"Das BZÖ teilt nicht in gut und schlecht"

25. Mai 2009, 12:14
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Der EU- BZÖ-Spitzenkandidat Ewald Stadler stellte sich den Fragen der UserInnen - Das Protokoll zur Nachlese

"Das BZÖ ist die bürgerliche Alternative zu ÖVP", sagt Ewald Stadler, Spitzenkandidat des BZÖ im derStandard.at-Chat. Obwohl er die Partei einmal als "Bienenzüchterverein Österreichs" bezeichnet hatte, müsse er sich dort wenigstens nicht "für meine Überzeugungen verrenken, was von mir aber von der Seilschaft rund um Strache und vom ihm selbst verlangt worden wäre." Die Türkei gehöre nicht zu Europa und werde dies auch nicht in hundert Jahren tun. Der Unterschied zwischen seiner Partei und der FPÖ sieht Stadler darin, dass das BZÖ "die Dinge seriös angeht."

ModeratorIn: Wir bitten um Entschuldigung - Es gab ein paar Unklarheiten zum Starttermin. Jetzt begrüßen wir den BZÖ-Spitzenkandidaten Ewald Stadler im Chat und bitten die UserInnen um Fragen!

Ewald Stadler: Ich begrüße alle die am Chat teil nehmen. Ich bin schon auf die Fragen gespannt.

farsad kambiz: glauben sie falls jörg haider noch am leben wäre, sie immer noch bzö spitzenkandidat für EU wahlen wären?

Ewald Stadler: Ja, das glaube ich sogar fix, weil ursprünglich Jörg Haider sogar überlegt hat, ob ich Spitzenkanditat für den Nationalratswahlkampf 2008 sein soll. Daher bin ich mir sicher, dass er mich bei der EU-Wahl zu einer Kanditatur gedrängt hätte.

Vor- und Nachnamen1: Warum soll man Sie als Schmiedl und nicht gleich den Schmied (FPÖ) wählen?

Ewald Stadler: Schlichtweg deswegen, weil wir die Dinge seriös angehen: z.B. die Frage des Moscheebaues. Strache demonstriert gegen Moscheebau in Wien, während sein FP-Bürgermeister in Nenzing im Walgau alles getan, dass dort die größte Moschee Vorarlbergs geabut werden kann; Strache wettert im Schreiton gegen die EU-Asylrichtlinien, sein EU-Abgeordneter Mölzer fehlt aber bei der EU-Abstimmung; oder letztes Beispiel: Strache ekelt mich wegen meines katholischen Glaubens aus der FPÖ hinaus, will jetzt aber mit dem Kruzifix in der Hand den Oberchristen spielen. Weiter Beispiele jederzeit möglich!

Tele Mach: Wie stehen Sie wirklich zur strikten Trennung von Religion und Politik?

Ewald Stadler: Als Christ glaube ich, dass ein Politiker sein eigenes Weltbild und seinen Glauben in seiner Politik, aber auch in seinem Privatleben einfließen lassen muss, um lebendiges Zeugnis zu geben. Politik ist nicht wertfrei, sonst könnte man die Tätigkeit genauso einer Maschine überlassen. Daher muss ein Christ seine polititschen Inhalte auch vom Glauben her bestimmen. Umgekehrt muss aber die Politik die inneren Freiräume der Kirchen achten, d.h. dass man Kichen weder politisch bestimmen darf, noch missbrauchen darf.

Bully Bullson #1: Sehr geehrter Herr Volksanwalt! Mich würde interessieren, wie eine immer doch noch recht ausländerfeindliche Einstellung mit Ihrer - offen zu Schau gestellten - christlichen Lebenseinstellung zusammen passt? Finden Sie das nicht widersprüchlich?

Ewald Stadler: Nein, das finde ich nicht! Die Nächstenliebe verlangt von jedem Christen die Erfüllung aller Standespflichten gegenüber dem unmittelbar Anvertrauten, z.B. den eigenen Kindern, den eigenen Eltern, Freunden usw. Es ist nicht verlangt, das unmittelbare Lebensumfeld für das gesamte Übel und die gesamte Not der Welt zu gefährden und sich dabei ausnutzen zu lassen. Wer verfolgt wird, muss Schutz bekommen. Wer Schutz begehrt, darf aber nicht Verfolgung vortäuschen. Es gäbe noch viele Abgrenzungsbeispiele, aber das geht sich hier leider nicht aus......

Ennio: Warum sind Sie nicht einfach Priester geworden?

Ewald Stadler: Weil ich dazu keine Berufung hatte, und weil ich zum christlichen Ehestand berufen wurde; die Ehe ist ein Sakrament wie die Priesterweihe.....

flix the flax: Wie stehen Sie zum Wahlspruch der FPÖ - Abendland in Christenhand? Bereuen Sie es vielleicht sogar, dass dieser Wahlslogan nicht auf den BZÖ-Plakaten steht?

Ewald Stadler: Nein, das bereue ich nicht. Mir wäre mein eigenes Seelenheil zu wichtig, als dass ich damit eine politische Shownummer betreiben würde.

Palaver85: Wie ist Ihr Verhältnis heute zu Andreas Mölzer? Reden Si noch miteinander?

Ewald Stadler: Wesentlich weniger als früher; es beschränkt sich auf höfliches Grüßen und auf Smalltalk.

Der Reisende: Sehr geehrter Herr Stadler, ich frage mich wozu Sie als im Übermaß national agierender Politiker überhaupt in das EU Parlament wollen?

Ewald Stadler: Schlichtweg um ein Volksanwalt der Österreicher in Brüssel (und in Strassburg) zu sein; da ist kein Widerspruch!

Sukram's Panopticum: Sie treten bei der Europawahl an. Das bedeutet für mich, dass Sie für den europäischen Gedanken sind. Welche Vision haben Sie für dies Zukunft der EU?

Ewald Stadler: Ein Europa, das von unten gebaut wird, welches eine friedliche Zusammenarbeit der europäischen Völker im Rahmen eines Staatenbundes ist, in welchem die Völker das Ausmaß der Verdichtung der Zusammenarbeit selbst bestimmen und in dem die Bürger das Zusammenwachsen bestimmen und nicht eine abgehobene Funktionärskaste.

Jürgen Mayer: Gestern fiel mir in einer Tageszeitung die Annonce auf, über welche Sie offenbar "Asylanten" ansprechen wollen: finden Sie wirklich, dass es der richtige Weg ist, anderen Gruppen von Menschen auf diese Weise Vorhaltungen zu machen oder tendenziell n

Ewald Stadler: Angesichts des Umstandes, dass bereits 43% der Häftlinge in Österreich zum 1.4.2009 Ausländer sind, dass rund 2 Drittel aller Tatverdächtigen aus dem Ausland kommen, dass der Kriminaltourismus blüht, dass die Zahl der Wohnungs- und Hauseinbrüche explodiert usw...... ist der Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Kriminalitätsentwicklung nicht mehr zu leugnen.

farsad kambiz: würden sie sich als deutsch-national bezeichnen? und verurteilen sie neonazis explizit?

Ewald Stadler: Ich bin Angehörgier eine Familie, die nicht nur keinen Nazi in den eigenen Reihen hatte, sondern aus katholischer Überzeugung den Nationalsozialismus immer als gottlose Ideologie abgelehnt hat. Aus diesem Grund einer meiner Vorfahren im bewaffneten Widerstand gegen das NS-Regime erschossen. Dieser Umstand ändert an meiner Herkunft und an meiner ethnischen Prägung aber nichts!

Kang & Kodos #1: Wie würde ein Herr Stadler als Abgeordneter zum EU-Parlament den dortigen Kollegen die Ereignisse in Ebensee erklären?

Ewald Stadler: Mit dem völligen Versagen des Unterrichtsfaches politische Bildung in Österreich und mit dem Umstand, dass Irrlichter in der Jugend Tabubrüche begehen, um zu rebellieren. V.a. aber müsste klar gemacht werden, dass dies keinerlei Repräsentanz für die Einstellung der Österreicher hat.

Hugo Barine: Finden Sie, dass die Kategorisierung in InländerInnen, gute AusländerInnen und schlechte AusländerInnen - wie Sie und Ihre Partei Sie ganz offen anstreben - dem europäischen Gedanken entsprechen?

Ewald Stadler: Das BZÖ teilt nicht in Gut und Schlecht, sondern in integrationswillig und nicht integrationswillig, in kriminell und rechtstreu, in anständig und unanständig, in fleissig und ausnützend......

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Herr Stadler, ich finde es so lächerlich dass sie als Volksanwalt auftreten – das sind sie nicht mehr. Sehnen sie sich nach dem job zurück?

Ewald Stadler: Ich bin anwaltlich tätig und brauche keinen Ersatzjob. Aber die Öffentlichkeit kennt mich in erster Linie aus meiner früheren Volksanwaltstätigkeit. Die aktuelle Werbelinie trägt diesem Umstand Rechnung, was gesetzlich zulässig ist. Dies wurde bereits in der Zeit geprüft, als ich selbst noch der VA angehört habe.

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Die FPÖ nimmt das Kreuz zur Hand und alle Kirchen wehren sich. Sie gerieren sich als Volksanwalt, und die Volksanwaltschaft selbst will Ihnen das verbieten. Im Grunde dasselbe?

Ewald Stadler: Das ist es nicht. Die Vorsitzende der VA erfüllt mit ihrem Auftreten gegen mich das Interesse ihrer Partei, der ÖVP. Das sich die Kirche gegen den Missbrauch des Kreuzes, des Zeichens der Erlösung, wehrt, ist richtig und gehört zum Auftrag der Kirche und nicht zum Auftrag einer Parteizentrale.

Stefan Hans Hasek: Herr Stadler, auch wenn ich Sie nicht wählen werde, ich halte Sie für einen hochintelligenten Menschen. Fühlen Sie sich als solcher im BZÖ Umfeld wirklich gut aufgehoben?

Ewald Stadler: Ja, das tue ich. Seit meiner Aussöhnung mit Dr. Haider habe ich wieder jene politischen Freiräume, die ich früher bei ihm hatte und die mir unter Strache verwehrt wurden. Das ist ein weiterer Grund meines Ausscheidens aus der FPÖ.

Childerich von Bartenbruch: Auf Ihren Wahlplakaten lese ich den Slogan "Überzeugend konsequent"! Wieso soll ich das von jemandem glauben, der das BZÖ vor nicht allzulanger Zeit als "Bienenzüchterverein Österreich" bezeichnet hat? Haben Sie neuerdings Ihr Interesse für die Bien

Ewald Stadler: Dass ich bei der Wortwahl nach der Abspaltung des BZÖ von der FPÖ nicht besonders zimperlich war, gebe ich offen zu. Dessen ungeachtet muss ich mich aber beim BZÖ in meinen Überzeugungen nicht verrenken, was von mir aber von der Seilschaft rund um Strache und vom ihm selbst verlangt worden wäre. Bevor ich aber Kompromisse in meinen Überzeugungen mache, die zu weit gehen, scheide ich lieber aus der Politik aus. Das nenne ich kompromisslos-ehrlich.

dudi kailkia: Sehen Sie das BZÖ weiter rechts als die FPÖ oder umgekehrt?

Ewald Stadler: Die FPÖ gehört zum sozialistischen Wählerspektrum: Die Grünen als internationale Sozialisten, die FPÖ als nationale Sozialisten und dazwischen die SPÖ als banale Sozialisten. Die FPÖ gewinnt auch fast nur noch Wähler von der SPÖ. Das BZÖ ist aber eine bürgerliche Alternative zu ÖVP. Das ist die neue Standortbestimmung der österreichischen Parteien.

aberpram: Erstens: Finden Sie es richtig, dass bei einer "EU"-Wahl keine europaeischen Fraktionen zur Wahl stehen, sondern oesterreichische Parteien?

Ewald Stadler: Bei der nächsten Wahl wird es länderübergreifende Listen geben. Es wäre schön gewesen, wenn wir beispielsweise gemeinsam mit Parteien aus Norditalien oder aus Bayern Listen hätten bilden können. Es wird schon noch werden....

Palaver85: Würden Sie im Europaparlament auch (wie Mölzer) mit Alessandra Mussolini eine Koalition eingehen, um Fraktionsstatus zu erreichen?

Ewald Stadler: Ich grenze niemanden aus, werde mir aber die demokratische Gesinnung möglicher Partner genau anschauen. Konzessionen zu machen, nur um eine Fraktion bilden zu können, endet bei mir genau bei dieser Gesinnungsprüfung.

Andi van west: sollte Marihuanakonsum gleich hart bestraft werden wie eine Vergewaltigung?

Ewald Stadler: Da ist doch noch ein "gewisser" Unterschied; aber was hat das mit der EU zu tun?

ModeratorIn: Userfrage per Mail: Sie sind als Katholik und Abtreibungsgegner bekannt. Gibt es für Sie keine Indikation, wo doch Abtreibung erlaubt wäre, oder sind Sie ganz strikt dagegen? Müssen dann nicht eigentlich auch frühabtreibende Mittel wie die Pille ode

Ewald Stadler: So wie der verstorbene Papst Johannes Paul II. für eine Kultur des Lebens eingetreten ist, bin auch ich für die Kultur des Lebens und gegen die Kultur des Todes. Das muss jeder Christ nach den Vorgaben des Glaubens hinsichtlich Pille und Spirale für sich selbst und mit seiner Partnerin entscheiden. Bei der Abtreibung ist meine Position eindeutig, und die ist wegen ihrer gesetzlichen Normierung auch von öffentlicher Bedeutung.

Arkturus: Ist es nicht Heuchelei für das EU-Parlament zu kandidieren, wo Sie doch nachweislich der Überzeugung sind, die EU sei ein Instrument der Freimauerer und somit eine einzige große Verschwörung?

Ewald Stadler: Wenn dies so wäre, dann wäre es umso wichtiger, dass jemand mit gegenteiliger Position kandidiert.

Mustermax Mastermux: Sie haben des öfteren geschildert, dass die EU von den Freimauerern unterwandert ist. Wie wollen sie als EU-Parlamentarier dagegen vorgehen?

Ewald Stadler: Siehe oben.

Drexau: Soll sich Österreich im Rahmen eines EU-Mandates an militärischen Aktionen beteiligen, wie z.B. die Piratenjagd vor Somalia?

Ewald Stadler: Nein, Österreich wurde mit seiner Neutraliät EU-Mitglied, weshalb keine Beteiligung an militärischen Aktionen stattfinden sollten.

Drexau: Sehen Sie in der Türkei ein europäisches Land? Bzw. ein Land, das in die EU als Vollmitglied aufgenommen werden sollte?

Ewald Stadler: Nein, die Türkei gehört nicht zu Europa, weder historisch, noch kulturell, geographisch und politisch. Sie wird dies auch in 100 Jahren noch nicht sein.

Ute Bock: habe Sie vor jahren im parlament erlebt. da haben Sie ständig laut dazwischen gerufen. werden Sie das im EP auch tun, und wenn ja, in wie vielen sprachen?

Ewald Stadler: Das weiß ich noch nicht. Neben dem Umstand, dass ich Deutsch und Englisch beherrsche, werde ich mich bemühen, auch noch italienisch zu lernen. Aber nicht nur für Zwischenrufe, wie sie zum Parlamentarismus seit dessen Existenz in allen Ländern gehören.

jMor: Können sie uns sagen, was sie an der EU gut finden, bzw. was sich seit dem EU Beitritt positiv in Österreich geändert hat, ohne gleich wieder etwas negatives in der selben Antwort zu erwähnen?

Ewald Stadler: Die Währungsunion hat uns das Gegensteuern bei der Finanzkrise sicherlich erleichtert, die EU könnte gegen Spekulanten besser vorgehen (Spekulantensteuer), sie könnte auch eine besser supranationale Energiepolitik im Interesse aller Mitgliedsländer machen usw.

Nick Not: Wo sie sehen sie die EU in 50 Jahren?

Ewald Stadler: Nach wie vor dort wo sie ist, wenn sie es schafft, die Herzen der Menschen zu erreichen und nicht nur Interesse an ihren Brieftaschen zu zeigen.

Iliphar: Wie sehen Sie die Rolle des Europäischen Parlaments und des Rats im europäischen Gesetzgebungsprozess? Wären Sie für eine Stärkung oder Schwächung der Rolle dieser Instutitionen, wenn ja wo genau?

Ewald Stadler: Der Rat schafft bei den dort geltenden Einstimmigkeitserfordernissen eine große Mitbestimmung für ein kleines Land, wenn dessen Repräsentanten couragiert und selbstbewußt auftreten. Wenn das Parlament zusätzliche Kompetenzen zu Lasten des Rates bekommt, ist dies mit einem Verlust einer Vetostellung für ein kleines Land verbunden. Dies liegt nicht im Interesse Österreichs.

ModeratorIn: Wir sind schon am Ende der Zeit angekommen, leider konnten bei weitem nicht alle Fragen beantwortet werden. Danke fürs Mit-Chatten!

Ewald Stadler: Dank für das große Interesse bei diesem Chat, Danke dem Standard.at für die Organisation und allen, die nicht mehr "drangekommen" sind, darf ich meine Bereitschaft mitteilen, dies gerne über die Homepage des BZÖ nachzuholen. Grüß Gott!

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