Stecken, bauen, zerstören, neu bauen

23. April 2009, 11:05
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Universitätskirche Wien: Die erste Lego-Plastik von Manfred Erjautz war eine bunte Pistole, die er 1989 für einen fiktiven Banküberfall benötigte

Dokumentiert mit einer Schwarz-Weiß-Überwachungskamera, wurde allerdings auch die harmlose, verspielte Farbigkeit verschluckt. Die Idee war: "Ich stürze mit einem leeren Lego-Sackerl in die Filiale und verlasse den Ort mit einem vollen." 

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Seither hat Manfred Erjautz (geb. 1966 in Graz) so einiges aus den farbigen Kunststoff-Klötzchen gebaut, was das "Spiel gut!"-Motto von Lego (dänisch: leg godt) in sein Gegenteil verkehrt: etwa einen elektrischen Stuhl (Secession 1996) und inzwischen sogar Schusswaffen, mit denen tatsächlich geschossen werden kann. "Als ich 1989 anfing, mit dem Material Lego zu arbeiten, hatte ich ein beschränktes Reservoir an Steinen - mein eigenes Lego aus der Kindheit." Im Laufe der Zeit hat der Hersteller aber immer diffizilere Steine entwickelt, inzwischen sogar hohle, ausgerüstet mit optischen und haptischen Sensoren, die Erjautz die Steuerung seiner Skulpturen über ein Computer-Interface ermöglichen.

Die Faszination von Lego liegt für Erjautz neben der Intimität, die der Spielcharakter vermittelt, in der Idee wieder zerlegbarer Konstrukte - Formen und Inhalte, die sich wieder zerstören. "Eine Plastik daraus bedeutet für mich, einen fragilen Zustand zu thematisieren, auf den man entweder aufpassen will und kann oder nicht. Diese Struktur beinhaltet auch die Variante des Neubauens oder der völligen Dekonstruktion." Im Fall des im Dezember mutwillig zerstörten und aus der Universitätskirche entwendeten Lego-Kreuzes bedeutete es Neubau.

Seit Mitte April ist die Replik des umstrittenen Kruzifixes - ein geöffneter Lkw ersetzt den Corpus Christi - wieder zu sehen, allerdings nun weniger gut sichtbar und exponiert wie zuvor im Altarraum. Montiert auf der Kanzel kommen die lichtbrechenden Effekte der transparenten Steine leider nicht so recht zur Geltung. Pater Gustav Schörghofer, Kunsthistoriker und Initiator der Kunstprojekte vor Ort, war es wichtig, dass das religiöse Symbol wieder an einem Ort aufgestellt wird, der eine religiöse Konnotation hat. Aufgestellt in einer Seitenkapelle, wäre es, so Schörghofer, nur mehr ein Kunstobjekt. (kafe, DER STANDARD/Printausgabe, 24.04.2009)

Universitätskirche
Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1
1010 Wien

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