Sehnsucht nach mehr Empathie

24. April 2009, 16:45
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Es mangele an Einfühlungsvermögen: Eine aktuelle Befragung will heimische Personalchefs zur Auseinandersetzung mit Emotionen im Unternehmen motivieren

Die Bad News zuerst: Die Arbeitswelt produziert eher negative Emotionen, und gegenwärtig sind Personalverantwortliche nicht in der Lage gegenzusteuern. So fasst Christian Scholz, Personalprofessor an der Uni des Saarlands und wissenschaftlicher Leiter des Jahresforums für die Personalwirtschaft (PoP), ein Ergebnis seiner Studie "Emotionen in der Personalarbeit in Österreich" zusammen.

Konträre Wahrnehmung

Am Donnerstag und Freitag diskutierte die Human-Resources-Branche darüber heftig im Rahmen der PoP in Rust. Vor dem Hintergrund der Rezession fiel das Feedback der Nichtpersonalisten in dieser Studie teilweise heftig aus. Die Antworten scheinen ziemlich emotionalisiert: Sie sind der Meinung, dass Personalabteilungen vor allem die negativen Emotionen in den Unternehmen verstärken. Das Selbstbild ist konträr: Die Mehrheit der Personaler glaubt, dass sie Angst, Ärger und Frustration verringern könne. Dass dem auch so ist, zeigte die Podiumsdiskussion - die Schwierigkeit des Umgangs mit "negativen" Emotionen in Unternehmen blieb aber unwidersprochen.

Fremd- und Selbstbild

Scholz: "Die Befragung ergab große Differenzen in der Selbst- und Fremdwahrnehmung der emotionalen Intelligenz der Personalisten, was auf ein Defizit in den Grundlagen, in den Kompetenzen, schließen lässt." So meinen über 57 Prozent der heimischen Personaler, sie könnten die relevanten Gefühle und Bedürfnisse der Mitarbeiter einschätzen. Dem stimmen aber nur rund 16 Prozent der "Betroffenen" zu. Personaler schreiben sich selbst auch hohe Kommunikationsfähigkeit zu (71,5 Prozent), die "Gegenseite" bestätigt das gerade einmal zu 33,4 Prozent. Zum Thema Einfühlungsvermögen ist die Diskrepanz noch größer: 69 Prozent Zustimmung im Selbstbild, nur knapp 23 im Fremdbild.

"Emotionale Intelligenz"

Wenn Personalverantwortliche Emotionen nicht als Ressource nützten, bleibe das, was Human Resources können und tun sollte, nämlich emotionale Bindung herzustellen und positive Emotionen in der Arbeitswelt zu ermöglichen, ungenützt auf der Strecke. Vor allem in den Medienauftritten sieht Scholz noch viel Potenzial, emotionale Angeln auszuwerfen.
Scholz: "Personaler müssen lernen, wie man Emotionen weckt, mit ihnen umgeht und sie sorgsam pflegt, um eine motivierte Belegschaft im Unternehmen zu erhalten." Personalisten müssten schlicht "an ihrer emotionalen Intelligenz" arbeiten. Einen Abgleich zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung hält er dafür schon für hilfreich.

Gefordert seien aber auch die Führungskräfte, denen in der Befragung von beiden Parteien der größte Einfluss auf die unternehmensinternen Gefühle zugeschrieben wird. „Emotionsmanager" erhalten sie folglich auch von Scholz als schmückenden Beinamen. Für kontraproduktiv hält er jedenfalls, sich als Führungskraft emotionsfrei und rein rational geleitet zu präsentieren.
Schließlich - und so auch die gute Nachricht - würden Emotionen eine Menge Infos über Mitarbeiter bergen. Ärger könne durchaus ein Zeichen für Motivation und Engagement sein. An Ansatzpunkten für positive Emotionsarbeit fehle es jedenfalls nicht. An Handlungsimperativen auch nicht. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.4.2009)

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    Wie steht es um die Rolle als "Emotionsmanager"?

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