Stören und Sinn stiften

4. Juni 2009, 00:49
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Projekt "curatedby" in Wien: Matthew Higgs, Direktor von White Columns New York, bespielt fünf Galerien in der Eschenbachgasse

"Es gibt keine Garantie dafür, dass die Gastgeber die Arbeit mögen", gibt Matthew Higgs, der im Rahmen des noch bis Samstag laufenden Projekts curatedby die fünf Galerien der Eschenbachgasse mit seinen Konzepten bespielt, zu bedenken. Aber: Higgs hat sich große Mühe gegeben, dass die Galeristen, deren "Territorium" er betritt, zufrieden sind.

Denn Higgs, Direktor von White Columns New York, war es ein Ansporn, dass seine "Correspondences" - jeweils dialogische Präsentationen von Künstlern unterschiedlicher Generationen - am jeweiligen Ort Sinn machen: Mit Florian Pumhösl, vertreten von der Galerie Krobath, finden die Arbeiten von Eileen Quinlan und Jan Groover, die den Einfluss und die Nachwirkungen der Moderne auf die Fotografie der amerikanischen Nachkriegsära thematisieren, ein verwandtes inhaltliches Echo. Gefälliger ist jedoch ein visuelles Moment: Beide setzten unabhängig voneinander ihr Medium so ein, dass Gegenständliches zum Teil abstrakter Kompositionen wird. Fotografisch auch der Dialog von Janice Guy und Anne Collier (Mezzanin), die die Selbstreflexivität und mimetische Dimension des Mediums untersuchen.

Neben diesen sinnstiftenden Verknüpfungen hat es Higgs aber auch interessiert, temporär die konkreten Erwartungshaltungen, mit denen Besucher sich "ihren" Galerien nähern, zu stören. Das Anknüpfen an lokal etablierte Positionen überwiegt jedoch: John Stezaker und Rita Ackerman (bei Galerie Meyer Kainer) etwa, lassen sich mit Aspekten in der Arbeit von Elke Krystufek oder Franz West verbinden. Higgs interessieren in diesem, überzeugenden Dialog gleichermaßen Fragen des Porträts und gespaltener Persönlichkeiten. Stezaker collagiert Porträts aus gefundenem Material wie Fotos klassischer Schwarzweißfilm-Stars oder Filmstills. Das Ergebnis sind surreale Porträts zerrissener Persönlichkeiten, die oft zwei verschiedene Geschlechter miteinander verbinden. Ackermann teilt dieses Interesse, formuliert es aber in malerischen, großformatigen Malereien, die auch den Körper miteinbeziehen.

Spannend nimmt sich die "Diskussion" von Karl Holmqvist und Christopher Knowles über die Figur des Künstlers als Performer (bei Janda) aus. Der spielerische Austausch über die Poesie des Alltäglichen (Noam Rapport und B. Wurtz bei Steinek) empfiehlt sich als sanft-wohliges Ende der Eschenbach-Runde. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

 

Galerien Meyer Kainer, Krobath, Janda, Steinek, Mezzanin, alle: Eschenbachgasse, 1010 Wien. Bis 6. 6.

 www.curatedby.at

 

  • "Parzival #12" (1989) von Christopher Knowles, dokumentiert die Zusammenarbeit des autistischen Künstlers mit Robert Wilson.
    foto: janda

    "Parzival #12" (1989) von Christopher Knowles, dokumentiert die Zusammenarbeit des autistischen Künstlers mit Robert Wilson.

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