Hartlauer spürt Krise "nirgends"

17. März 2009, 09:11
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Der Fotolöwe ist bei seinem Geschäft mit Brillen, Handys und Fotoapparaten guter Dinge, der Umsatz soll sich trotz Krise nicht verringern

Wien - Der Fotolöwe Robert Hartlauer will trotz des jüngst zu seinen Gunsten gefällten EuGH-Urteils keine Zahnkliniken errichten, ist aber bei seinem Geschäft mit Brillen, Handys und Fotoapparaten guter Dinge. "Nein, wir spüren's nirgends", nahm Hartlauer im Gespräch mit der APA zur Wirtschaftskrise Stellung. Umsatzmäßig rechnet er heuer "weder mit einer großen Steigerung noch mit einem Rückgang". Im Kalenderjahr 2008 hat er laut Eigenangaben 206,5 Mio. Euro brutto umgesetzt.

Handel nicht unzufrieden

Hartlauer ist der Meinung, dass die Finanzkrise in Österreich nur bedingt eine Wirtschaftskrise ist. Der Handel ist in seinen Augen "generell nicht unzufrieden". Er selbst sei antizyklisch unterwegs, also weiter auf Investitionskurs. Wie berichtet will Hartlauer heuer zehn neue "Handy-Pur"-Standorte eröffnen. Auf seiner Wunschliste stünden eigentlich 25 solche Filialen, die Suche nach dem geeigneten Standort sehr jedoch "sehr schwer". Auch an neue "Optik-Pur"-Geschäfte denkt Hartlauer. Derzeit gibt es fünf reine Handy- und vier Brillen-Filialen.

Sehr zufrieden ist Hartlauer mit der im Jänner eingeführten "Abo-Brille". Dabei zahlen Kunden ihre Brille (Markenfassung inklusive Gläser) in 24 Monatsraten. Dass aufgrund der Krise verstärkt auf das Teilzahlungsangebot zurückgegriffen wird, glaubt er nicht. Viele seiner Kunden seien sehr modebewusst und kauften gleich zwei oder drei "Abo-Brillen". Aufgrund der hohen Preise bei Optikern sei es in Österreich bisher unüblich gewesen, mehrere Sehbehelfe zu besitzen. Mit der "Abo-Brille" will Hartlauer den Brillen-Neukaufzeitraum auf zwei Jahre verkürzen. Auch der Verkauf von Fotokameras, Handys, Notebooks und Fotobüchern laufe gut.

"Endgültig abgeschlossen" hat Hartlauer dagegen mit der Idee Billig-Zahnkliniken zu errichten. Das EuGH-Urteil, wonach die hierzulande erfolgte vorherige Bedarfsprüfung gegen den EU-Grundsatz der Niederlassungsfreiheit verstößt, freut ihn zwar, konkret helfe ihm der Entscheid aber nicht. Er müsste seine zehn Jahre alten Konzepte "völlig überarbeiten" und neu einreichen, was wieder mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nehmen würde. Außerdem will er "vom Staat so etwas wie Unterstützung", wenn er schon investieren und Arbeitsplätze schaffen wolle. Er sei aber "nur blockiert und behindert" worden.

Höherer Dienstleistungsanteil

Darüber hinaus sei es nicht mehr so leicht, "sich preislich zu differenzieren". Heutzutage sei der Dienstleistungsanteil wesentlich höher als noch vor zehn Jahren, im Gegenzug dazu gehe der Materialanteil zurück. Hartlauers ursprünglicher Plan wäre es aber gewesen, beim Material für Kronen und Co. zu sparen. Ein weiterer wichtiger Bestandteils seines Konzepts war, mit digitalen Geräten eine Technologieführerschaft zu erreichen. Diesen Vorsprung habe er jetzt nicht mehr.

Den Fotolöwen wurmt weiters die "massive" Anhebung der Kollektivverträge (plus 3,6 Prozent im Handel). Angesichts der niedrigen Inflation sei dies eine "große Sauerei". Als Ausgleich hätte sich Hartlauer eine Senkung der Lohnnebenkosten gewünscht. Durch den neuen KV würden sich seine Personalkosten 2009 um fünf Prozent erhöhen. Einen Mitarbeiter-Abbau hat Hartlauer nicht vor.

Anfangsverluste in Slowenien

Der Gewinn würde 2008/09 besser ausfallen als im Jahr davor. Im vergangenen Geschäftsjahr (Februar 2007 bis Jänner 2008) war der Jahresüberschuss auf 255.000 Euro (2008/07: 3,6 Mio.) eingebrochen, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 4,6 Mio. auf 1,7 Mio. Euro. Als Grund führte Hartlauer die Anfangsverluste seiner zwei slowenischen Filialen an, die er in Österreich ausgeglichen habe. Die Umsatzerlöse hatten 2007/08 laut Bilanz 170 Mio. Euro (2007/06: 169 Mio.) betragen. Den Rückzug aus der Unterhaltungselektronik habe man auffangen können - TV-Geräte und Co. verkaufe Hartlauer jetzt nur mehr in 40 statt in 150 Geschäften.

Die beiden slowenischen Filialen habe er im Vorjahr mangels Erfolgs des "klassischen Hartlauer-Konzepts" auf reine Optik-Geschäfte umgerüstet. Wenn er mit den zwei Niederlassungen ins Positive kommt, will er weitere Brillen-Geschäfte in Slowenien eröffnen. Im Optik-Bereich kann sich Hartlauer auch eine Expansion in andere Nachbarländer Österreichs vorstellen. Firmen zukaufen möchte er aber nicht: "Ich bleibe ein Familienunternehmen." (APA)

 

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