Ministerium verschiebt Büchereienförderung

26. März 2009, 15:58
2 Postings

IG: Unterstützung bleibt "reduziert auf das Gutdünken der Kommunen"

Wien - Für die Öffentlichen Büchereien in Österreich wird es heuer keine Förderungen des Bundes geben. Das geht aus einem Mail der zuständigen Abteilung des Kulturministeriums an den Österreichischen Büchereiverband hervor, das der APA vorliegt. Als Begründung wird das späte Inkrafttreten des Bundesfinanzgesetzes angegeben. Eine Abwicklung der Förderanträge sei "zu diesem Zeitpunkt rein technisch nicht mehr möglich", wie es auf Nachfrage hieß.

Im Ministerium wird für nächstes Jahr eine rückwirkende Doppelförderung für die Jahre 2009/10 in Aussicht gestellt. Die bundesweite Büchereiförderung werde "nicht gestrichen, sondern nur ins nächste Jahr geschoben", präzisierte Kulturministeriums-Sprecher Nikolaus Pelinka. Die Verschiebung basiere auf der Tatsache, dass im Regierungsprogramm ohnedies angekündigt sei, dass der Bereich überarbeitet werde und die Förderung 2010 "auf Basis eines neues Konzeptes" funktionieren solle. Zudem handle es sich bei den fraglichen 270.000 Euro "für die bundesweite Büchereiförderung nur um einen Unterbereich für Kleinprojekte". Die gesamte Büchereiförderung des Bundes betrage 1,7 Millionen Euro.

Markanter Vergleich mit anderen Ländern

IG Autorinnen Autoren-Chef Gerhard Ruiss zeigte sich "fast sprachlos": Seit Jahren sei ein Büchereigesetz "überfällig" - diese Maßnahme sei nun absolut "kontraproduktiv". "Für die Büchereien ist das eine tödliche Falle", so Ruiss. Die Unterstützung der bibliophilen Arbeit bleibe "reduziert auf das Gutdünken der Kommunen" - und wie wenig das funktioniere, zeige das Beispiel Kärnten. Dort würden die Verpflichtungen auf Landesebene quasi gar nicht wahrgenommen. Offenbar lege man im Bund keinen Wert auf Büchereien sowie die nach den PISA-Ergebnissen angekündigte Leseförderung und Verbesserung der Sprachkompetenzen. "Das klingt nach der Preisgabe einer übergeordneten Bildungsidee", so Ruiss. Ihn könne dies nur wundern, gehe es für den Bund doch eher um eine "Randausgabe".

Im Vergleich zu Ländern, in denen es bereits ein Büchereigesetz gibt, ist das recht wenig: Würde man die Bücherei-Ausgaben in Südtirol auf Österreich umrechnen, müssten rund 45 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Und folgt man dem skandinavischen Vorbild, wo 30 Euro pro Jahr pro Staatsbürger in die Büchereien fließen, müsste Österreich Kosten von 240 Millionen Euro pro Jahr tragen. "Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt für eine Offensive für ein Büchereigesetz", so Ruiss.  (APA)

Share if you care.