Brüssel hat die Bären-
fährte aufgenommen

4. Mai 2009, 19:30
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Da Österreich bei der Rettung der letzten heimischen Braunbären weiterhin säumig ist, hat sich jetzt die EU eingeschaltet

Linz - Die bärige Post aus Brüssel langte vor wenigen Tagen in Österreich ein. Stellvertretend für die Republik nahm Christian Plössnig, Vertreter der Bundesländer in EU-Naturschutzangelegenheiten, das brisante Schreiben entgegen. Konkret will darin die Abteilung für Natur und Biodiversität der Europäischen Kommission wissen, warum es mit dem 20-jährigen "Djuro" und dessen achtjährigem Sohn "Moritz" nur mehr zwei männliche Braunbären im gesamten Gebiet der Zentralalpen gibt - vor allem aber, was Österreich zur Rettung der Bären zu tun gedenkt.

Single-Leben im Wald

Gemäß der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie hätte Österreich nämlich die Pflicht, für seine bedrohten Arten einen "günstigen Erhaltungszustand" sicherzustellen. Und der Braunbär (ursus arctos) gilt laut einer EU-Richtlinie als gefährdet und verpflichtet Österreich daher zu seinem Schutz. Dem steht das Faktum gegenüber, dass in den letzten zehn Jahren in Österreich 35 Braunbären verschwunden sind. Gespräche über Wiederansiedlungsversuche verliefen bis dato ergebnislos. Zuletzt hatte sich Oberösterreich für mehr Weiblichkeit im Bärenwald starkgemacht, die geplante Auswilderung scheiterte aber vor allem am Veto der Steiermark. Es sei in Sachen Wiederansiedlung von Bären in den Kalkalpen kein Einvernehmen mit Jägerschaft und Forstwirtschaft herzustellen gewesen, betonte der steirische Naturschutzlandesrates Manfred Wegscheider (SP) am Montag erneut.

Umdenkprozess

Vonseiten des WWF hofft man nach dem EU-Schreiben dennoch auf einen Umdenkprozess. "In Brüssel erwartet man sich eine konkrete Antwort der Republik Österreich. Am Zug ist jetzt Umweltminister Nikolaus Berlakovich, der nächste logische Schritt dazu ist die Einberufung eines Bärengipfels mit allen Verantwortlichen der Bundesländer", fordert WWF-Bärenprojektleiter Christoph Walder im Gespräch mit dem Standard. Doch im Lebensministerium legt man in Sachen Braunbären die Ohren an. "Da ist nicht der Minister zuständig, sondern die Bundesländer", heißt es auf Anfrage nur knapp. Die Fährte führt somit in die Tiroler Landesverwaltung - das Habitat des EU-Naturschutzbeauftragten Christian Plössnig. "Aber ich bin ja eigentlich nur die Koordinationsstelle. Das Schreiben der Kommission habe ich nur entgegengenommen und an die Bundesländer weitergeleitet. Naturschutz ist nun einmal Ländersache, und ich werde mich da sicher nicht einmischen." Einen nationalen Bärengipfel halte er aber für "durchaus sinnvoll." Mit den Antworten aus den Ländern rechnet Plössing in zwei Wochen.

Fakt ist: Sollte Österreich in Sachen Braunbär weiterhin eher die Winterruhe bevorzugen, drohen eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und in weiterer Folge Strafzahlungen - so lange, bis Moritz und seine Artgenossen wieder eine gesicherte Zukunft haben. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD-Printausgabe, 5.5.2009)

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    Im Kinderzimmer als Stofftier geliebt, im Zoo als Publikumsmagnet unverzichtbar, im Wald auf ein Problem reduziert: der Braunbär.

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