Metro bedrängt Arcandor

4. Juni 2009, 09:12
posten

Noch in dieser Woche will Metro-Chef Cordes mit der deutschen Kanzlerin Merkel über eine Fusion der Warenhäuser beider Konzerne sprechen

Berlin - Der Vorstandschef des Handelskonzerns Metro, Eckhard Cordes, wird nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Donnerstag) bis Ende der Woche mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier über eine mögliche Karstadt-Übernahme sprechen. Cordes wolle die zum ins Trudeln geratenen Arcandor-Konzern gehörende angeschlagene Warenhauskette mit Kaufhof zusammenlegen. Dabei sollen nach diesen Informationen 40 der insgesamt 206 Warenhäuser geschlossen werden.

Von diesen 40 bedrohten Standorten könnten aber 20 Häuser als Elektromärkte (z.B. Saturn) oder von anderen Handelsfirmen weitergeführt werden. Bei einem Zusammengehen beider Warenhaus-Unternehmen müssten 5000 Vollzeitkräfte abgebaut werden, schrieb das Blatt weiter. Karstadt beschäftigt derzeit 22.000 Vollzeit-Mitarbeiter, Kaufhof 18.400.

"Wir planen keine Leichenfledderei"

"Wir sind sicher, dass wir von den 90 Häusern 60 übernehmen und in unser Galeria-Kaufhof-Konzept integrieren können", sagte Metro-Finanzvorstand Thomas Unger der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe) laut Vorabmeldung. Damit würde der Konzern dem weit überwiegenden Teil der Beschäftigten eine gesicherte Zukunft geben.

"Wir planen keine Leichenfledderei und spekulieren auch nicht auf eine Insolvenz von Arcandor", sagte Unger. Die rund 4.000 Mitarbeiter in den 30 zu schließenden Filialen würden nicht alle arbeitslos. "Es gibt Interesse einer ganzen Reihe von Handelsketten an den Häuern. Unsere eigene Elektronik-Handelskette Saturn gehört dazu. Sicherlich sind die Häuser auch für die großen Textilketten, Projektentwickler, vielleicht auch Einkaufscenterbetreiber interessant."

In jeder neuen Form der Nutzung würden immer erfahrene Handelsmitarbeiter gebraucht, wurde Unger zitiert. Dies wäre eine Chance für frühere Karstadt-Beschäftigte. Nach seinen Worten könnte bereits Ende Juli das erste Gerüst einer angestrebten Deutschen Warenhaus AG aus Kaufhof und Karstadt stehen.

Die Ablehnung der Staatsbürgschaft durch die EU für Arcandor begrüßte der Finanzchef: "Das bestätigt unsere Position, dass man die Verluste von Arcandor nicht sozialisieren darf. Es kann nicht sein, dass die Allgemeinheit die Risiken unternehmerischen Handelns aufgebürdet bekommt." Der Metro-Vorschlag hingegen stelle ein Rettungskonzept dar, das den Steuerzahler heraushalte und zukunftsfähige Strukturen für die Warenhäuser in Deutschland schaffe. (APA/dpa)

Share if you care.