Trakl-Preisträgerin Doris Mühringer gestorben

26. Mai 2009, 15:20
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Gerhard Ruiss würdigt Beduetung der Grazer Lyrikerin und Übersetzerin

Wien - Die Dichterin und Übersetzerin Doris Mühringer ist in der Nacht auf Dienstag im Alter von 88 Jahren in einem Wiener Krankenhaus verstorben. Das teilte der Autor Heinz Janisch in einer Aussendung mit. Die gebürtige Grazerin galt als eine der großen Lyrikerinnen der 50er und 60er Jahre, zuletzt war es jedoch eher still um sie und ihr Werk geworden. Mühringer war Mitglied des PEN-Clubs, des Literaturkreises PODIUM, Trakl-Preisträgerin sowie Trägerin des Ehrentitels "Professor" und der Silbernen Ehrenmedaille der Stadt Wien. Vor vier Jahren war im Vierviertelverlag das gesammelte Werk Mühringers unter dem Titel "Es verirrt sich die Zeit" erschienen.

"Sie hat ein quantitativ eher unscheinbares, seiner Qualität nach umso gewichtigeres Werk hinterlassen", hieß es in einer Aussendung von Gerhard Ruiss (IG Autorinnen Autoren). Mühringer gehöre "ganz zweifellos zu den wichtigsten Stimmen der österreichischen Lyrik in den letzten Jahrzehnten".

Werdegang

Doris Mühringer wurde am 18. September 1920 in Graz geboren, 1929 übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Wien. Nach dem Krieg ging Mühringer nach Salzburg, hielt sich mit Übersetzungen aus dem Englischen, mit Lektoratsgutachten für Verlage und mit Büroarbeiten über Wasser. Zufällig lernte sie damals Hans Weigel kennen, der eine Lesung junger Autoren organisierte, darunter Ingeborg Bachmann, Gerhard Fritsch, Christine Busta und Mühringer. Weigel wurde zu Mühringers Mentor, publizierte einige ihrer Gedichte 1954 in den "Stimmen der Gegenwart", worauf sie den Georg-Trakl-Preis erhielt. Kurz darauf wurde ihr der Preis der "Neuen Deutschen Hefte" zugesprochen, bei denen u.a. Gottfried Benn in der Jury saß.

Es folgten Lesereisen u.a. durch die USA und im Jahr 1985 der Literaturpreis des Landes Steiermark. Wenige, schmale Gedichtbände sind von ihr erschienen, einige - vergriffene - Bilderbücher für Kinder, kurze Prosatexte. Ihr Werk ist langsam gewachsen und in großer Zurückgezogenheit entstanden. Ihre Schüchternheit, ihre Scheu vor Menschen sei "beim Berühmtwerden" wohl im Wege gestanden, sagte Doris Mühringer einmal. Im Verlag Styria und in der "Bibliothek der Provinz" sind u.a. die Gedichtbände "Das hatten die Ratten vom Schatten" (1989/92), "Reisen wir" (1995), "Aber jetzt zögerst du" (1999) oder "Achtzig für achtzig" (2000) erschienen. Ihr literarischer Nachlass liegt - auf ihren Wunsch - im Franz-Nabl-Institut in Graz. (APA)

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