Strompreis in Europa mehrmals negativ

13. März 2009, 13:42
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Wegen Überangebots mussten die Stromverkäufer Geld für die Abgabe drauflegen - Boltz: Häuft sich dieses Phänomen, werden Erzeuger reagieren

Wien - Auf den Spotmärkten in Europa war der Strompreis am vergangenen Sonntag für kurze Zeit negativ - nicht zum ersten Mal. Das heißt, Stromverkäufer mussten für die Abgabe von Elektrizität sogar Geld drauflegen. Grund für dieses zuletzt mehrmals beobachtete Kuriosum ist ein Überangebot an Strom am gesamten Kontinent: In Deutschland wurde - begünstigt durch das Wetter - sehr viel Windstrom erzeugt, zugleich hingen Sonntag früh nur wenige Großverbraucher aus der Industrie am Netz. Es liefen aber auch die Kernkraftwerke, bei denen ein kurzfristiges Ab- und Wiederanfahren unrentabel ist.

"Wegen des durch die Konjunktur deutlich geringeren Verbrauchs, weil die Industrie zurückgefahren wurde, haben wir in letzter Zeit ein paar Mal einen negativen Strompreis gehabt", sagt E-Control-Chef Walter Boltz. Dies senke im Schnitt die Beschaffungspreise für Strom, da durch ein oder zwei "Gratisstunden" die Kosten einer Tagesmenge, die ein Großabnehmer kauft, nach unten gemischt werden. Profitieren würden davon letztlich auch die Endkunden.

Lange werde dieses Phänomen aber nicht anhalten, vermutet der Energie-Regulator: Gebe es vermehrt negative Strompreise, würden die Erzeuger darauf reagieren und doch ein kurzzeitiges Abschalten von Kraftwerken erwägen. Derzeit rechne sich das nicht: "Es gibt eine Reihe so genannter 'must run'-Kraftwerke, etwa in Österreich die Donaukraftwerke oder im Ausland Kernkraftwerke oder Braunkohleblöcke, bei denen ein Abschalten sehr aufwendig ist", so Boltz.

Erklärbar seien negative Strompreise nur durch die Preisbildungs-Mechanismen an den Strombörsen, etwa der für Mitteleuropa maßgeblichen EEX in Leipzig. Boltz: "Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis nach oben und nach unten. Es gibt keine Preisbeschränkungen. Wenn die Summe der Erzeugungsleistung die Nachfrage übersteigt, etwa wenn es besonders viel Windkraft gibt, dann springt der Preis ins Minus. Dann zahlt ein Einkäufer unter Umständen für einige Stunden gar nichts."

Vergangenen Sonntag ist an der EEX in der Früh zwischen 6 und 7 Uhr der Stunden-Preis bei minus 109,97 Euro pro Megawattstunde (MWh) gelegen, in der Folgestunde zwischen 8 und 9 Uhr bei ebenfalls negativen 50,60 Euro/MWh. In den Stunden davor und danach kostete Strom 4,02 bzw. 0,02 Euro/MWh. Am selben Abend zwischen 19 und 20 Uhr erreichte der Preis allerdings dann mit 49,02 Euro seinen Tageshöchst-Stand. Über den gesamten Sonntag lagen die Phelix-Base- bzw. -Peak-Notierungen bei 13,00 bzw. 19,75 Euro, an den Wochentagen davor und danach waren es meist zwischen 40 und 47 Euro. Grundlast-Strom sei derzeit relativ günstig, so Boltz, für kommende Woche liege der Preise bei zirka 40 Euro pro MWh. (APA)

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