"Tagesbetreuung Neu": Mehr Arbeit und mehr Geld

27. März 2009, 13:53
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Reine Beaufsichtigung der Schüler soll quasi abgeschafft werden - Förderung soll Angebot attraktiver machen

Wien - Mit der geplanten Ausweitung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrer will Unterrichtsministerin Claudia Schmied auch die Nachmittagsbetreuung an Schulen reformieren. Mit der "Tagesbetreuung Neu" sollen die Schülergruppen kleiner und das vom Bund finanzierte Stundenkontingent fast verdoppelt werden. Die Änderungen für Lehrer: Reine Beaufsichtigung der Schüler soll durch Förderung aufgewertet werden, dafür bekommen die Pädagogen auch diese Stunden voll bezahlt - bisher wurden von zwei Stunden nur eine entgolten.

Betreuung aufgewertet

Wegen der geringeren Bezahlung der Beaufsichtigung in der sogenannten "individuellen Lernzeit", in der Schüler etwa Hausaufgaben erledigen oder für Tests lernen sollen, wurde dieser Job bisher von den Lehrern nicht so gerne gemacht, hieß es aus dem Unterrichtsministerium zur APA. Künftig sollen die Pädagogen den Kindern in diesen Stunden bei den Hausaufgaben helfen und sie fördern. Die reine Aufsicht soll - bis auf Ausnahme der neu geschaffenen Mittagsbetreuung, wo Schüler nur die Zeit bis zum Nachmittagsprogramm überbrücken - abgeschafft werden. Dass dann etwa ein Deutschlehrer bei Problemen in Mathematik oder Latein helfen soll, sieht man im Ministerium nicht als Problem: Nachmittagsbetreuung werde schließlich bis maximal zur achten Schulstufe angeboten, dafür müsse der Lehrer nicht "eins zu eins" im Fach sein. Er solle schließlich nicht unterrichten, sondern nur Hilfestellungen anbieten.

Die "Nachmittagsbetreuung Neu" soll im Schuljahr 2009/10 an 200 Schulen starten, 2010/11 sollen die übrigen 1.000 Standorte folgen, wo es derzeit schon Nachmittagsbetreuung gibt. Dafür will Schmied künftig neun statt bisher fünf Wochenstunden pro Gruppe ab zehn Kindern bezahlen. Zusätzlich soll es die Möglichkeit geben, von diesem Kontingent ein bis zwei Stunden für Bewegung oder Kreativität zu nutzen.

Pilotprojekt

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kinder in Tagesbetreuung an Volks- und Hauptschulen bzw. AHS-Unterstufe trotz leicht rückläufiger Schülerzahlen um fast ein Drittel gestiegen. Im Schuljahr 2006/07 verbrachten 69.180 Kinder den Nachmittag an der Schule, 2007/08 waren es 75.539, im aktuellen Schuljahr (2008/09) sind es 91.381 unter 14-Jährige. Diese Zunahme im Jahr 2008/09 führt man im Unterrichtsministerium einerseits auf die Ausweitung um 4.500 Plätze bei den Pflichtschulen zurück, vor allem aber auf die "Tagesbetreuung Neu", die 2008/09 erstmals als Pilotprojekt umgesetzt wurde.

2008 wurden vom Unterrichtsministerium 35,5 Mio. Euro für Nachmittagsbetreuung zur Verfügung gestellt. Die Ausgaben für die Jahre 2009 und 2010 will man mit Hinweis auf die Verschwiegenheitsvereinbarung beim Budget nicht verraten. "Allerdings ist ein deutlicher Ausbau an Plätzen und vor allem der Qualität geplant - natürlich nur wenn die Mittel zur Verfügung stehen", heißt es aus Schmieds Büro - und betont die Notwendigkeit der höheren Unterrichtsverpflichtung. (APA)

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