Infineon wittert Besserung

1. Mai 2009, 10:55
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Alle Segmente mit Erholung des Auftragseingangs - Schuldenfrage bleibt weiterhin ungelöst

Der deutsche Halbleiterkonzern Infineon verbreitet trotz anhaltender Verluste zaghaften Optimismus. Das vergangene Quartal mag "vielleicht den Tiefpunkt bei Umsatz und Produktionsniveau markiert haben", sagte Unternehmenschef Peter Bauer am Donnerstag. Alle Segmente registrierten eine Erholung des Auftragseingangs. Dem Autochipbereich helfe die Abwrackprämie in Deutschland. Die Mobilfunkchipsparte, die unter anderem Nokia und Apple mit Halbleitern versorgt, profitiere von neuen Aufträgen und stehe vor einem Umsatzzuwachs im laufenden Quartal.

Kurzarbeit bleibt ausgesetzt

Infineon steigere wegen der stabileren Nachfrage nach seinen Produkten nun die Auslastung seiner weitgehend von Kurzarbeit betroffenen Werke. Am Dresdner Hauptstandort bleibe die Kurzarbeit weiter ausgesetzt, da dort die Belegschaft wieder gut zu tun habe.

150 Mio. Euro Verlust

An den Konzernverlusten wird das aber auf absehbare Zeit nichts ändern. Im laufenden Jahr werde der Umsatz im Jahresvergleich um mehr als ein Fünftel zurückgehen, Infineon werde auch weiterhin einen Fehlbetrag einfahren. Im abgelaufenen Quartal ist das Unternehmen operativ erneut tiefer ins Minus gerutscht. Der Verlust aus fortgeführten Aktivitäten - ohne die Lasten der insolventen Tochter Qimonda - sei verglichen mit dem vorangegangenen Quartal um knapp 30 Prozent auf 150 Mio. Euro angestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Der Umsatz sei um ein Zehntel auf 747 Mio. Euro gesunken.

Schuldenfrage ungeklärt

Die offenen Refinanzierungsfragen bleiben nach wie vor ungelöst, wenn auch Infineon seine Schuldenlast nach und nach reduziert. Im abgelaufenen Quartal habe der Konzern Anleihenanteile über nominal 35 Mio. Euro zurückgekauft und Bankschulden von 45 Mio. Euro getilgt. Bis Ende September müsse Infineon noch gut 50 Mio. Euro bei Kreditinstituten begleichen, sagte Finanzchef Marco Schröter. Die größten Brocken stehen allerdings im kommenden Jahr an, wenn sein Haus Anleihen über 663 Mio. Euro ablösen muss. Eine ersehnte Anschlussfinanzierung steht noch nicht. "Die Refinanzierung hat für uns nach wie vor höchste Priorität", sagte Vorstandssprecher Bauer, ohne sich zu den Verhandlungen äußern zu wollen.

Staatliche Hilfe

Infineon sucht seit Monaten nach einem Weg, um an staatliche Hilfe zu kommen und setzt dabei auf seine Rolle als wichtiger Zulieferer der deutschen Autoindustrie. Angesichts der bestehenden Unsicherheit reagierten Börsianer zurückhaltend, die Infineon-Papiere notierten nahezu unverändert bei 1,91 Euro. "Es gibt offensichtlich keine Lösung bei der Refinanzierung. Bis diese Frage geklärt ist, bleiben wir vorsichtig", urteilte DZ-Bank-Analyst Harald Schnitzer. (APA/Reuters)

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