Kandidaten im Kurzporträt

17. März 2009, 09:52
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Drei der sieben Anwärter mit Aussichten, in die Stichwahl zu kommen

Skopje - Keine Wahleuphorie, keine offensive Wahlwerbung, aber auch kein frischer Wind: Der Wahlkampf um das Präsidentenamt in Mazedonien verlief bis zuletzt ohne große Aufregung. In ruhigem Ton fanden die TV-Auftritte der Kandidaten statt. Dabei haben sie es keineswegs unterlassen, sich zur wichtigsten offenen Staatsfrage, dem langjährigen Namensstreit mit Griechenland, zu äußern. Im Folgenden die sieben Kandidaten im Kurzporträt:

GJORGE IVANOV: Der Politologe und Professor für politische Theorie und Philosophie an der Juridischen Fakultät in Skopje war in seiner Jugend für seine linken Ideen bekannt. Seit drei Jahren auch als politischer Berater der national-konservativ geführten Regierung tätig, wurde er aber von den National-Konservativen für das Präsidentenamt aufgestellt. Als Präsident will er mit "frischen Ideen und größerer Kooperationsbereitschaft" dem Prozess zur Lösung des Streits mit Griechenland um den Staatsnamen Mazedoniens unter Vermittlung der UNO Auftrieb geben - damit "wir zu etwas kommen, das weder für uns noch für sie (Athen) beleidigend ist".

Der 49-jährige Ivanov, der besonders stolz auf seine Bekanntschaft mit dem 2003 ermordeten serbischen Reform-Premier Zoran Djindjic ist, hat gute Siegeschancen. Gemäß der jüngsten Meinungsumfragen des Zentrums für Forschung und Politikgestaltung in Skopje kann er am 22. März mit zwischen 23 und 30 Prozent der Stimmen rechnen - nicht genug, um eine Stichwahl zu vermeiden.

LJUBOMIR FRCKOSKI: Der 53-Jährige verspricht als Präsidentschaftskandidat der in der Krise steckenden Sozialdemokraten die Lösung des langjährigen Namensstreites schon innerhalb der nächsten sechs Monate. Seine guten Kontakte zu Griechenland hatte der Politologe bereits in den 90er Jahren in der Regierung des scheidenden Präsidenten Branko Crvenkovski bewiesen. Für Frckoski steht fest: Die bisher von Skopje zurückgewiesenen Namensvorschläge Ober- oder Nord-Mazedonien seien zumindest besser als der ebenfalls angebotene Name "Republik Mazedonien (Skopje)".

Der Völkerrechtsprofessor an der Juridischen Fakultät in Skopje und Kolumnist der Tageszeitung "Dnevnik" geriet in der Vergangenheit wiederholt ins Rampenlicht: Im Vorjahr wurde er von der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit Gerüchten einvernommen, dass hinter dem Mordanschlag auf den damaligen Präsidenten Kiro Gligorov im Oktober 1993 der mazedonische Geheimdienst gesteckt haben soll. Der Präsidentschaftskandidat war damals Innenminister. Frckoski bringt es in Umfragen auf bis zu 16 Prozent.

IMER SELMANI: Der 41-Jährige war als Gesundheitsminister zwischen 2006 und 2008 der Shootingstar in der damaligen Regierung des national-konservativen Ministerpräsidenten Nikola Gruevski. Zuvor hatte er Erfahrungen als Bürgermeister der zur Hauptstadt Skopje gehörenden Gemeinde Saraj gesammelt. Selmani, bis Herbst Spitzenfunktionär der Demokratischen Partei der Albaner (DPA) von Menduh Thaci, war im Unterschied zum Parteichef nie durch nationalistische Sprüche aufgefallen. Im September entschloss sich der Arzt mit dem Ruf eines modernen Politikers, seine eigene Partei - die Neue Demokratie - zu gründen.

Selmani gilt bei der Präsidentenwahl als aussichtsreichster Kandidat der albanischen Volksgruppe mit guten Chancen, in die Stichwahl zu kommen. Im ersten Durchgang werden ihm zwischen 13 und 19 Prozent der Stimmen prognostiziert. Das in politischer, nationaler und ethnischer Hinsicht geteilte Mazedonien müsse sich vereinen, wolle es in die EU und die NATO, so das Credo des Kandidaten. Dabei werde dem Präsidenten eine führende Rolle zukommen, ist Selmani überzeugt. Der Namensstreit solle in engster Zusammenarbeit der führenden Parteien gelöst werden.

LJUBE BOSKOVSKI: Der ehemalige Funktionär der National-Konservativen und Ex-Innenminister wurde im Vorjahr vom UNO-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien von Kriegsverbrecher-Vorwürfen während des mehrmonatigen inter-ethnischen Konfliktes in Mazedonien im Jahr 2001 freigesprochen. Der 48-Jährige hatte sich bereits vor fünf Jahren um die Präsidentschaftskandidatur bemüht. Vergeblich: Laut Wahlkommission konnte der mit mazedonischer und kroatischer Doppelstaatsbürgerschaft ausgestattet Boskovski damals nicht belegen, dass er zehn Jahre in Folge seinen Wohnsitz in Mazedonien hatte, wie das nötig ist.

NANO RUZIN: Der 57-Jährige bewirbt sich für die Liberaldemokratische Partei um das Präsidentenamt. Der ehemalige Parlamentsabgeordnete der Sozialdemokraten hatte sich von dieser Partei im Jahr 2000 getrennt, als er den Botschafterposten bei der NATO in Brüssel annahm, den ihm der damalige national-konservative Premier Ljubco Georgievski angeboten hatte.

AGRON BUXHAKU: Der Politologe geht für die mitregierende albanische Demokratische Integrationsunion (DUI) ins Rennen. Der Ex-Minister setzt sich vor allem für gute Beziehungen zu den Nachbarstaaten ein. Dies bedeutet für den 52-Jährigen auch einen Kompromiss mit Griechenland.

MIRUSHE HOXHA: Die Albanologin, die für die oppositionelle DPA antritt, ist unter allen Kandidaten die am wenigsten bekannte Person. Sie ist die erste Frau, die sich in Mazedonien um das höchste Amt im Staat bemüht. Den Umfragen zufolge dürfte sie am kommenden Sonntag gerade einmal auf drei Prozent kommen. Buxhaku, Boskovski und Ruzin stehen in den Umfragen etwas besser da, aber keiner von ihnen darf sich mehr als elf Prozent erhoffen. (APA)

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