HIV ist auch ein Menschenrechts-Problem

30. März 2009, 14:03
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Experte: Ohne Durchsetzung der Menschenrechte in allen Staaten ist die erfolgreiche Bekämpfung von HIV und Aids nicht möglich

Wien - Ende 2007 lebten weltweit 33,2 Millionen Menschen mit dem Aidsvirus. Im selben Jahr gab es rund 2,1 Millionen Todesopfer durch die Immunschwächekrankheit. Neben primär medizinischer Fragen - der Zugang zu den wirksamen Arzneimitteln hat sich in einigen Ländern deutlich gebessert - bleiben große Probleme bestehen.

"Ohne Durchsetzung der Menschenrechte ist auch ein erfolgreicher Stopp der Epidemie kaum möglich", erklärte der kanadische Experte Ralf Jürgens aus Anlass eines Seminars der Aids Hilfe Wien im Vorlauf der Welt-Aids-Konferenz im Jahr 2010 in der Bundeshauptstadt .

"HIV/Aids und Menschenrechte" lautete der Titel der Veranstaltung am Dienstag. Jürgens, Jurist, ehemals Mitbegründer des "Canadian HIV/Aids Legal Network" und nunmehr Berater für die Themen Gesundheit und Menschenrechte unter anderem für die WHO, kam nach Wien in Vorbereitung der Welt-Aids-Konferenz im Sommer 2010 (18. bis 23. Juli).

Der Experte: "Wir werden im wissenschaftlichen Programm wieder eine eigene 'Schiene' für HIV/Aids und die Menschenrechte haben. Nach Wien kommen 15.000 Menschen, die mit der Verhütung und Behandlung der Krankheit beschäftigt sind. Wien ist ein guter Platz für Menschenrechtsangelegenheiten. Wir wollen von der Konferenz ausgehend auch einen Marsch für die Menschenrechte in Verbindung mit HIV/Aids veranstalten, der mit einem Konzert enden soll."

Weltweites Netzwerk

Jürgens hat gemeinsam mit anderen Aktivisten ein mittlerweile schon weltweit rund 650 Initiativen umfassendes Netzwerk organisiert, das die Menschenrechte mit ins Zentrum des globalen Kampfes gegen Aids stellen will. Es gibt eine eigene Charta mit dem Titel "Menschenrechte und HIV/Aids - Jetzt erst Recht".

Der Aktivist: "Wegen Menschenrechtsverletzungen in vielen Staaten der Erde sind bestimmte Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Jugendliche, Frauen, Drogensüchtige und Häftlinge, besonders vulnerabel für HIV/Aids. Deshalb bekommt auch ein Teil der Betroffenen keine Medikamente." In Staaten Afrikas können Frauen zum Beispiel nicht "zugeben", dass sie HIV-positiv sind, ohne von ihren Männern verstoßen zu werden. In manchen Ländern dürfen Jugendliche erst ab einem gewissen Alter über die Risiken aufgeklärt werden. In zahlreichen Staaten ist Homosexualität weiterhin ein Tabuthema.

Gefängnisinsassen ohne Behandlung

Jürgens: "Obwohl in Osteuropa die Zahl der HIV-Positiven eng mit dem Drogenproblem zusammenhängt sind diese Leute bei den Präventionsmaßnahmen unterrepräsentiert. In vielen Ländern haben Gefängnisinsassen keine Zugang zur Behandlung oder zur Prävention. Die Menschenrechte sind kein Allheilmittel. Aber es ist klargeworden, dass Menschenrechtsverletzungen ein fundamentales Problem für den Kampf gegen Aids sind."

Auch die westlichen Industriestaaten - und somit Österreich - sind nicht durchgehend frei von dieser Problematik. Die Aids-Hilfen Österreichs haben erst anlässlich des Welt-Aids-Tages 2008 vehement darauf hingewiesen, dass es weiterhin zahlreiche legistische Bestimmungen gibt, die Betroffene diskriminieren können. (APA/red)

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