Mehrere Softgun-Schießereien - Polizei: Zufall

25. März 2009, 20:31
21 Postings

Schüler schossen mit Plastikpistole um sich - Kinderpsychiater: Softguns haben mittlerweile "Pfeil und Bogen" ersetzt

Innsbruck - Am Dienstag zielte ein 14-Jähriger in der Innsbrucker Innenstadt mit einer Softgun - einer Plastikpistole, die einer echten Faustfeuerwaffe täuschend ähnlich sieht - auf Passanten.

In Telfs versuchten vergangene Woche zwei Burschen im Alter von zwölf und 14 Jahren, von einem Mädchen Geld zu erpressen. Dabei schoss der Zwölfjährige dem Mädchen während einer Busfahrt mit der Softgun ins Gesicht. Das Mädchen blieb unverletzt, das Plastikgeschoss prallte an der Brille ab. Überrascht von der "kriminellen Energie" der Jugendlichen zeigten sich in der Folge Streetworker.

Keine "Verrohung" der Jugendlichen

Für Edelbert Koler, den Leiter der Kriminalpolizeilichen Abteilung, ist diese Häufung von Jugendlichen mit Softguns "Zufall". Von einer zunehmenden "Verrohung" der Jugendlichen möchte er nicht sprechen. Koler rechnet damit, dass den Rest des Jahres "nichts mehr" passiere. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits. Dazu sind manche Softguns für Jugendliche unter 18 Jahren verboten.

Softguns haben "Pfeil und Bogen" abgelöst

Für den Kinderpsychiater und ehemaligen Chef der Tiroler Erziehungsberatung, Heinz Zangerle, haben Softguns mittlerweile "Pfeil und Bogen" ersetzt. In seinen Untersuchungen erkennt er keine Zunahme von Gewalt, allerdings sei ein Sinken der Hemmschwelle bei Jugendlichen zu beobachten. Der Einfluss von Medien sei ebenfalls eindeutig: Sowohl durch die mediale Präsenz von Amokläufen als auch durch Egoshooter-Gewaltspiele.

Verallgemeinert könnten die Gründe für einen Softgun-Gebrauch von Jugendlichen aber nicht werden. Gerade im Migrantenmilieu gebe es "erstaunlich viel Macho-Potenzial" zu beobachten. Gewalt werde ohne viel Nachdenken einfach "ausprobiert".

Ein Verkaufsverbot von Softguns an Jugendliche sei aber nicht wirkungsvoll. Wer eine Softgun haben wolle, der werde sie bekommen, sagt Kriminalpolizist Koler. Sie sei in jedem Waffengeschäft erhältlich. "Und wer sie dort nicht bekommt, kauft sie übers Internet." (Verena Langegger, DER STANDARD Printausgabe 26.3.2009)

 

 

Share if you care.