Michael Hanekes ist im Wettbewerb

23. April 2009, 13:06
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Der neue Spielfilm des Österreichers rittert um die Goldene Palme

Wien - Der neue Spielfilm "Das weiße Band" des österreichischen Filmemachers Michael Haneke wurde in den Wettbewerb der heurigen Filmfestspiele von Cannes (13. bis 24. Mai) eingeladen und rittert somit um die Goldene Palme. Das teilte die Austrian Film Commission am Donnerstag in einer Aussendung mit. Haneke ist somit zum sechsten Mal zu den Filmfestspielen eingeladen.

Über den Film

"Das weiße Band" dreht sich laut AFC um unerklärliche Ereignisse, die das ruhige Dasein eines deutschen Dorfes am Vorabend des Ersten Weltkriegs verstören. Ein Seil wurde gespannt, um den Arzt bei seinem Ausritt zu Sturz zu bringen, eine Scheue geht in Flammen auf, zwei Kinder werden entführt und gequält. Der Dorflehrer beobachtet und stellt Untersuchungen an, und nach und nach entdeckt er die unglaubliche Wahrheit.

Konkurrenten im Wettbewerb

Zu Hanekes Konkurrenten im Wettbewerb um die Goldene Palme zählen Ken Loach ("Looking for Eric"), Jane Campion ("Bright Star") sowie Alain Resnais ("Les herbes folles"). Quentin Tarantino ist mit "Inglorious Basterds" (u.a. mit Brad Pitt und Diane Kruger) der einzige US-Regisseur in dem von Europa und Asien dominierten Wettbewerb der 62. Filmfestspiele. Auch Pedro Almodovar und Ang Lee sind wieder mit dabei.

Filmografisches

Hanekes Gewaltschocker "Funny Games" war 1997 nach 35 Jahren der erste österreichische Wettbewerbs-Beitrag in Cannes. 2000 folgte "Code Inconnu". Den größten Erfolg erzielte er mit der Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin" 2001 an der Croisette: Der Film gewann neben den beiden Darstellerpreisen für Isabelle Huppert und Benoit Magimel auch den Grand Prix der Jury. Hanekes "Wolfzeit" lief 2003 in Cannes außer Konkurrenz, weil auch der damalige Jury-Präsident Patrice Chereau mitspielte. Für "Caché", seinen fünften Anlauf auf die Goldene Palme, gewann er 2005 in Cannes die Auszeichnung als bester Regisseur sowie den Preis der Internationalen Filmkritik und den Preis der Ökumenischen Jury. Zuletzt hatte Haneke ein "Shot by Shot" gedrehtes US-Remake von "Funny Games" in die Kinos gebracht. (APA)

>>> Weiterlesen: Über "Das weiße Band - Eine deutsche Kinogeschichte"


Mit "Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte" ist der österreichische Filmemacher Michael Haneke zum sechsten Mal im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele in Cannes vertreten. Die zweieinhalbstündige deutsch-französisch-italienisch-österreichische Koproduktion, die sich derzeit in Postproduktion befindet, ist seit langem der erste deutschsprachige Film Hanekes. Der Film wurde auf Farbmaterial gedreht, soll aber im Kino - und nach Möglichkeit auch beim Fernseh-Einsatz - auf schwarz-weiß gezeigt werden. Der Filmstart in Österreich ist für Ende September oder Anfang Oktober geplant.

"Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern. - ein Querschnitt eben. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?", heißt es in der Synopsis der Wega Film, die den Film mit X Filme Creative Pool, Les Films du Losange und Lucky Red koproduziert und dafür auch vom Österreichischen Filminstitut, dem Filmfonds Wien und dem ORF unterstützt wurde.

Das Drehbuch hatte Haneke ursprünglich für den ORF geschrieben, nachdem fünf Jahre lang kein Koproduktionspartner für die Realisierung des Films gefunden wurde, waren die Rechte wieder zurückgefallen. Kameramann ist Christian Berger, es spielen u.a. Christian Friedel, Burghart Klaußner, Ulrich Tukur, Josef Bierbichler, Susanne Lothar, Branko Samarovski und Birgit Minichmayr. Eine wesentliche Rolle spielen Kinder in allen Altersgruppen. Viele von ihnen sollen, so Produzent Veit Heiduschka im Gespräch mit der APA, auch bei der Uraufführung in Cannes teilnehmen.

"Ein schwieriger Film, aber große Freude, dass es offensichtlich gelungen ist, nicht nur internationale Produzenten für ihn zu begeistern, sondern auch die Jury des wichtigsten Festivals der Welt zu überzeugen", freut sich Heiduschka, der das Produktionsbudget mit 12 Mio. Euro. angibt.

Haneke absolviert derzeit andere Dreharbeiten: Der Kultursender arte dreht derzeit ein Porträt über ihn. Schon früher hat er sich jedoch "geschworen, zum Inhalt meiner Filme nichts mehr zu sagen. Das führt nur zu kopfigen Diskussionen. Film ist aber ein sinnliches Erlebnis. Ich will keine Interpretationsvorlagen liefern. Meine Filme sind offene Filme!" (APA)

 

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    Regisseur Michael Haneke.

     

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