Biotech-Arzneimittel rechnen sich auch volkswirtschaftlich

26. März 2009, 18:26
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Die Präparate haben viele Erkrankungen beherrschbarer gemacht

Wien - Durch die Entwicklung zahlreicher Biotech-Arzneimittel wurden ehemals kaum erfolgreich behandelbare Erkrankungen - darunter bestimmte Krebsformen oder die chronische Polyarthritis - in vielen Fällen beherrschbarer. Der weltweite Markt für solche Präparate im Jahr 2008: 33 Mrd. US-Dollar. Doch oft führt die Verwendung dieser Medikamente auch zur Einsparung von volkswirtschaftlichen Kosten infolge der behandelten Krankheiten, hieß es Mittwochnachmittag bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

"1998 gab es zwei zugelassene monoklonale Antikörper zur Behandlung von Krankheiten. Im Jahr 2008 waren es bereits 21. Unter die Biologika fallen Impfstoffe, Blutprodukte, Zytokine, Hormone, monoklonale Antikörper und virale Impfstoffe", sagte Michael Freissmuth vom Wiener Institut für Pharmakologie. Ein Merkmal aller Biotech-Medikamente: Keines ist völlig ident mit dem Anderen, auch wenn es um die rekombinante Herstellung des prinzipiell gleichen Wirkstoffes geht. Auch nur geringste Unterschiede im Produktionsverfahren führen bereits zu anderen Eigenschaften.

Keine "Wundermittel"

"Wundermittel" sind die Biologika keine. Das zeigt sich auch auf dem bereits klassischen Gebiet der Behandlung von Gelenksrheuma (rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis) mit solchen Mitteln. Der Wiener Experte Ludwig Erlacher: "Rheumatoide Arthritis heißt Gelenkzerstörung. Die radiologisch nachweisbaren Veränderungen sind am stärksten innerhalb der ersten beiden Jahre. Innerhalb der ersten drei Monate nach dem Auftreten der Erkrankung haben wir die Chance, dem Leiden einen anderen Verlauf zu geben."

Zumeist wird hier zunächst mit dem Zytostatikum Methotrexat behandelt. Doch 60 Prozent der Betroffenen sprechen nicht an. Deshalb sollte in solchen Fällen schließlich ein Biotech-Medikament zusätzlich verwendet werden. Der Experte: "Mit dem Biologikum Etanercept kommt es zum Beispiel bei 43 Prozent der Patienten zu einer 50-prozentigen Besserung. In Kombination mit Methotrexat ist das bei 69 Prozent der Fall." Man hat also die Möglichkeit, durch Hinzufügen des High-Tech-Medikamentes etwa ein Viertel der Betroffenen besser zu behandeln.

Volkswirtschaftlich gerechnet

Zwar handelt es sich bei den Biotechnologie-Medikamenten oft um vergleichsweise kostenaufwendige Arzneimittel, doch volkswirtschaftlich rechnet sich ihr Einsatz. Das lässt sich auch am Beispiel der Polyarthritis belegen: Ein RA-Patient kostet pro Jahr im Durchschnitt 15.000 Euro. Patienten mit einer nicht ausreichend beherrschten Polyarthritis können volkswirtschaftlich auch pro Jahr 30.000 Euro kosten, Kranke mit durch die moderne Therapie weitgehend beherrschter Erkrankung "nur" 10.000 Euro. (APA)

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