Rundschau: Finsteres Mütterchen Russland

    18. April 2009, 13:36
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    "Metro 2033", "Eclipse Two", "Corpus Delicti", "Lichtkrieg", "Black Tattoo" und Bücher von Jeff VanderMeer, Karl Schroeder, Pamela Freeman, Thomas Plischke und Ekaterina Sedia

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    coverfoto: goldmann

    Pamela Freeman: "Die Prophezeiung der Steine"

    Broschiert, 571 Seiten, € 12,40, Goldmann 2009.

    Als hätte jemand eine Dose aufgemacht: Nach Sara Douglass, Jennifer Fallon und Trudi Canavan ist schon die nächste Fantasy-Autorin aus Australien auf dem Markt. (Trotz ihres Hintergrunds lässt sich witzigerweise auch bei Freemans Land der Elf Domänen konstatieren, dass die kalten Regionen im Norden liegen: Archetypen überwiegen offenbar immer noch die kurze Historie des eigenen Heimatlandes.)

    Den gesellschaftlichen Hintergrund von "Prophezeiung der Steine" ("Blood Ties") bildet eine Invasion, die vor 1.000 Jahren stattgefunden hat: Mit Actons Leuten drang ein blondes, blauäugiges Volk ins Land derer vom alten Blut ein, die sich nie als Einheit wahrnahmen, bis es zu spät war. Das Land wurde in elf von Kriegsherren regierte Domänen aufgeteilt und die Urbevölkerung großteils massakriert - ihre Reste ziehen nun als allseits verachtete Wanderer durch die Gegend, die sich mit den üblichen Erwerbsmöglichkeiten fahrenden Volks durchschlagen müssen. Drei junge Wanderer, deren Wege sich erst am Ende des Romans kreuzen werden, sind die Hauptfiguren: Erstens die naturverbundene und wilde Bramble, die es zur Pferdebändigerin und Star-Reiterin bringt; nachdem ihr unter mysteriösen Umständen die Flucht vor den Häschern eines Kriegsherrn gelungen ist, wird ihr in einer Steindeutung mitgeteilt, nur ihr Körper sei entkommen - ihre Seele aber tot. Zweitens Ash, der von der skrupellosen Leiterin einer städtischen "Schutzwache" wider Willen zum Mörder ausgebildet wird; ihm wird verkündet, er laufe Gefahr seine Seele zu verlieren. Und schließlich Saker: Ein gelernter Zauberer, der alles daran setzt, das Unrecht, das sein Volk erlitten hat, zu rächen. Er sucht die einstigen Schlachtfelder auf, um aus den Gebeinen der Gefallenen eine Geisterarmee zu erschaffen - während einer der Kriegsherren seinerseits die bestehende Ordnung stürzen möchte.

    Freeman wechselt beständig zwischen den Lebenswegen Brambles, Ashs sowie (in kürzeren Kapiteln als bei den beiden eigentlichen ProtagonistInnen) Sakers. Dazwischen aber - eine durchaus ungewöhnliche Idee - schieben sich immer wieder Einzelkapitel, in denen Nebenfiguren aus dem Strom der Haupterzählung heraustreten und ihre persönliche Geschichte erzählen: Dies kann den Charakter einer elaborierten Fußnote haben, um Hintergrundwissen über das Leben in den Elf Domänen einzubringen, dies kann auch eine neue Perspektive auf ein gerade geschildertes Geschehen eröffnen - in jedem Fall bereichert es die Erzählung. Zumeist sind diese Episoden mit einer Orakeldeutung verbunden - denn der Roman dreht sich nicht, wie es der Titel vielleicht vermuten ließe, um die eine, das Schicksal der Welt betreffende, Prophezeiung der Steine, sondern um einen alltäglich praktizierten Tarot-ähnlichen Vorgang, von dem sich die BewohnerInnen der Domänen Hilfestellung erwarten. Doch ist der Wurf der Steine ein zweischneidiges Schwert: Wie viel unserer Zukunft erfüllt sich erst durch diese Wahrsagerei? Wie viel davon lassen wir geschehen, weil die Steine uns eine Zukunft geben, die es zu erfüllen gilt? sinniert eine Steinedeuterin über das Wesen des in der Fantasy so gerne verwendeten und hier einmal variierten Motivs einer vom Schicksal vorherbestimmten Zukunft.

    "Die Prophezeiung der Steine" ist keine Fantasy der Völkerschlachten und magischen Weltenbeben, macht dies durch die glaubwürdige Charakterisierung der Haupt- und Nebenfiguren aber mehr als wett. Wenn man nach einem Schwachpunkt sucht: Die Handlungslinie um Bramble versackt zwischenzeitlich etwas und dreht sich zu lange um die Wettrennen, die sie mit ihrem Rotschimmel gewinnt. Das ist eher für LeserInnen von Pferderomanen interessant und vielleicht ein Erbe aus der Zeit, als Pamela Freeman noch Jugendbücher schrieb - was letztlich aber nur ein kleiner Abstrich bleibt. Insgesamt macht die "Prophezeiung" - Teil 1 einer "Das Land der Seher" betitelten Trilogie - durchaus Appetit, die weiteren Geschehnisse mitzuverfolgen.

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