Wenn die Krise zweimal klingelt

24. März 2009, 17:43
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Die Hotellerie glaubt an ein gutes Tourismusjahr, stellt aber dennoch Investitionen zurück - Eine Analyse

Wien - Noch ist es eine Krise im Kopf, die viele umtreibt. Außer bei den knapp 400.000 Menschen, die in Österreich direkt von Arbeitslosigkeit betroffen sind, kurzarbeiten müssen oder als "Überbrückung" in Kursen untergebracht sind, ist die Rezession noch nicht angekommen.

Einerseits waren die Lohnabschlüsse im Vorjahr durchwegs hoch, andererseits wird die Steuerreform ab Mai zusätzliches Geld bringen - Geld, das auch in Urlaub investiert werden wird. Ob dabei patriotisch vorgegangen wird, wie Hoteliers und Gastwirte hoffen, muss sich freilich erst weisen. Die Chancen, dass im Sommer verstärkt Urlaub in Österreich gemacht wird, steigen erfahrungsgemäß mit der Barometeranzeige: Ein sonniger Sommer ist für viele Betriebe fast die halbe Miete, bei Regen nützt hingegen die beste Werbekampagne in der Regel nichts. Viele Unwägbarkeiten also, die eine Prognose über die Zukunft des Tourismus erschweren. 

Die Krise klingelt, aber man will es nicht hören. "Wird schon nicht so schlimm kommen," heißt es allenthalben. Ferne Destinationen würden zugunsten von Zielen verlieren, die mit dem Auto leicht erreichbar sind, Österreich als Nachbar von Reiseweltmeister Deutschland könnte davon profitieren.

Bremse bei Investitionen

Bei Investitionen steht die Tourismusbranche derweil auf der Bremse - ein Indiz dafür, dass den eigenen Optimismusparolen nicht so recht getraut wird.

Allein um den derzeitigen Standard zu halten, müssten jährlich drei Milliarden Euro investiert werden. Beobachter gehen davon aus, dass die Tourismusinvestitionen heuer schrumpfen.
Das liegt nicht allein an den Schwierigkeiten in manchem Bundesland, an Kredite zu kommen. Selbst im Bezirk Landeck, einem der tourismusintensivsten in ganz Österreich, wird trotz vorhandenem Geld zugewartet. "Bis Ostern wissen wir in der Regel, was investiert wird, da liegen die Kreditansuchen auf dem Tisch. Heuer ist es sehr, sehr ruhig", sagt der Chef der Volksbank Landeck, Josef Haag.

Er muss es wissen, die Volksbank Landeck ist mit 40 Prozent Marktanteil Platzhirsch im Bezirk. Haag rechnet, dass gut die Hälfte der im Vorjahr genehmigten Kredite nicht abgerufen wird. Das Geld wäre da, die Zinsen niedrig. Weil auch die Kosten für Öl und Strom gefallen sind, bestehe auch wenig Interesse, in Energiesparmaßnahmen zu investieren. "Die meisten Hoteliers denken zu kurzfristig", sagt Haag. Womit er wahrscheinlich nicht ganz Unrecht hat. (Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 24.3.2009)

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