Wertschöpfungseffekte ungewiss

2. Juni 2009, 11:25
5 Postings

Im Vorfeld des Sport-Großereignisses wurde mit Wertschöpfungseffekten von mehr als 640 Millionen Euro gerechnet

Wien - Im Juni vor einem Jahr erfolgte der Anpfiff für die Fußball-Europameisterschaft EURO 2008. Im Vorfeld des Sport-Großereignisses wurde mit Wertschöpfungseffekten von mehr als 640 Mio. Euro gerechnet. Ob dies tatsächlich eingetreten ist, lässt sich aber bis heute kaum feststellen: "Es wird zu keiner gesamten Nachbetrachtung kommen", sagte der Autor der damaligen Wertschöpfungsstudie und Chefökonom der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein, im Gespräch mit der APA. In punkto Image habe Österreich aber von der EURO profitiert, meinen Experten.

Um die Effekte zu messen, wäre eine "begleitende Beobachtung" notwendig gewesen. Diese sei aber nicht durchgeführt worden, so Helmenstein. Des weiteren seien die berechneten Effekte auch von der "massiven Krise" ab August überschattet worden.

Ursprünglich gingen Helmenstein und sein Team davon aus, dass durch die EURO knapp 13.400 Jobs entstehen und der Finanzminister 25 Mio. Euro zusätzlich an Umsatzsteuer einnimmt.

Ganz ohne Nachbetrachtungen bleibt es aber dennoch nicht: Die Veranstalterstädte Wien, Salzburg, Klagenfurt und Innsbruck haben eine Studie in Auftrag gegeben, welche die finanziellen Auswirkungen der Besucher untersucht hat. Dabei wurde festgestellt, dass es durch die EURO-Besucher zu einem Wertschöpfungseffekt von mehr als 415 Mio. Euro gekommen ist. Der Großteil davon wurde in Wien erzielt (140 Mio. Euro), gefolgt von Niederösterreich (62 Mio. Euro) und Tirol (46 Mio. Euro). Österreichweit gaben die EM-Besucher rund 287 Mio. Euro aus.

WK Wien sieht deutlichen Schub am Arbeitsmarkt

Die Wirtschaftskammer Wien hat zusätzlich eine eigene Studie durchführen lassen. Durch die EM sei es im ersten Halbjahr 2008 zu einem "deutlichen Schub" am Arbeitsmarkt gekommen, so die Forscher. Die höchsten Zuwächse an Stellenangeboten habe es in der Gastronomie gegeben (April: +53 Prozent gegenüber April 2007, Mai: +42 Prozent im Jahresabstand). Diese "positiven Effekte" seien durch den Konjunktureinbruch ab Herbst "neutralisiert" worden. Allerdings hatte es sich dabei ohnehin überwiegend um zeitliche befriste Jobs gehandelt, räumte man in der Wirtschaftskammer Wien auf Anfrage ein.

In der Bundeshauptstadt sei es durch die EURO auch zu keinem Touristenrückgang gekommen, heißt es in der Studie. Das Nächtigungsplus im EM-Austragungsmonat Juni fiel mit 0,4 Prozent allerdings sehr mager aus. Im Mai machte der Zuwachs im Jahresabstand noch 11,2 Prozent aus, im Juli waren es +7,7 Prozent.

Von Anfang an kritisch wurden die Wertschöpfungsanalysen vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo gesehen. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, "dass sportliche Großveranstaltungen, wie etwa die Olympischen Spiele, überschätzt werden", hatte Wifo-Experte Markus Marterbauer gesagt. (APA)

 

Share if you care.