DDR-Doping war, ÖSV-Distanz ist

7. Mai 2009, 18:19
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Wie sich die Causa Pansold dargestellt und wer mit wem zusammengearbeitet hat

Wien - Anlass für Gegendarstellungsbegehren des Österreichischen Skiverbands (ÖSV) und seines Präsidenten Prof. Peter Schröcksnadel war die Standard- Schwerpunktausgabe zum Thema "1989 - Europas Neuordnung". Dazu erschien am 30. April auf Seite 20 eine Geschichte unter dem Titel "Die Wurzel des Dopingübels". Sie drehte sich um systematisches Doping in der DDR, dargestellt wurde auch, dass Österreich nach dem Mauerfall zum DDR-Trainer-Auffangbecken wurde.

Im Artikel wurde erwähnt, dass "der im Zusammenhang mit Doping wegen Beihilfe zur Körperverletzung verurteilte ehemalige DDR-Trainer Bernd Pansold jahrelang dem ÖSV gedient hätte".

Nach Ansicht des ÖSV ist diese Tatsachenmitteilung unrichtig: "Herr Dr. Pansold war weder jemals beim ÖSV beschäftigt noch sonst in irgendeiner Weise in dessen Auftrag tätig."

Schröcksnadel wehrt sich, weil geschrieben wurde, er "ließ lange nichts über Pansold kommen, der Obertauern erst auf internationalen Druck hin verließ".

"Diese Tatsachenmitteilung ist", so Schröcksnadel, "unrichtig bzw. in irreführender Weise unvollständig. "Ich habe immer jegliche Zusammenarbeit mit Dr. Pansold abgelehnt und als Vorbedingung für eine Beteiligung des ÖSV an der Betreibergesellschaft des Olympiastützpunktes Obertauern sogar die Beendigung deren Zusammenarbeit (sic!) mit Herrn Dr. Pansold verlangt, was auch erfolgt ist."

Jawohl, es stimmt, dass Pansold nie "beim ÖSV beschäftigt" oder auch nur "in dessen Auftrag tätig war". Und tatsächlich hat sich Schröcksnadel gegen eine ÖSV-Zusammenarbeit mit Pansold ausgesprochen. Als der ÖSV den zuvor privat betriebenen, aber von Bund und Land geförderten Olympiastützpunkt übernahm, konnte und wollte er es sich nicht leisten, einen Mann zu beschäftigen, der des Dopings an Minderjährigen überführt war.

"Dienlich" war Pansold dem ÖSV-Zugpferd Maier und etlichen anderen ÖSV-Skifahrern jahrelang sehr wohl gewesen, jedenfalls mit Kenntnis des ÖSV-Präsidenten Schröcksnadel. Freilich wurde immer wieder, auch von Pansold, betont, Maier und die anderen seien auf "privater" Basis in Obertauern betreut worden, ehe Schröcksnadel auf eine Trennung von Pansold drängte. Dieses Drängen setzte erst ein, als Ungemach in Form des DDR-Dopingprozesses und damit eine Verurteilung Pansolds drohte.

Pansold dient, wie der Standard berichtete, österreichischen und ausländischen Spitzensportlern nach wie vor als oberster Red-Bull-Leistungsdiagnostiker. (Fritz Neuman, DER STANDARD Printausgabe, 8.5.2009)

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    Bernd Pansold, Privatier in Obertauern.

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