"Gottlose" Privatschulen haben finanziell das Nachsehen

2. April 2009, 17:40
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Staat zahlt nur den konfessionellen Schulen die Lehrer

Wien - Bis jetzt war es ein Kampf gegen Windmühlen: Die "Schulen in freier Trägerschaft" , die sich keinem Gott verschrieben haben, also alle nichtkonfessionellen Privatschulen (z. B. Waldorf, Montessori) fordern seit Jahren die finanzielle Gleichstellung mit den konfessionellen Privatschulen (katholische, evangelische, jüdische). Deren Personalkosten zahlt der Staat, die nichtkonfessionellen müssen jährlich neu auf staatliche Subventionen in ungewisser Höhe hoffen.

Der grüne Bildungssprecher Harald Walser will das ändern und startete am Donnerstag im Unterrichtsausschuss einen neuen Anlauf zur Gleichstellung der nichtkonfessionellen Privatschulen mit den konfessionellen - erfolglos, sein Entschließungsantrag wurde vertagt. In einem Unterausschuss soll diese Frage behandelt werden, sagte Walser zum Standard. Er kritisiert das "Aushungern" der nichtkirchlichen Privatschulen - "und das, obwohl sie extrem wichtig sind für die Weiterentwicklung des Schulsystems, weil sie neue pädagogische Ansätze entwickeln" .

Da liegt der Grüne auf einer Linie mit Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ), der "es ein großes Anliegen ist, die Förderung für die nichtkonfessionellen Privatschulen zu erhöhen, gerade wegen deren pädagogischer Innovationen" , sagte sie zum Standard. Da Schmied bekanntlich mit einem Budgetproblem hadert, muss sie den Privatschulen erneut Warten verordnen. Das Thema sei aber Teil des Regierungsprogramms ("Privatschulen sollen weiter gefördert werden" ) und ihres Schulpakets. "Wir setzen es um, sobald wir budgetären Spielraum haben."

Konkret geht es um etwa 60 Schulen, in denen 350 Lehrerinnen (nicht alle Vollzeit) rund 4000 Kinder unterrichten, erzählt Momo Kreutz vom Vorstand von EFFE-Österreich, das Teil von EFFE-International, dem "European Forum for Freedom in Education" , ist.

In Österreich sind unter dem EFFE-Dach Waldorf-, Netzwerk- und Montessori-Schulen vereint. Fast alle von ihnen haben Öffentlichkeitsrecht, ihre Abschlüsse sind also staatlich anerkannt - nur sie haben keinen Anspruch auf Geld vom Staat, sondern müssen alles selber finanzieren: Gebäude, Lehrerinnen, Materialien. Die Eltern zahlen monatlich von 180 Euro (Halbtagsschule) bis 350 Euro (Ganztagsschule) für ihr Kind.

Der Staat überwies im Jahr 2008 rund zwei Millionen Euro Subventionen (Montessori: 12.000 Euro, Netzwerkschulen: 320.000 Euro, Waldorf: 1,6 Millionen Euro) - das entspricht 500 Euro pro Kind. "Wir wollen endlich faire Behandlung" , sagt Kreutz: "Dem Staat muss jedes Kind gleich viel wert sein." (Lisa Nimmervoll/ DER STANDARD-Printausgabe, 3. April 2009)

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