"Latte-macchiato-Hedonist"

13. März 2009, 17:23
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Die "ZiB2" bringt manchmal seltsame Nachrichten: Am Donnerstag berichtete sie, dass der abtretende Post-Chef Wais eine Buchpräsentation besuchte

Die "ZiB2" bringt manchmal seltsame Nachrichten: Am Donnerstagabend berichtete sie, dass der abtretende Post-Chef Anton Wais eine Buchpräsentation besuchte. "Karriere nach der Karriere" , so der Buchtitel, den der Beitrag vorenthielt. Dafür wurde Wais zum Leben nach der Post interviewt. Die überraschend alberne Antwort, selbstbewusst näselnd vorgetragen: Er könne "Silverpreneur" , "Goldhopper" oder "Latte-macchiato-Hedonist" werden. Dankenswert, dass er sprachlose ZiB-Seher in die Bedeutung des präzisen Vokabulars einweihte: Es bedeutet, er könne noch ein Unternehmen gründen, durch die Welt reisen oder sich ins Kaffeehaus setzen.

Auf die Frage, was er ohne Sekretärin machen werde, enthüllte Wais, dass Buchungen in Hotels und Einteilungen im Rehabilitationszentrum anstünden. Und die Ärztin - "die war so witzig" - wollte ihm eine Null-Kalorien-Diät verschreiben, was natürlich nicht gehe. Er habe sich eben total in seinen Job geschmissen, gegen die Gesundheit gearbeitet. Bescheidenheit siegte trotzdem: "Ich bin nur der Meinung, mein Nachfolger wird's besser machen als ich."
Die Neuigkeit vom Rekordgewinn der Post, die 300 Ämter schließen will, erwähnte Moderator Armin Wolf immerhin kurz in der Anmoderation. "Einen Mann betrifft das aber alles nicht mehr" , so die gekonnte Überleitung zu den Wais'schen Weisheiten. Die hätten nicht einmal die "Seitenblicke" geziert. Als Wais weg war, referierte Wolf noch eine Richtigstellung: Der Großglockner-Gipfel wurde doch nicht eingetauscht.

Das hat gereicht. Zuviel Verwirrung. Abschalten, nachdenken, die Wand anstarren. Zuletzt doch dankbar: In Zeiten von Amoklauf, Inzest-Prozess und Finanzkrise ist Verwirrung vielleicht ein zuvorkommender Service. (Alois Pumhösel, DER STANDADR; Printausgabe, 14./15.3.2009)

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