Kriegsverbrecher Glavas in Bosnien festgenommen

13. Mai 2009, 11:56
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Abgeordnete wird Polizei in Sarajevo vorgeführt - Nach 24-Stunden-Frist wird entschieden, ob Glavas in U-Haft bleibt

Zagreb/Wien - Der in Kroatien wegen Kriegsverbrechen zu zehn Jahren Haft verurteilte kroatische Politiker Branislav Glavas bleibt per Beschluss der bosnischen Staatsanwaltschaft nach der Festnahme von Mittwoch in Sarajevo 24 Stunden in Haft. Wie ein TV-Sender berichtete, werde Glavas nach Ablauf dieser Frist entweder auf freien Fuß gesetzt oder aber die Untersuchungshaft werde verlängert.

 

Der bosnische Innenminister Tarik Sadovic hatte zuvor erklärt, dass Glavas "mit Gewissheit" freigelassen würde. Glavas könne als Staatsbürger Bosnien-Herzegowinas nicht an Kroatien ausgeliefert werden, betonte der Minister. Zudem haben Kroatien und Bosnien-Herzegowina kein Abkommen über eine wechselseitige Auslieferung von verurteilten Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft. Glavas wurde am Mittwoch in Bosnien-Herzegowina auf Grundlage eines Interpol-Haftbefehls festgenommen.

Glavas fühlt sich als Opfer

In einem Interview für die in Sarajevo erscheinende Zeitung "Dnevni avaz" erklärte Glavas, dass er in Kroatien "Opfer eines politischen Prozesses" geworden sei, den man so letztmals "in dunkelsten kommunistischen Zeiten" erlebt habe. Bosnien sei das Land seiner Eltern und er fühle sich hier nicht fremd. Kroatien habe er dennoch nur vorübergehend verlassen. "Kroatien ist meine Heimat. Kroatien habe ich aufgebaut und verteidigt", so Glavas.

Die Staatsbürgerschaft Bosnien-Herzegowinas hatte der im ostslawonischen Osijek geborene Politiker im November 2008 erhalten. Die rechtliche Grundlage bildete die Herkunft seiner Eltern aus einem Dorf im Westen der Herzegowina.

Glavas war während des Krieges zwischen Kroatien und serbischen Verbänden bei der Loslösung von Jugoslawien in den Jahren 1991 bis 1995 militärischer Befehlshaber von Osijek. Medien bezeichneten ihn damals als "Herrn über Leben und Tod". Als einer der engsten Mitarbeiter des verstorbenen kroatischen Präsidenten und Gründers der regierenden, national-konservativen HDZ, Franjo Tudjman, galt Glavas lange Zeit als "unantastbar". 2005 wurde er aber nach internen Querelen aus der HDZ ausgeschlossen. Danach gründete Glavas eine eigene Partei, die "Kroatische Demokratische Vertretung von Slawonien-Baranja" (HDSSB), die bei den Parlamentswahlen Ende November 2007 auf Anhieb drei Mandate erreichte. Eines davon entfiel auf Glavas. Glavas ist bis dato der ranghöchste kroatische Politiker, der wegen Kriegsverbrechen verurteilt wurde. (APA)

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