literaturauswertung. Die Autoren sprechen allerdings von "Täuschung der Patienten".

Umstrittene Wirkung der Therapie

Die Bachblütentherapie ist eine alternative Behandlungsmethode, bei der einzelne oder mehrere Blütenessenzen eingenommen werden, um psychische Probleme zu lindern. Die Wirkung dieser Therapie ist umstritten, da klinische Studien bisher nicht nachweisen konnten, dass die Wirksamkeit von Bachblüten die von Placebo übersteigt, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung.

Die Kremser Experten versuchten zu bestimmen, ob eine Therapie mit Bachblüten einen positiven Effekt auf psychische Probleme, Prüfungsangst oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hat. Dies wurde anhand einer systematischen Literaturauswertung bereits erfolgter Studien überprüft. Dafür wurden drei Untersuchungen herangezogen, die sich mit der Wirksamkeit von Bachblüten gegen Prüfungsangst befassten, und eine, welche die Wirkung gegen ADHS behandelte.

Bachblüten wirken wie Placebo

Die Fachleute in ihrer Aussendung: "Alle vier Studien zeigten, dass Bachblüten nicht besser gegen Prüfungsangst oder ADHS wirken als Placebo. Bei allen therapierten Schülern und Studenten zeigte sich zwar eine Verbesserung, aber diese Verbesserung stellte sich sowohl bei der Einnahme von Bachblüten als auch Placebo ein. Ein weiteres Ergebnis des Reviews ist, dass im Zuge aller Bachblütentherapien nur vereinzelt Nebeneffekte auftraten. Das war allerdings zu erwarten.

"Viele Menschen stehen Medikamenten skeptisch gegenüber und bevorzugen 'natürliche' Therapien wie Bachblüten. Unsere Arbeit zeigt aber klar, dass wissenschaftliche Studien keinen Nachweis für die Wirksamkeit von Bachblüten bei Prüfungsangst gefunden haben. Bachblüten als effektives therapeutisches Mittel zu verkaufen ist daher meiner Ansicht nach eine Täuschung der Patienten", resümierte Studienautorin Kylie Thaler.

"Nicht völlig nutzlos"

Der Chef der Abteilung, Gerald Gartlehner, kann sich allerdings einen Nutzen über Umwege vorstellen: "Bachblüten wirken bei Prüfungsangst zwar nicht besser als Placebo, das bedeutet aber nicht, dass sie völlig nutzlos sind. In psychisch belastenden Situationen sprechen viele Menschen sehr gut auf Placebo an. Da Bachblüten weitgehend nebenwirkungsfrei sind, können sie daher für manche Personen weiterhin ein gutes Mittel sein, der Prüfungsangst beizukommen. Insofern helfen sie, den missbräuchlichen Einsatz von pharmakologischen Beruhigungsmitteln zu reduzieren." (APA)

 

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