Und nun läuft Graf nach Paris

17. März 2003, 19:25
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Stephanie Graf, Silberne von Birmingham, hat von Trainer Stechemesser bereits den Übungsplan für die Freiluft-WM in Paris erhalten

Benno Zelsacher

Birmingham/Wien - 2001 und unter freiem Himmel in Edmonton war Grant mit im inoffiziellen Spiel, als Stephanie Graf zweite Siegerin hinter Maria Mutola wurde. 2003 und unterm Hallendach in Birmingham holte Frau Graf zwar wieder Silber über die 800 Meter hinter Mutola, doch für Grant war nicht einmal zwischen den Worten Platz. Zu sagen das Comeback nach ihrer Tumoroperation im Juli vergangenen Jahres hätte noch besser ausfallen können, wäre eine Unverschämtheit, und Stephanie Graf ist nicht unverschämt.

"Vor vier Monaten", meint ihr Trainer Helmut Stechemesser, "habe ich ihr das nicht zugetraut. In den vergangenen Wochen stieg meine Zuversicht, und zuletzt habe ich schon damit spekuliert, dass es Richtung Medaille geht." Und seit gestern geht es in die Richtung des nächsten sportlichen Ziels. Es liegt in Paris, im Sommer findet dort die Freiluft-WM statt, und Graf will wie immer ganz nach oben laufen, das heißt an Maria Mutola vorbei und zu Gold.

Stechemesser, Sportmediziner und Leistungsdiagnostiker aus der ehemaligen DDR, seit Jahren in einer Rehaklinik in Oberösterreich beschäftigt, betreut Graf seit 1995. Die beiden sehen einander nicht so oft - Graf übt daheim in Völkermarkt und in Wien, seit sie für den dortigen LCC sportelt - aber tägliche Telefonate schaffen genügend Klarheit. Die nächsten beiden Wochen ist Regenerationstraining angesagt, dann folgen acht bis zehn Wochen Grundlagenausdauerübungen, ehe die quälenden Tempoläufe über diverse Distanzen anstehen.

"Maria Mutola", muss Stechemesseer schon zum wiederholten Mal sagen, "ist eine Ausnahmeathletin, seit zwölf Jahren ist sie absolute Spitze, die beste Mittelstrecklerin, die es je gab. In Birmingham war sie von Stephanie nicht zu schlagen." Seit einigen Jahren ist Graf die unbestritten Zweitbeste hinter der 30-jährigen Mosambikerin, die in den USA lebt, auch wenn sie bei der Hallen-EM 2002 in Wien der Slowenin Jolanda Ceplak unterlag, der in Birmingham nur Blech blieb.

Ein paar 1500er

Stechemesser: "Pech, dass Graf ausgerechnet in diesem Jahrzehnt läuft." Ein Ausweichen auf eine andere Distanz komme nicht so rasch infrage. Graf werde heuer bei einigen kleineren Meetings 1500er einstreuen, doch ein Umstieg dauere länger als eine Saison. Zudem, glaubt Stechemesser, sei auch Mutola zu schlagen. Graf hat dies bei Meetings auch schon zehnmal bewiesen, doch noch nie bei großen Titelkämpfen, weshalb ihr Wunsch bestehen bleibt: einmal bei einem Großereignis die Hymne hören. Die wird nur für die Siegerin aufgelegt. Graf (29) befindet sich noch längere Zeit in einem guten Mittelstreckenalter, und sie kann sich vorstellen, bis zu den Olympischen Spielen 2008 weiter zu laufen.

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 18.3. 2003)

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    montage: derstandard.at
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