"Richtung On Demand Business"

31. März 2009, 16:56
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Wer wenig fährt, zahlt weniger Kfz-Versicherung. Überprüft und versichert wird per Satellit. Das Interesse hält sich in Grenzen

Österreichs drittgrößter KFZ-Versicherer Uniqa prüft derzeit die Einführung einer neuen Form von Autoversicherung, bei der die Prämie von der tatsächlichen Nutzung des Autos abhängt. So soll die monatliche Prämie sinken, je weniger und je sicherer man fährt. Der Fahrzeuggebrauch wird durch Satellitennavigation gemessen.

Wie es genau funktioniert

Die Kombination von Technologien wie Satellitennavigation, Handy und IT macht es möglich: Das Auto wird über Satellit mit GPS lokalisiert, die Positionsdaten werden über das Handy-Netz an einen zentralen Computer übertragen. Als GPS-Empfänger und GSM-Sender dient eine Navigations-Box, die ins Auto eingebaut wird. Das ganze ähnelt stark einem herkömmlichen Navigationssystem oder einem Car-Finder gegen Diebstahl. Der Computer vergleicht die Navigationsdaten mit einer Landkarte, ("Mapping"), daraus können dann Fahrkilometer und Strecken abgelesen und die Prämie kalkuliert werden.

Persönlich zugeschnittene 25 Prozent Ersparnis

"Das geht in Richtung On Demand Business", sagt Axel Preiss, Leiter der IBM Business Consulting Services. "On demand business bedeutet, Produkte und Services nicht starr und pauschal, sondern flexibel ganz nach Bedarf zum Nutzen des Kunden, in diesem Fall der Autofahrer, bereitzustellen. Wir haben es hier mit einem zukunftsträchtigen Geschäftsmodell zu tun: wer wenig fährt, zahlt weniger Versicherung." SafeLine heißt das visionäre kilometerabhängige Kfz-Versicherungsprodukt. Eine im Auto eingebaute Übertragungsbox sendet die Daten per Satellit an die Versicherung. Anhand des Datenmaterials wird dann die Kfz-Prämie berechnet. Bis zu 25 Prozent könnte sich der Kunde dabei sparen.

Vor knapp einem Jahr hoffte die Uniqa noch, dass ein Viertel ihrer Kunden auf das neue System umsteigen würde. Vergeblich. Einige tausend Verträge dürften bisher nur abgeschlossen worden sein. In spätestens zwei Jahren soll es aber so weit sein. Bis dahin sollen intensive Werbekampagnen als Schnittstelle zu den Gehirnen der Kunden fungieren.

Konkurrenz springt nicht auf Zug auf

Der größte Kfz-Versicherer Österreichs, die Generali, bietet viel, wie etwa den Wenigfahrer-Bonus oder den Frauenfahrer-Bonus. Ein satellitengesteuertes GPS-System als Instrument zur Kilometer-Kontrolle gibt es aber nicht, und wird es auch in absehbarer Zeit nicht geben. "Der Kilometerstand wird sporadisch kontrolliert, aber nicht elektronisch. Das ist nicht im Sinne von Generali. Bei uns besteht eine Vertrauensbasis mit den Kunden, der Pickerlbericht reicht auch. Wer unter 7000 Kilometer fährt, ist Wenigfahrer", sagt Stanislaw Marinowski von der Generali Gruppe Wien-Favoriten.

Bei der Wiener Städtischen gibt es gar keine Boni für nicht gefahrene Kilometer, "bei uns kann man mit einem neuen Angebot bei der Verschrottungsprämie oder mit dem Klimabonus sparen", meint die Leiterin der Konzernkommunikation Barbara Hagen-Groetschnig lapidar. Der Klimabonus bringt Kunden bei der Anschaffung von gas-oder hybridbetriebenen Autos ein Gutschrift in Form von sechs Monatsprämien aus der Kfz-Haftpflichtversicherung. Ähnliches zur Konzeption von flexiblen Versicherungsmodellen ist von Seiten der Allianz zu hören: "Derzeit gibt es keine Planung in diese Richtung. Bei uns profitieren Kunden mit einer Jahreskarte eines österreichischen Verkehrsverbundes von einem zehn prozentigen Prämiennachlass", sagt Pressesprecherin Elisabeth Rashid. 

Gläserner Autofahrer

In Deutschland soll im Frühjahr eine satellitengesteurte Kfz-Versicherung auf den Markt kommen. In Folge dessen wird dort bereits heftig über die Gefahr des gläsernen Autofahrers diskutiert: Pikante Details, wie häufige Fahrten in Rotlichtviertel oder Umwege auf Geschäftsreisen könnten ans Tageslicht kommen.

Gesetzeshüter warnen bereits, dass die Polizei nach einem Unfall auf die Daten zugreifen, die Übertragungsbox beschlagnahmen und auch alle zurückliegenden Aufzeichnungen überprüfen könnte. So einfach funktioniert es aber nicht, zumindest laut Uniqa. Eine Ortung kommt nur in Frage, wenn das Auto gestohlen wurde. Dann wird der Sensor aktiviert, das muss man vorher aber bei einer Hotline melden.

Datenrausch und Risikoanalyse

Mit der Navigationsbox werden allerlei Daten gesammelt. So etwa wird aufgezeichnet, welche Straßen benützt werden (Autobahnen, Schnellstraßen, Bundesstraßen), wie viele Kilometer und auch welches Tempo gefahren wird. Das dient zur Risikoanalyse, die zur Berechnung der Prämie benötigt wird. Künftig könnten auch Fahrten auf besonders gefährlichen Straßenabschnitten in die Risikoanalyse einfließen. (Florian Vetter, derStandard.at, 31.3.2009)

  • Die monatliche Prämie soll sinken, je weniger und je sicherer man fährt. Der Fahrzeuggebrauch wird durch Satellitennavigation gemessen.
    foto: siemens

    Die monatliche Prämie soll sinken, je weniger und je sicherer man fährt. Der Fahrzeuggebrauch wird durch Satellitennavigation gemessen.

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