Gurus auf dem Weg nach Indien

2. Juni 2009, 17:58
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Verletzter Guru Sant Niranjan Dass wird von persönlichem Arzt begleitet - Ärzten hielten ihn gestern noch nicht für transportfähig - Sarg des getöteten Gurus mit an Bord

Der am 24. Mai in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus durch Schüsse schwer verletzte indische Prediger Sant Niranjan  ist am Mittwoch aus dem Spital entlassen worden und vom Flughafen Wien zur Rückkehr in seine Heimat aufgebrochen. Mit der gleichen Maschine wird der Leichnam des bei dem Attentat tödlichen verletzten indischen Gurus Sant Rama Nand in seine Heimat überstellt.

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Der 68-jährige Guru Sant Niranjan Dass, der am 24. Mai bei einer Schießerei in Wien-Rudolfsheim schwer verletzt wurde, sowie der Leichnam des getöteten Gurus Sant Rama Anand (andere Schreibweise: Nand) befinden sich auf dem Heimflug nach Indien. Die Maschine der indischen Regierung hob kurz vor 14.00 Uhr vom Flughafen Wien in Schwechat ab. Bewacht wurde die Aktion von der Cobra.

Eine fünfköpfige Delegation der indischen Regierung war bereits Dienstagabend nach Wien geflogen, um die beiden Gurus nach Indien zu holen. Der verletzte 68-Jährige ist mit dem ÖAMTC-Rettungshubschrauber "Christophorus 9" zum Airport gebracht worden.

In weißem Gewand und orangefarbenem Turban wurde mit einer Liege aus dem Hubschrauber gehoben und anschließend mit einem Spezialsessel ins Flugzeug gehievt. Sein persönlicher Arzt attestierte ihm einen "sehr guten" Gesundheitszustand.  Die Ärzte in Wien hielten den Guru gestern am Dienstag noch nicht für transportfähig.

Der getötete Guru Sant Rama Anand wurde in einem mit  Spezialfolie verschweißten Zinnsarg in die Maschine verfrachtet. Auch Blumenschmuck und Kränze wurden beigegeben.

Nur 50 Trauernde durften auf einmal in die Halle

Gestern trauerten die Anhänger des verstorbenen Gurus. Nur je 50 Trauernde durften auf einmal in die Aufbahrungs-Halle. Eine Sicherheitsvorkehrung, wie Michael Takacs, Sprecher der Wiener Polizei, erläuterte.

"Die Ravi Dassi haben einen Ordnerdienst organisiert. Mögliche Verdächtige wären so am raschesten aufgefallen" , schilderte Takacs. 500 Menschen seien eigens angereist, sagt die Religionsgemeinschaft.

Angriff  "unprofessionell"

Der Angriff im Gebetshaus in der Wiener Pelzgasse sei "sehr unprofessionell" erfolgt, fasste Michael Takacs, Sprecher der Wiener Polizei am Dienstag im Gespräch mit dem Standard die bisherigen Ermittlungsergebnisse zusammen. Die am Tatort gefundene Waffe, aus der die tödlichen Schüsse abgegeben worden sein sollen - eine silberne Makarow-Pistole, - sei "veraltet und verrostet. Dass sie losging, war im Grunde eigenartig" . Diese Aussagen widersprechen bisherigen Versionen der Ereignisse, die von einem detaillierten Plan der Attentäter ausgingen.

Noch viele Unklarheiten

Die Polizei hat seit dem Anschlag über 50 Einvernahmen durchgeführt, eine Reihe von Schriftstücken wurde aus dem Indischen ins Deutsche übersetzt. Fünf von insgesamt sechs Verdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Da Verdächtiger Nummer sechs, der laut Ermittlern der Haupttäter sein könnte, nach einem Kopfschuss immer noch auf der Intensivstation im Koma liegt, konnte der detaillierte Ablauf des Überfalls und der Minuten danach noch nicht rekonstruiert werden. Laut Takacs ist etwa unklar, ob sich der Mann den Kopfschuss selbst verpasst hat oder angeschossen worden ist. (APA, Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 3. Juni 2009)

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    Guru Sant Niranjan Dass wird auf dem Flug von seinem persönlichem Arzt begleitet

  • Polizei und private Ordner wachten während der Aufbahrung des Guru Sant Rama Nand über die Sicherheit der Gläubigen.

    Polizei und private Ordner wachten während der Aufbahrung des Guru Sant Rama Nand über die Sicherheit der Gläubigen.

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