Der gewaltsame Tod von Marcus Omofuma

28. April 2009, 20:40
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Vor zehn Jahren starb der nigerianische Asylwerber während seiner Abschiebung

Wien - Als Marcus Omofuma vor zehn Jahren am 1. Mai 1999 starb, war Maximilian Grader gerade sechs Jahre alt. Heute besucht der Schüler das Gymnasium am Wiedner Gürtel in Wien und die tragischen Ereignisse von damals stehen auf dem Stundenplan - im Ethikunterricht.

Und das ist kein Zufall, denn der Herr Professor ist der Austroafrikaner Damien Agbogbe (geboren in Togo), der das kritische Bewusstsein seiner Schüler im Zusammenhang mit Rassismus und Diskriminierung schärfen will. Er selbst wurde vor Jahren einmal als Drogenboss verleumdet. Am Mittwoch unternahmen die Schüler eine Exkursion zu einer Pressekonferenz anlässlich des 10. Todestages von Marcus Omofuma.

Zentrale Frage: Welche Konsequenzen hatte der gewaltsame Tod von Marcus Omofuma? Michael Genner von "Asyl in Not" kann keine Konsequenzen erkennen. "Die drei Fremdenpolizisten, die für den Tod des nigerianischen Schubhäftlings verantwortlich waren, erhielten lächerliche Strafen", meint er. Acht Monate bedingt lauteten die Urteile. Genner fordert eine Wiederaufnahme des Verfahrens, und diesmal wegen Mordverdachts.

Im Innenministerium heißt es resümierend, dass "alles getan worden sei, um einen ähnlich gelagerten Fall nicht mehr passieren zu lassen". Für begleitete Abschiebungen würden nur mehr ausgesuchte, speziell ausgebildete Beamte herangezogen. Im Rahmen von bi- und multilateralen gemeinsamen Rückführungsaktionen (Joint Return Operations) fließe umfangreiches österreichisches Know-how in die Ausbildung, die Vorbereitung und Durchführung derartiger Einsätze ein.

Abbau von Vorurteilen

Und wie wird im Innenministerium das derzeitige Verhältnis zwischen Exekutive und afrikanischer Community in Österreich eingeschätzt? "Der im Jahr 2000 in Wien gegründete Verein ,Fair und sensibel - Polizei und AfrikanerInnen' leistet an der Sicherheitsakademie, aber auch im Rahmen von gemeinsamen sportlichen und kulturellen Veranstaltungen einen wesentlichen Beitrag zum Abbau allenfalls vorhandener Vorurteile", heißt es in der Wiener Herrengasse.

Für Simon Inou, den Chefredakteur von afrikanet.info, reicht das nicht aus: "Leider beruhen diese Initiativen nur auf der interpersonellen Ebene und können nichts Strukturelles bewirken. Amnesty International spricht von einem institutionalisierten Rassismus bei der Polizei und im Justizsystem. Das ist die alte und neue Herausforderung", meint Inou.

Anlässlich des 10. Todestages von Marcus Omofuma hat "Afrika-TV" Bundespräsident Heinz Fischer interviewt: Der Fall habe "das ganze Land erschüttert", erinnert sich Fischer. Er wehre sich aber dagegen, dass ganzen Institutionen, wie etwa der Polizei, rassistische Diskriminierung vorgeworfen werde. Auf die Frage, warum Migranten kaum Führungspositionen innehaben, antwortete der Bundespräsident: "Die österreichische afrikanische Community besteht aus 28.000 Menschen, das ist von acht Millionen Einwohnern gerade mal ein halbes Prozent; man muss schon auch auf die Proportionalitäten achten."

Für Freitagnachmittag, nach den Maifeiern der Politik, ist eine Gedenk-Demo geplant. Treffpunkt ist beim Marcus-Omofuma-Gedenkstein bei der U2-Station Museumsquartier. Die Kundgebung soll "ein erster Schritt einer solidarischen Gesellschaft" sein. "Und der zweite Schritt?", will der 16-jährige Maximilian Grader wissen. Doch darauf gibt es vorerst keine Antwort. (Michael Simoner/DER STANDARD - Printausgabe, 29.4.2009)

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    Vor zehn Jahren kam Marcus Omofuma bei seiner Abschiebung ums Leben.

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