Slowenische Istrabenz kämpft mit der Insolvenz

26. März 2009, 15:28
posten

Bawag, Kärntner Hypo, Kärntner Sparkasse und Bank Austria-Tochter unter den Kreditgebern des Mischkonzerns

Ljubljana - Der slowenische Mischkonzern Istrabenz, der sich seit Monaten in finanziellen Turbulenzen befindet, kommt nun immer stärker in Bedrängnis. Ende voriger Woche ist ein Rückkaufabkommen der Bank-Austria-Tochter UniCredit Slovenija ausgelaufen und nicht mehr verlängert worden. Laut Istrabenz-Chef Igor Bavcar muss die Istrabenz-Holding bis kommenden Montag Kredite in der Höhe von 500 Mio. Euro refinanzieren, berichteten slowenische Medien und das "Wirtschaftsblatt".

Durch die Kündigung seien die Istrabenz-Schulden bei der Bank-Austria-Tochter von 144 Mio. auf 37 Mio. Euro gesunken, schrieb die slowenische Tageszeitung "Dnevnik". Durch das Ende das Abkommens übernahm die Bank die als Sicherheit hinterlegten Aktienpakete. Dadurch besitzt sie nun unter anderem einen Anteil von 8 Prozent an der slowenischen Handelskette Mercator, sowie kleinere Beteiligungen an dem Mineralölkonzern Petrol und der Sava-Gruppe. Hintergrund der Aufkündigung des Abkommens sei, dass die 19 Banken, die dem Unternehmen insgesamt rund 900 Mio. Euro an Krediten gegeben haben, kein formales Konsortium bilden wollten, erklärte UniCredit Slovenija gegenüber der Nachrichtenagentur STA.

Österreichische Banken betroffen

Laut dem "Wirtschaftsblatt" zählen zu den größten ausländischen Kreditgebern neben der Bank-Austria-Tochter die BAWAG, Hypo Group Alpe Adria (HGAA) sowie die Kärntner Sparkasse. Sie dürften Istrabenz zweistellige Millionenbeträge zur Verfügung gestellt haben. Nach Berechnungen der slowenischen Wirtschaftszeitung "Finance" drohen von den ausländischen Banken der BAWAG die größten Verluste. Die Zeitung weist darauf hin, dass Istrabenz der HGAA - ähnlich wie der Unicredit - Aktienpakete zeitweise verkauft habe, und zwar einen Zwei-Prozent-Anteil an Mercator sowie einen Zwei-Prozent-Anteil an Petrol.

Für den Chef der teilstaatlichen Nova Ljubljanska banka (NLB), Drasko Veselinovic, ist ein Bankrott von Istrabenz "eine schlechte Lösung". Sein Finanzinstitut hatte dem Unternehmen einen 250-Mio.-Euro-Kredit vergeben. Im Jänner 2009 erklärte die slowenische Regierung, dem Mischkonzern nicht helfen zu wollen.

Sollten die Kredite bis kommenden Montag (30. März) nicht refinanziert werden können, sei das Unternehmen insolvent. Istrabenz-Chef Bavcar hat am gestrigen Mittwochabend angekündigt, Anfang kommender Woche als Firmenchef abzutreten, "wenn Istrabenz davon profitiere", berichtete die STA.

Istrabenz hatte in jüngerer Vergangenheit enge Geschäftsverbindungen mit österreichischen Konzernen. Bis 2004 hielt die OMV eine Sperrminorität an dem Konzern, gab diese aber dann im Abtausch für das Istrabenz-Tankstellengeschäft wieder ab. Von 2004 bis 2007 war Istrabenz Eigentümerin des Stromvertriebsunternehmens Austrian Power Vertriebs GmbH (APC) des Verbunds. Istrabenz war ursprünglich vor allem im Tankstellengeschäft tätig, mittlerweile ist es auch im Tourismus-, Investment-, IT- und Nahrungsmittelbereich tätig. So gehören dem Konzern die größten Hotels an der slowenischen Adriaküste, und er hält auch ein Zehntel des größten slowenischen Einzelhändlers Mercator. (APA)

Share if you care.