Die Bären sind los - im Bärenwald

13. Mai 2009, 19:16
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Bevor die Bärin Brumca in das Gehege übersiedelte, hat sie Jahre bei einem niederösterreichischen Geschäftsmann gehaust - Vinzenz hat bei einer Betonfirma dahinvegetiert

Seit elf Jahren können sich sechs Bären (fast) in freier Natur von dem erholen, was ihnen jahrelang angetan wurde. Jetzt hat die Tierschutzorganisation Vier Pfoten den Bärenwald im Waldviertel um ein Drittel erweitert - Von Roman David-Freihsl 

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Arbesbach - Brumca spechtelt immer wieder durch den Zaun zu Vinzenz rüber. Genießt der eine andere weibliche Aufmerksamkeit, wird sie narrisch. Es ist Paarungszeit im Bärenwald von Arbesbach - nachdem die sechs Bären im Freigehege vor rund einem Monat ihre Winterruhe beendet haben, kommen Frühlingsgefühle auf.

Die erste Winterhöhle ihres Lebens

Brumca hatte sich auch für diesen Winter ihre selbst gegrabene Höhle zum Ruhen eingerichtet, das macht sie nun schon seit vier Jahren. Als sich die Bärendame damals das erste Mal winterlich einbuddelte, wurde das von ihren Pflegern als Sensation gefeiert: die erste Winterhöhle ihres Lebens.

Bärin lebte  in kleinem Verschlag

Denn bevor Brumca in den Bärenwald übersiedelte, hatte sie ihre ersten sechs Lebensjahre bei einem niederösterreichischen Geschäftsmann gehaust - in einem 35 Quadratmeter kleinen Verschlag. Und das einer Einzelgängerin, deren Natur es ist, ständig unterwegs zu sein, um Futter zu suchen. Als Brumca in das Waldgehege kam, "stereotyperte" sie noch lange, marschierte auch im Freien immer nur dumpf die paar Meter ihres Gefängnisses hin und her - hin und wieder her. Bis sie nach und nach den Wald rundum und ihre Instinkte wieder entdeckte.

In Betongrube einer Privatfirma gehalten

Auch ihre Artgenossen, mit denen sie hier lebt, mussten einiges verarbeiten. Vinzenz und Liese etwa, die syrischen Bären im "Nachbarwald", hatten in der Betongrube einer Privatfirma dahinvegetiert - als Werbeträger für einen Skilift. Die Syrer Tom und Jerry wiederum waren als Zirkusbären unter anderem dazu gezwungen worden, kopfüber Leitern runterzuklettern. Nur langsam erholen sie sich von schweren Hüftschäden und den Fehlstellungen ihrer Vorderpfoten.

Beschäftigungstherapie

Auf dem Weg zurück zu ihrer natürlichen Lebensweise werden die Bären nun von ihren Pflegern Sigrid Zederbauer, Stefan Knöpfer und Thomas Einsiedl unterstützt. "Wir versuchen, sie den ganzen Tag zu beschäftigen", erläutert Einsiedl das "Enrichment". So wird ihnen beispielsweise das Futter nicht einfach vorgesetzt - sondern im ganzen Gelände versteckt; die Bären müssen wie in der freien Natur den ganzen Tag herumstreunen und sich auf Baumzweige gesteckte Äpfel pflücken oder das Futter aus dem Teich fischen.

Bärenwald nach Gefängnis

Der Bärenwald ist vor elf Jahren von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten im Waldviertel eröffnet worden, nachdem es gelungen war, die ersten Bären aus ihren privaten Gefängnissen herauszubekommen. Und ab diesem Wochenende kann man bei Arbesbach um einiges besser beobachten, wie die Pelzigen durch ihren Wald streunen: Diesen Freitag wird ab 10.30 Uhr die neue Anlage eröffnet.

Insgesamt wurden brutto zwei Millionen Euro investiert. Die Gehege wurden um ein Drittel auf 1,3 Hektar erweitert, ein neues Besucherzentrum errichtet, ein Kinderspielplatz und ein großzügiger Skywalk gebaut, von dem die Gäste noch besser das Bärentreiben beobachten können. 20 Prozent der Kosten wurden über die niederösterreichische Ecoplus-Förderung finanziert, der Rest aus Spendengeldern.

Am Samstag lädt dann der Bärenwald von Arbesbach ab 11 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 14.5.2009)

 

Webtipp: Bärenwald

  • Die "Syrer" erholen sich im Bärenwald der Tierschutzorganisation Vier Pfoten von Stress und Leid der vergangenen Jahre. Im Hintergrund: der neu errichtete Skywalk
    foto: standard/christian fischer

    Die "Syrer" erholen sich im Bärenwald der Tierschutzorganisation Vier Pfoten von Stress und Leid der vergangenen Jahre. Im Hintergrund: der neu errichtete Skywalk

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