E-Voting-Handbuch zeigt angebliche Mängel auf

16. April 2009, 08:18
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Kritiker sehen sich in Angst vor Manipulation bestätigt - Im Ministerium reagiert man gelassen

Wien - Im Internet ist ein für die ÖH-Wahlkommissionen bestimmtes E-Voting-Handbuch aufgetaucht. Der Leitfaden für das Wahladministrationssystem kann auf "Wikileaks" - einer so genannten "Whistleblower"-Seite, auf der von Informanten angebliche Missstände veröffentlicht werden - heruntergeladen werden.

Auf "Urgenz", einer Medienplattform von Studenten der Technischen Universität Wien, sehen sich Kritiker in ihrer Angst vor Manipulationen bei elektronischen Wahlen bestätigt. Der vom Wissenschaftsministerium eingesetzte E-Voting-Experte Robert Krimmer spricht von Fehlinterpretationen und sieht die Veröffentlichung gelassen.

Manipulation angeblich möglich

Laut "Urgenz" dürfte die in dem Handbuch genannte Funktion "clear lower part of screen" für Aufregung sorgen. Damit ließen sich die Daten einzelner Studierender per Knopfdruck löschen, heißt es auf der Seite. Damit könnten eigentlich wahlberechtigte Personen von der Wahl ausgeschlossen oder sie trotz bereits abgegebener E-Voting-Stimme nochmals zur Stimmabgabe zugelassen werden, so die Befürchtung.

Kritik wird auf "Urgenz" auch daran geübt, dass die Erstellung des Wählerverzeichnisses und die Steuerung des Wahlvorgangs zur Gänze an "ein komplexes elektronisches Gebilde" abgegeben werde - und zwar "unabhängig davon ob elektronisch oder im Wahllokal auf Papier gewählt wird".

Ministerium: E-Voting nicht bedroht

Krimmer spricht gegenüber der APA von "Analysen, die jemand zieht, der sich damit nicht auskennt". So sei etwa die Funktion "clear lower part of screen" nicht viel anderes, "als ein neues Browser-Fenster zu öffnen". Das digitale Wählerverzeichnis habe es schon bisher an manchen Unis gegeben und es könne jederzeit durch Papier ersetzt werden.

Durch die Veröffentlichung des Handbuchs sieht er das E-Voting keineswegs bedroht, wie auf der Seite angedeutet wird. "Es war nicht 'vertraulich' in diesem Sinn. Es war nur als Information gedacht, wie das E-Voting-System funktioniert." (APA)

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