Lage von Reportern weltweit hat sich verschlechtert

1. Mai 2009, 17:17
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Viele investigative Journalisten weltweit riskieren ihr Leben - Internationaler Tag der Pressefreiheit am Sonntag

Der Weltverband der Zeitungen (WAN/World Association of Newspapers) hat anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit (3. Mai) darauf hingewiesen, dass viele Journalisten in aller Welt nach wie vor ihre Freiheit und ihr Leben riskieren, wenn sie über Verbrechen wie Korruption oder politische Machenschaften berichten wollen. Der Jahresbericht der US-Menschenrechtsorganisation Freedom House bilanzierte: Die Pressefreiheit habe im vergangenen Jahr weltweit abgenommen - auch in Industriestaaten wie Italien, Israel oder Taiwan.

Nur 17 Prozent der Weltbevölkerung leben laut Freedom House in Ländern mit völliger Pressefreiheit. In diese Kategorie zählen von 195 beobachteten Ländern 70. Weitere 61 gelten als teils frei, 64 als unfrei.

EU-Mitglied Italien beispielsweise rutschte wegen der erneuten Ernennung von Medienzar Silvio Berlusconi zum Ministerpräsidenten, einer steigenden Zahl von Verfahren gegen Journalisten und der zunehmenden Bedrohung durch die Organisierte Kriminalität in die Kategorie der nur teils freien Länder. Israel wurde herabgestuft, nachdem es während des Kriegs im Gazastreifen zu Jahreswechsel unter anderem zu Reisebeschränkungen und Militärzensur kam. Im Westjordanland und im Gazastreifen kam es wiederum verstärkt zu Einschüchterungen von Journalisten durch die Palästinenser. Insgesamt waren der Nahe Osten und Afrika die Regionen mit der geringsten Pressefreiheit.

Einbruch in Osteuropa

Der größte Einbruch bei der Pressefreiheit trug sich 2008 laut Freedom House in Osteuropa zu. In Bulgarien und Kroatien wurden Journalisten getötet, in Bosnien-Herzegowina tätlich angegriffen. In Russland zeigten die Behörden demnach keinerlei Eifer, Journalisten vor solchen Übergriffen zu schützen. Die Schlusslichter der Liste, in denen die Medien am wenigsten frei berichten konnten, waren wie in vergangenen Jahren Burma (Myanmar), Kuba, Eritrea, Libyen, Nordkorea und Turkmenistan.

Der WAN erinnerte unter dem diesjährigen Motto "Journalisten in der Schusslinie" daran, dass im vergangenen Jahrzehnt weltweit mehr als 400 Journalisten ermordet wurden. Je nach Zählung von WAN oder ROG waren es im vergangen Jahr zwischen 60 und 70 und allein heuer schon wieder 18 (ROG).

Auch nach Feststellung der UNO-Kulturorganisation UNESCO, die den Tag der Pressefreiheit Anfang der 90er Jahre gemeinsam mit ROG initiiert hatte, werden Journalisten, Verleger und Publizisten in Dutzenden von Ländern ermordet, angegriffen, verhaftet oder anderweitig drangsaliert. Ihr einziges "Verbrechen": die Wahrheit zu sagen.

Zu den Feinden der Pressefreiheit gehören laut Reporter ohne Grenzen nicht nur Regierungen, sondern auch paramilitärische und terroristische Gruppen, Rebellen und kriminelle Netzwerke. Ein Beispiel sei Mexiko mit den Drogenkartellen. Die Hälfte der mindestens 46 seit dem Jahr 2000 in Mexiko ermordeten Journalisten hätten über Drogenhandel recherchiert.

In der weltweiten ROG-Rangliste der Pressefreiheit finden sich aktuell wieder die üblichen schwarzen Schafe ganz hinten: Auf den Plätzen 166 bis 173 stehen Iran, China, Vietnam, Kuba, Burma, Turkmenistan, Nordkorea und als Schlusslicht Eritrea. Ganz vorn werden nord- und westeuropäische Länder geführt, den ersten Platz teilen sich Island, Luxemburg und Norwegen. (APA/dpa/AP)

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