ÖBB droht bis zu 840 Millionen Euro Verlust

22. März 2009, 18:22
306 Postings

Laut Gewerkschaftschef Haberzettl könnten die Zahlen für 2008 schlimmer ausfallen, als selbst Pessimisten befürchtet haben

Wien - Den österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) droht 2008 ein Defizit, das viel schlimmer ausfallen könnte, als selbst Pessimisten bis vor kurzem noch befürchtet haben. Das sagte der oberste Bahn-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl. Das Finanzergebnis breche zusammen, die Konzernverluste könnten im Vorjahr 640 bis 840 Millionen Euro erreichen, ließ Haberzettl in der Tiroler Tageszeitung wissen.

Derzeit arbeiten die Wirtschaftsprüfer noch, die Zahlen 2008 werden offiziell im Mai vorgelegt. Bisher war damit gerechnet worden, dass die ÖBB Rückstellungen von 438 Mio. Euro aus misslungenem Spekulationsgeschäft bilden muss. Darüber hinaus sollten aber keine großen Belastungen auftauchen.

Nun aber spricht Haberzettl von Abwertungen, die mit noch einmal so viel auf die Ergebnisrechnungen durchschlagen könnten. Über das Ausmaß der Wertminderung stritten die Bilanzprüfer noch, aber sie werde bei 200 bis 400 Mio. liegen, sagte der im ÖBB-Aufsichtsrat sitzende Vize der Gewerkschaft Vida.

Reiner Tisch

Der neue Finanzvorstand Josef Halbmayr hatte nach seinem Amtsantritt im Dezember angekündigt, reinen Tisch zu machen und mit einem Schlag die auf Beratung der Deutschen Bank hin angeschafften Collateralized Debt Obligations wertberichtigen zu wollen. Davon abgesehen, werde die ÖBB operativ 2008 kleine Gewinne erzielen, hatte er damals versichert. Laut Haberzettl wird dies erreicht. Welche Posten das Ergebnis zusätzlich in die Tiefe ziehen, sagte er nicht. Laut ÖBB-Kreisen wird der Verlust aber nicht die von ihm kolportierte Höhe erreichen. Sie werde 2008 zwar tief in die roten Zahlen fahren, hieß es seitens der Bahn, es sei aber mit einem Finanzergebnis von minus 400 bis 500 Mio. Euro zu rechnen und einem etwas besseren Konzernergebnis. Die ÖBB werde alle von der Deutschen Bank übernommenen Finanzpapiere von ursprünglich 613 Mio. wertberichtigen. Es könnten aber auch andere Rückstellungen aufgelöst werden.

Personenverkehr reißt Loch

In der Bilanz 2008 müssen für die (buch)verlustreichen Swap-Geschäfte 371 Mio. Euro rückgestellt werden, nachdem 2007 mit 242 Mio. Euro vorgesorgt worden war. Das hat Halbmayr im Dezember angekündigt. Der Rest auf die von Haberzettl befürchteten 840 Mio. Verlust kommen dem Vernehmen nach aus dem Personenverkehr. In den vergangenen Jahren wurden etliche Nahverkehrszüge, Taurus-Loks und um über 800 Mio. Euro 67 Railjet-Schnellzüge gekauft. Diese Investitionen verursachen nun Mio. an Abschreibungen, denen zu geringe Einnahmen gegenüberstehen. Denn der ÖBB-Personenverkehr hat auch die Hauptlast der Wertberichtigungen für die Credit Debt Obligations zu tragen. Die nötige Kapitalerhöhung hat die ÖBB-Holding der Tochter Personenverkehr verwehrt - dafür bräuchte es Geld vom Finanzminister. (APA, ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.3.2009)

 

Share if you care.