Wie die Bank Austria Medici prüfte

3. Juni 2009, 18:12
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Die Revisoren kritisierten das Fehlen von Verträgen mit Bernard Madoff und Vertriebspartnern und monierten rechtliche Prüfungen

Die Bank Austria war für die Innenrevision der Bank Medici zuständig. Die Revisoren kritisierten das Fehlen von Verträgen mit Bernard Madoff und Vertriebspartnern. Und sie monierten rechtliche Prüfungen.

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Wien - Die in die Causa Madoff verstrickte Wiener Bank Medici ist mangels Lizenz keine Bank mehr, die Bank Austria (BA; sie hält 25 Prozent, Sonja Kohn den Rest) wartet nun ab, "welches Geschäftsmodell Kohn präsentieren wird" . Ein Blick in Dokumentationen zeigt, was BA und Medici verbunden hat. Etwa das nicht unwesentliche Faktum, dass die BA für die Innenrevision zuständig war. Basis für die Aufgabenverteilung: der Geschäftsbesorgungsvertrag 2003. Er verpflichtet die BA bei der Bank Medici "zur Durchführung der internen Revision, der Buchhaltung (bis 2008; Anm.), des tourlichen Berichts- und Meldewesens und der Geldwäschereiagenden" .

Laut Aussagen im Verfahren gegen Ex-Medici-Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder rund um Kohn (es gilt die Unschuldsvermutung) gab es "im Zusammenhang mit Madoff zwei Prüfungen" : eine im Dezember 2008 und eine imApril 2007. Bei letzterer wurde das "Fund Operations Management" untersucht; ein Internes Kontrollsystem fehlte und wurde danach eingerichtet. Die Revisoren analysierten auch die Abläufe beim (wie man heute weiß) Madoff-involvierten Thema Fonds; bei ihm war die Bank Medici Investment-Manager.

Die Prüfer 2007: "Die Einhaltung der Anlagerichtlinien durch den Fondsmanager wird erst im Nachhinein durch die Bank Medici geprüft. Es stellt sich die Frage, ob diese Vorgangsweise durch den Inhalt des Prospekts gedeckt ist. Darin wird explizit nur von einer Möglichkeit der Delegation des ‚Decision making‘ gesprochen. ... Es wird aber das gesamte Fondsmanagement (auch Käufe/Verkäufe) ausgelagert." Das gehöre geprüft.

Laut jüngster Einvernahme eines Revisors habe aber "der Medici-Vorstand damals entschieden, dass eine ... Prüfung nicht notwendig sei" . Dass Madoff beim Thema Fonds gleichzeitig Subcustodian und Investmentmanager war (sich also selbst kontrollierte) sei ihm "nicht bekannt gewesen" . Was die Prüfer weiters kritisierten: Es lag damals "kein gültiger Vertrag mit dem Investment Adviser vor" , der sei "dringend notwendig" , ebenso die Prüfung, "welche Aufgaben an den Adviser delegiert werden dürfen, und welche bei Bank Medici zu verbleiben haben."

Laut jetziger Darstellung eines der Prüfer vor den Behörden war "die Auslagerung des Managements des Thema Fonds an Madoff bekannt, es gab keinen Vertrag." Ob es nicht auffällig war, dass es zwischen Madoff und Medici bzw. Herald Lux nichts Schriftliches gab? Der Banker, dem das damals "nicht auffällig" war: "Sinnvollerweise sollten Dokumente aufliegen."

Im Revisionsbericht vom 10. Dezember 2008 wurde das Asset Management durchleuchtet, die Innenrevision beanstandete, dass "aus der Vergangenheit noch Vertriebsvereinbarungen fehlen" . Beim Fonds Herald Lux (ihn gab es seit Februar 2008; die Bank Medici war als Investment Manager für die Vermögensveranlagung zuständig) fiel den Prüfern auf, dass "für die Veranlagungen ein Broker herangezogen wird. Diesem werden (nach Angaben des Asset-Management-Leiters) bei Ordererteilung durch die Bank Medici sehr enge Investitionsbeschränkungen auferlegt, so dass hier keine Subdelegation vorliegt" . Der Name Madoff taucht im zehnseitigen Bericht nicht auf; bei den Einvernahmen sehr wohl. Da berichtet ein Medici-Revisionär, dass "uns dargestellt wurde, dass Madoff nur ein Broker ist und dass tägliche Orders erfolgen" . Die Innenrevision habe "sich dieser Meinung angeschlossen" .

Die Realität war schneller

Weiterer Kritikpunkt im Bericht vom 10. Dezember: "Schriftliche Vereinbarungen mit den Fonds-Vertriebspartnern lagen nur in wenigen Fällen vor" . Die Behebung der Mängel wurde bis 9. März 2009 aufgetragen - aber von der Realität überholt. Am 12. Dezember wurde Madoffs Festnahme bekannt.

In der Bank Austria fiel all das damals nicht auf. Ein Innenrevisor: "Der BA-Vorstand hat sich ebenso wenig wie das Beteiligungsmanagement oder sonst jemand in der BA für Innenrevisionsberichte der Bank Medici AG interessiert." Ein Banksprecher heute dazu: "Die Berichtspflicht der Innenrevision bestand nur gegenüber der Bank Medici. Die Weitergabe von Daten, auch an die Bank Austria, war gesetzlich gar nicht erlaubt." (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

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    Bernard Madoff, wie er auf der jüngsten US-Spielzeugmesse dargestellt wurde. In Österreich entpuppen sich die Causen Madoff und Bank Medici als peinsam für die Bank Austria. Sie war für die Innenrevision bei Medici zuständig.

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