Basisgruppe Bildung

1. Mai 2009, 18:18
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Regieren der Schulen nach Basar-Methode - Von Lisa Nimmervoll

Es begann mit einer politischen Indiskretion in Form gezielt platzierter Budgetdetails eines einzigen Ressorts und endete mit einem verwüsteten Politikfeld, das sich nach wochenlangem Gemetzel zwischen der Bildungsministerin und den Lehrergewerkschaftern quasi als unregierbar darstellt: Seriöse, sinnvolle und wirkmächtige Bildungspolitik scheint in Österreich im Moment nicht mehr möglich.

Der Einigung mit den Lehrern folgte eine peinliche Kettenreaktion. Nach der die Intelligenz des Publikums beleidigenden "Lösung" des Budgetproblems per Stundung der Schulmieten - von welchen Defizitschrumpfungs- und Budgetvermehrungswundern träumt diese Regierungsspitze?! - folgte die nächste Bravourleistung. Die Lehrer wollten zwar nicht mehr unterrichten, es sei denn an vier bzw. fünf Ferientagen der Schüler. Die wollten nicht weniger Ferien und bekamen zwei freiwillige Fördertage "geschenkt" , was ihnen nicht reicht. Und die Eltern haben die Bildungsforschung zu einem basisdemokratischen Happening degradiert und autorisieren neuerdings wissenschaftliche Fragebögen.

Die "Basisgruppe Bildung" regiert jetzt die Schulen nach Basar-Methode. Wie das geht, wurde ihr ja von den zwei Koalitionverwaltern vorgeführt - um den Preis der Selbstentmachtung der Politik. Die geschah mit dem Sündenfall der dreisten Miet-Idee, die in der ÖVP zur Befriedung der parteiliebsten Wählerklientel in der Beamtengewerkschaft erfunden und vom SPÖ-Chef abgenickt wurde. Damit haben Vizekanzler Josef Pröll, federführend, und Bundeskanzler Werner Faymann, sekundierend, das Ende der ersten Runde einer hoch notwendigen Schulreform besiegelt. Was diese jetzt braucht, ist ein kraftvoller Neustart mit Konsequenz. (DER STANDARD, Printausgabe, 02.05.2009)

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