"Kommunismus ist schön"

12. Mai 2009, 10:46
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Peter Sodann kandidiert für die Linke als Bundespräsident, weil er die Welt zum Besseren verändern will - Sich selbst beschreibt er als "betenden Kommunisten"

Die Wahl wird Peter Sodann verlieren, denn den Bundespräsidenten wählt in Deutschland nicht das Volk, sondern die Bundesversammlung - ein gemeinsames Gremium aus Bundestag und Ländervertretern (siehe unten).  Bekannt ist der Schauspieler und Intendant aus der ehemaligen DDR vor allem als Leipziger Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher.

Nach Ende des offiziellen Teils einer Mai-Veranstaltung des DGB in Bayern, bei der Sodann als Hauptredner auftrat, fand er Zeit für ein Interview mit derStandard.at. Bei einem Bier erklärt Sodann warum er antritt, was er unter Demokratie versteht und was Kommunismus und Religion gemeinsam haben. Seine Antworten sind kurz - er wirkt müde und genervt.

derStandard.at: Ihre Kandidatur ist relativ aussichtslos. Warum nehmen Sie den Wahlkampf und alles was er mit sich bringt trotzdem in Kauf?

Peter Sodann: Weil ich schon immer die Welt zum Besseren verändern wollte.

derStandard.at: Und die Kandidatur zum Bundespräsidenten ist dazu der richtige Weg?

Sodann: Zumindest kann man verschiedene Dinge äußern, die vielleicht der Bundeskanzler nicht äußert.

derStandard.at: Sie haben kritisiert, dass das was in Deutschland passiert, keine richtige Demokratie wäre. Wie definieren Sie Demokratie?

Sodann: Demokratie muss ich jetzt nicht definieren, sondern Demokratie ist eine Angelegenheit, die täglich neu erkämpft werden muss.

derStandard.at: Sie sagen sie wünschen sich die DDR nicht zurück, aber sie möchten Sie sich auch „nicht nehmen lassen". Was davon möchten Sie sich nehmen lassen?

Sodann: Die politische Idee, die in der DDR anfänglich da war und die leider dann pervertierte. Ich hänge aber an der Idee und nicht an den Heroen, die diese Idee durchführen wollten. Die Idee gibt es ja schon etwas länger, sie fing vielleicht schon bei Jesus an.

derStandard.at: Sie werden in manchen Medien als "Ewiger Hofnarr" (Die Zeit) oder Klamauk-Kandidat (Magazin Focus) bezeichnet. Stört sie das?

Sodann: Diese Journalisten schreiben ja nicht unbedingt was sie denken, sondern was die Oberen denken. „Wie der Herr, so das Gescherre" - das ist ein altes Sprichwort meiner Mutter. Wer sein Geld verdienen will, muss oft etwas anderes vertreten.

derStandard.at: Sie bezeichnen sich selbst als "betenden Kommunisten". Was verstehen Sie darunter?

Sodann: Dieser ganzen Sache liegt eine andere Definition zugrunde. Die heißt: Kommunismus ist schön. Aber wenn man nicht beten kann, soll man den Weg in Richtung Kommunismus nicht beschreiten.

derStandard.at: Ist für Sie demnach beten Voraussetzung, um Kommunist zu sein?

Sodann: Ja.

derStandard.at: Warum?

Sodann: Unter beten habe ich nie verstanden, "Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm", sondern gegenüber den Dingen, die in der Natur sind, Demut zu zeigen. Wir haben keine zweite Erde. Wir haben nur eine. Damals als junge Leute haben wir drei Dinge aus unserem Gedächtnis gestrichen: Ungeziefer, Unmenschlich und Unkraut. Das hat Gott nicht geschaffen. (Michaela Kampl, derStandard.at, 4.5.2009)

Die Bundesversammlung: Das Gremium besteht aus allen Bundestagsabgeordneten und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder gewählt werden. Die Ländervertreter sind meist Landtagsabgeordnete, es können aber auch Kommunalpolitiker oder Personen des öffentlichen Lebens sein.

Die Bundesversammlung ist mit 1224 Mitgliedern die größte parlamentarische Versammlung Deutschlands. Sie entscheidet am 23. Mai in geheimer Wahl über den nächsten Bundespräsidenten. Außer Sodann kandidieren noch Horst Köhler für die CDU/CSU und Gesine Schwan für die SPD.

  • Zur Person: Peter Sodann wurde 1936 in Meißen geboren. Nach der Lehre zum Werkzeugmacher begann er ein Jus-Studium. 1959 wechselte er an die Theaterhochschule Leipzig. Wegen satirisch-kritischen Aussagen in einem Studentenkabarett saß er neun Monate im Gefängnis. 1961 wurde er aus der SED ausgeschlossen.
Mitte der 1960er Jahre gehörte Sodann zum "Berliner Ensemble". Von 1980 bis 2005 war er Intendant des "neuen theater" in Halle an der Saale. Bekannt wurde er vor allem durch seine Rolle als Leipziger Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher. Mittlerweile ermittelt in Leipzig aber ein anderes Team. Im Oktober 2008 präsentierte ihn die Linke als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.
    foto: derstandard.at/kampl

    Zur Person: Peter Sodann wurde 1936 in Meißen geboren. Nach der Lehre zum Werkzeugmacher begann er ein Jus-Studium. 1959 wechselte er an die Theaterhochschule Leipzig. Wegen satirisch-kritischen Aussagen in einem Studentenkabarett saß er neun Monate im Gefängnis. 1961 wurde er aus der SED ausgeschlossen.

    Mitte der 1960er Jahre gehörte Sodann zum "Berliner Ensemble". Von 1980 bis 2005 war er Intendant des "neuen theater" in Halle an der Saale. Bekannt wurde er vor allem durch seine Rolle als Leipziger Tatort-Kommissar Bruno Ehrlicher. Mittlerweile ermittelt in Leipzig aber ein anderes Team. Im Oktober 2008 präsentierte ihn die Linke als Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

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