Gegen den Strom der Einheitsmusik

18. März 2003, 10:47
posten

Mit "Long Gone Before Daylight" melden sich sich die Cardigans wieder zurück

Wien - The Cardigans haben sich mit ihren ersten vier Alben großes Ansehen sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern erspielt. Bei der bisher letzten Tournee der Schweden ließen sich Ermüdungserscheinungen allerdings nicht kaschieren. "Nicht unsere beste Leistung", meint Sängerin Nina Persson vier Jahre danach. Doch jetzt meldet sich die Band mit dem starken Opus "Long Gone Before Daylight" (Universal) zurück. "Es war eine harte Arbeit, aber zugleich ein wunderbarer Prozess", so Persson über die Entstehung der Platte.

"Zum ersten Mal sind den Studioterminen umfangreiche Vorproduktionen und Proben vorausgegangen. Das heißt nicht, dass wir dabei alle Songs penibel bis ins kleinste Detail ausgearbeitet haben. Es waren noch genügend Freiräume beim Aufnehmen vorhanden." Homogen und melodisch klingen die Songs, die eine Einheit ergeben. "Wir verstehen die CD als Album, nicht als lose Sammlung von Liedern", so Persson.

Dabei hätten The Cardigans beinahe einen Schlussstrich gezogen: "Es stand lange in den Sternen, wie und ob es mit der Band weitergehen sollte", betonte Nina. Die Befreiung aus dem engen Bandkonzept brachten Solo-Projekte und die damit verbundenen vorläufigen Trennungen. "Wir haben den Kontakt nicht vorsätzlich abgebrochen, es ergab sich so", berichtete Persson, die sich mit dem in New York eingespielten "A Camp" emanzipierte und dann auf eine gelungene Konzertreise ging.

Kreativer Schub

"Die Realisierung meiner eigenen Sache gab mir einen kreativen Schub, der bis heute anhält", sagte die Sängerin. Berichte darüber, dass ein großer Erfolg von A Camp das Ende der Cardigans bedeutet hätte, dementiert Nina. "Ich war ja mit den Reaktionen und Verkäufen sehr zufrieden, es wird sicher weitere Alben von A Camp geben. Aber zugleich haben Solo-Projekte positive Auswirkungen auf unsere Gruppe. Wir können andere Erfahrungen sammeln und diese dann in die Band einfließen lassen."

Am Anfang von "Long Gone Before Daylight" stand ein gemeinsamer Urlaub sämtlicher Cardigans-Mitglieder in Los Angeles. "Wir sind nicht zusammengekommen, um Musik zu machen, sondern um die Freundschaft und das Band-Gefühl aufzufrischen", erinnerte sich Nina Persson. In einem Haus am Strand wurde viel besprochen und so mache Flasche geleert. Und dann sei der Wunsch wieder da gewesen, eine weitere Cardigans-Platte zu produzieren: "Weil es einfach zu schade gewesen wäre, das Potenzial, das in dieser Gruppe steckt, nicht zu nutzen."

Mit "Long Gone Before Daylight" nähern sich The Cardigans Einflüssen wie Neil Young & Crazy Horse oder Buffalo Springfield. Damit schwimmen sie gegen den Strom der Einheitsmusik. "Irgendwann werden wir zurückblicken und von uns sagen können, dass wir eine konstante Karriere hatten und nicht nur ein paar Hits", so Persson. Nachsatz mit lautem Lachen: "Obwohl ich immer glaube, dass wir das Falsche machen...". Wer weiß, vielleicht erkennt ja selbst das engstirnige Format-Radio die Qualität der aktuellen Single "For What It's Worth".

(APA)

  • Artikelbild
    universal
Share if you care.