Zusammenlegung der Museen wird wahrscheinlicher

6. Mai 2009, 14:46
posten

Gespräche sind im Gange, Ministerin Schmied favorisiert Verschmelzung

Wien  -  Die Museumsreform könnte in Kürze ein erstes echtes Ergebnis bringen: Vieles deutet darauf hin, dass das seit 2001 im Verband des Kunsthistorischen Museums (KHM) geführte Völkerkundemuseum und das als Verein organisierte Volkskundemuseum künftig zusammengelegt werden, jedenfalls aber zusammenarbeiten werden. Möglicherweise erfolgt dabei die Ausgliederung aus dem KHM-Verband, das Österreichische Theatermuseum dürfte jedoch dort verbleiben. Kulturministerin Claudia Schmied jedenfalls  kann dem Zusammengehen  viel abgewinnen: "Derzeit arbeitet eine Arbeitsgruppe an möglichen zukünftigen Szenarien für das Österreichische Museum für Volkskunde. Bisher scheint eine Verschmelzung mit dem Museum für Völkerkunde einer der effizientesten, innovativsten und nachhaltigsten Lösungsansätze zu sein", heißt es in einer kürzlich erfolgten Beantwortung einer von FPÖ-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner gestellten parlamentarischen Anfrage.

Friktionen und Brüche

"Einem solchen 'neuen Museum' läge ein ganz neues museumspolitisches Konzept zugrunde, wonach die im 19. Jahrhundert zwischen 'eigen' und 'fremd' (europäische und außereuropäische Ethnologien) unterschiedenen Sammlungs- und Vermittlungsansätze erstmals weltweit zu einem integrativen Gesamtansatz entwickelt würden", gerät die Ministerin geradezu ins Schwärmen, "Die herausragende gesellschaftspolitische Aufgabe eines solchen 'neuen Museums' könnte insbesondere das Begreifen der bereichernden globalen Vielfalt der modernen Gesellschaft sein. Durch aktive Einbindung von europäischen und außereuropäischen Migrantinnen- und Migranten-Kommunitäten könnte ein solches Haus zum Nukleus einer Diskussionsplattform betreffend kulturelle Friktionen und Brüche, aber auch zur Förderung des wechselseitigen Verständnisses des Prozesses der Integration ganz wesentlich beitragen", meint Schmied und betont: "Jedenfalls kann ein Lösungsansatz für künftige Szenarien nur von inhaltlichen Aspekten ausgehen."

Überlegungen über eine Gebäudesanierung oder eine Fusionierung mit dem Völkerkundemuseum seien "höchst notwendige und vordringliche", so Schmied: "Der Zustand des Gebäudes (Gartenpalais Schönborn) in welchem sich das Museum heute befindet, ist besorgniserregend." Der Bund habe, obwohl das Volkskundemuseum kein Bundesmuseum sei, "seit jeher auf Basis der Erkenntnis der Wichtigkeit des Museums für die österreichische Identität hohe Beträge aus Fördermitteln für Ausgestaltung, Personal und Betrieb des Hauses zur Verfügung gestellt. Auch im Falle der Schließung des Museums würden die Sammlungen an den Bund fallen, wodurch eine 'Zuständigkeit' in jedem Fall gegeben ist", so die Ministerin in der Anfragebeantwortung.

Renovierung der Substanz

"Es wird derzeit alles diskutiert", so eine Sprecherin von KHM-Generaldirektorin Sabine Haag. Nächste Woche finden weitere Gesprächstermine statt, eine Entscheidung dürfte in Kürze fallen. Im Kulturministerium will man sich auf keinen Zeithorizont einlassen: "Wir haben dabei vor allem eine moderierende Rolle. Ich höre aber, die Gespräche laufen gut", sagt Nikolaus Pelinka, der Sprecher von Kulturministerin Schmied. Als "Teil einer Weiterentwicklung der Museumslandschaft" suche man intensiv nach einer "Lösung im Interesse aller Beteiligten".

Das derzeit im barocken Schönborn-Palais in der Laudongasse untergebrachte Volkskundemuseum hat vor allem mit der Bausubstanz des Gebäudes zu kämpfen, dessen Renovierung man keinesfalls aus Vereinsmitteln bestreiten könne, wie Museumsdirektorin Margot Schindler immer wieder betont. Für den Verein für Volkskunde sind im Bundesvoranschlag 2009 mit 710.000 Euro fast doppelt soviel Mittel vorgesehen wie 2008 - derartige Zahlen hätten aber "keinerlei Verbindlichkeit", heißt es aus dem Ministerium. "Die Gespräche sind sehr weit gediehen", erklärt Schindler. "Natürlich wären wir lieber selbstständig geblieben, aber wir glauben, wenn es eine neue Konzeption für beide Häuser bedeutet, kann das eine sehr gute Lösung sein." Eine solche Konzeption würde für sie allerdings auch bedeuten, "dass man nicht völlig unter dem Logo des KHM verschwindet".

Die seit vier Jahren laufende Generalsanierung im Völkerkundemuseum dauert an und benötigt weitere Finanzmittel in der Höhe von zumindest 6 bis 8 Mio. Euro. Seit November wird mit dem süd- und südostasiatischen Teil der Schausammlung immerhin ein Vorgeschmack auf die künftige Präsentation geboten. Auch im Völkerkundemuseum steht man einer Zusammenlegung mit dem Volkskundemuseum "prinzipiell sehr positiv" gegenüber, wie Direktor Christian Feest   versichert. Die näheren Umstände auch für den Museumskomplex KHM wolle er aber erst erörtern, "wenn die Tinte auf dem Papier trocken ist". Klar sei, dass "das Modell, wie es bei der Fusion geschaffen wurde, seine Mängel hat", so Feest. "Die zehn Jahre haben dazu geführt, dass wir eingesehen haben, dass hier Veränderungen notwendig sind." Die Bundesmuseen zählen mit einer Mittelerhöhung von 8,5 Mio. Euro zu den großen Gewinnern des neuen Kulturbudgets. Da diese Mittel noch nicht auf die einzelnen Häuser verteilt sind, liegt der Verdacht nahe, dass sie zum Teil auch für eine Einbindung des Volkskundemuseums vorgesehen sind. Dies sei jedoch nicht der Fall, wehrt Pelinka ab: "Diese Mittel werden auf die Bundesmuseen verteilt."

Theatermuseum für Verbleib im KHM-Verbund

Thomas Trabitsch, der Direktor des Österreichischen Theatermuseums, plädiert dagegen energisch für einen Verbleib im KHM-Verbund: "Ich bin absolut dafür, dass diese Häuser zusammen bleiben. Natürlich wird es immer Verbesserungsbedarf in dieser Zusammenarbeit geben, aber man führt ja immer wieder konstruktive Gespräche. Wenn das Theatermuseum allein stehen würde, könnte es nicht lange existieren." Im Gespräch mit der APA zeigt er sich "ziemlich überzeugt, dass das kein Thema ist". Trabitsch hat auch eine klare Perspektive: Im März 2010 sollen die Neueinrichtung der Schausammlungen und die bauliche Maßnahmen (1,9 Mio. Euro) mit der Großausstellung "Gustav Mahler" abgeschlossen sein. (APA)

Share if you care.