Musik harmoniert mit dem Handel

3. Juni 2009, 17:43
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Musikalische Berieselung hebt Einkaufslaune und Umsätze der Verwerter

Wien - Manchmal ertappe er sich dabei, wie er die Musik in seinem Sportgeschäft leiser drehe. Aber sie schaffe halt eine angenehme Atmosphäre fürs Einkaufen, meint Fritz Aichinger, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer Wien. Vorausgesetzt, der Lärmpegel stimme und aus den Lautsprechern töne nicht zum 48. Mal am Tag "Jingle Bells" .

Österreichs Händler sehen sich in Harmonie mit der Musikindustrie. Gut drei Millionen Euro zahlt die Branche jährlich an die Urheberrechtsgesellschaft AKM für die Rechte an den Titeln, rechnet ihr Direktor Gernot Graninger vor. Die Tarife orientieren sich an der Verkaufsfläche: Für 2000 Quadratmeter Beschallung muss ein Händler rund 120 Euro im Monat berappen. Oder er sucht Schlupfwege wie die Elektrokette Media Markt. Wer Musik allein zu Präsentationszwecken einsetzt, erspart sich die Abgaben. Die AKM sah das im Falle von Media Markt aber anders, strengte einen Musterprozess an und gewann.

Dass Musik Kühe dazu bewegt, mehr Milch zu geben, wurde empirisch nie bewiesen. Dass sie die Kassen im Handel klingeln lässt, ebensowenig. Einfluss aufs Kaufverhalten hat sie dennoch, ist sich Gerhard Gensch von der Donau-Uni Krems sicher, und er untermalt es mit einer neuen Studie. Acht Betriebe und 388 Konsumenten wurden im Auftrag der AKM befragt. Das Ergebnis: Für gut zwei Drittel steigt mit der Musikberieselung auch der Spaß am Einkaufen. Unter den Mitarbeitern bestätigten gar 79 Prozent die positive Wirkung. Und fast die Hälfte der Befragten glaubt, dass die Musik den Verkauf fördert. In Studien der 80er-Jahre fielen Urteile darüber deutlich harscher aus - die Zeit der musikalischen Endlosschleifen sei freilich vorbei, sagt Gensch. Rewe etwa bespielt ihre Märkte über ihr Liveradio Radiomax - Werbung, Nachrichten , Mitarbeitermotivation inklusive. Auch bei Spar hebe Musik die Stimmung, heißt es im Konzern, wenngleich die Kunden sie nur unbewusst registrierten und Mitarbeiter gar nicht mehr. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.6.2009)

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