Eine Terminkollision ist "durchaus möglich" ...

16. September 2003, 11:06
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Erstaunen über Kritik an Ausschreibung der "Diagonale" im BKA

Wien/Graz - Auf der Homepage des Bundeskanzleramtes findet sich seit Montag, dem 10. März, die Ausschreibung einer künstlerischen und einer kaufmännischen Intendanz "zur Nominierung im Verein Forum österreichischer Film". Wie DER STANDARD am selben Tag berichtete, setzt diese Ausschreibung nun den vorläufigen Schlusspunkt unter das monatelange Verzögern einer anstehenden Entscheidung durch Kunststaatssekretär Franz Morak:

Diagonale-Kointendantin Christine Dollhofer hatte ihre Bewerbung um Weiterführung des erfolgreichen Festivals des österreichischen Films Freitag zurückgezogen, nachdem diese seitens des BKA neun Monate unbeantwortet geblieben war. Ihr jetziger Vertrag und der des Kointendanten Constantin Wulff (er hatte erklärt, seinen Vertrag nicht verlängern zu wollen) laufen nach dem diesjährigen Festival aus. Beide werden die Diagonale dann sechs Jahre lang geleitet haben.

In Graz halten sich die Subventionsgeber von Stadt und Land zur Frage einer möglichen Gefährdung der Diagonale 2004 durch die verzögerte Ausschreibung derweilen bedeckt: Heimo Steps von der Kulturabteilung des Landes Steiermark erklärte gegenüber dem STANDARD immerhin, dass man ein sehr gutes Verhältnis zu Dollhofer und Wulff hatte und habe sowie großes Interesse daran, dass die Diagonale in Graz bleibe und funktioniere. Der Vorlauf von einem Jahr sei knapp, noch sei "nichts fix, es sollte aber bald fix sein".

"Lieb- und Stiefkinder"

Auf Bundesebene hingegen übten die Kultursprecherinnen der Oppositionsparteien harsche Kritik an der Vorgangsweise von Morak: Christine Muttonen (SP) bezeichnete das monatelange Schweigen und das Ausschließen der Diagonale-Verantwortlichen von Entscheidungen als unverantwortlich und zynisch. Ein international renommiertes Projekt werde geschädigt. Für Eva Glawischnig (Grüne) drängt sich "der Verdacht auf, dass Morak bei Personalfragen Lieb- von Stiefkindern unterscheidet".

VP-Kultursprecherin Andrea Wolfmayr wies diese Kritik mit dem Argument zurück, der Staatssekretär habe "bewusst mit der Neuausschreibung der Festivalleitung die Regierungsbildung abgewartet, um sich nicht den Vorwurf eines präjudiziellen Handelns gefallen lassen zu müssen". Vom STANDARD befragt, warum diese Begründung nicht im Briefwechsel mit Dollhofer und Wulff ins Spiel kam (dort war von einer "dichten Terminsituation" die Rede), erklärt man in Moraks Büro: "Ja, das wurde geschrieben. Aber das andere stimmt." Morak glaube, dass die Ausschreibung früh genug erfolgte.

Von Willkür könne keine Rede sein: "Wir wissen, dass das jetzt alle anderen so sehen, aber wir sehen das anders. Außerdem war das, was der Herr Staatssekretär getan hat, legitim." Man müsse froh sein, dass Morak dem Kritikpunkt entgegenarbeite, dass immer dieselben Leute endlos lange Intendanzen innehaben. Auf die Frage, warum dann etwa in der Staatsoper oder im Burgtheater Direktoren mehr und längerfristiger Vertrauen genießen als Dollhofer und Wulff, die immer nur um ein Jahr verlängert wurden, erklärt Moraks Pressesprecherin Katharina Stourzh: "Das kann man nicht vergleichen."

Wird Franz Morak am 24. März die Eröffnung der Diagonale, auf der immer wieder Kritik an ihm und Schwarz-Blau laut wurde, besuchen? Stourzh: "Wir wissen es nicht. Es ist durchaus möglich, dass dieser Termin mit anderen Terminen kollidiert." (DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2003)

Von Claus Philipp und Isabella Reicher

Nachlese

Die hohe Kunst des Abservierens

Kritik und Replik ausführlicher unter

Von SPÖ und Grünen hagelt's Kritik an Ausschreibungspraxis

Link

art.austria.gv.at

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