Unterirdischer Kreisverkehr zum Aufatmen

11. März 2009, 22:03
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160-Millionen-Euro-Tunnel soll von Verkehr und Emissionen befreien

Feldkirch - Ein unterirdischer Krake soll die Feldkircher Verkehrsprobleme lösen. Von den vier Tunnelarmen und einem Kreisverkehr unter der Innenstadt erhofft man sich die Entlastung des Zentrums vom Autoverkehr, vor allem vom Transit aus und nach Liechtenstein. Am Dienstagabend beschloss die Stadtvertretung die Empfehlung dieser Südumfahrung „Variante 5.3." an die Landesregierung. Voraussichtliche Kosten: 160 Millionen Euro.


Der Entscheidung seien „unzählige, unzäääählige" Expertenrunden und zehn große Veranstaltungen vorangegangen, betont Bürgermeister Wilfried Berchtold (VP) den langen Diskussionsprozess.
Nachdem 2005 der damalige Verkehrs-Landesrat Manfred Rein (VP) überraschend die erneute Prüfung und damit das Aus der umstrittenen Amtsvariante für den „Letzetunnel" bekanntgab, begann man im Feldkircher Rathaus, intensiv nachzudenken. Ein „offener Dialog" (Berchtold) mit Interessengruppen und Einwohnern der Gemeinden Feldkirch und Frastanz folgte, 15 Varianten wurden geprüft. „Auch die Null-Variante", kontert Berchtold der Kritik von Umweltschützern.


Bei der Null-Variante hätte man statt dem Tunnel die Bahn zu einer S-Bahn ausgebaut oder, in einer anderen Version, eine Straßenbahn errichtet. Gegen die Null-Variante spreche, dass ihre Umsetzung rund 20 Jahre dauern würde und nicht die erwünschte Entlastung bringe, sagte Berchtold bei der Medien-Präsentation. Die nun beschlossene Variante entlaste die verkehrsintensive Bärenkreuzung im Zentrum um 30 bis 40 Prozent. Dieser Stadtteil ist wegen der hohen Feinstaubbelastung ein Sanierungsgebiet nach dem Immissionsschutzgesetz Luft. Im Ortsteil Tisis, der den Liechtenstein-Verkehr ertragen muss, könnte der Verkehr um 60 bis 70 Prozent zurückgehen. „Das ist massive, spürbare Entlastung", ist der Bürgermeister überzeugt.


Eine Überzeugung, die von den Grünen nicht _geteilt wird._Sie stimmten gegen die neue Tunnelvariante. Bernd Bösch, Verkehrssprecher der Grünen im Landtag, wirft Berchtold vor, „die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen". Denn die zeigten in Richtung öffentlicher Personennahverkehr und Klimaschutz. Der neue Tunnel sei eine „Verkehrslösung von gestern".

Platz für Rad und Bus
Mit dem Tunnelbau sei der Bahnausbau keineswegs gestorben, entgegnet Berchtold: „Eine neue Bahn-Südeinfahrt wäre dadurch in Zukunft möglich."

In spätestens zehn Jahren könnte der Tunnel befahrbar sein, rechnet Verkehrs-Stadträtin Angelika Lener (VP). Dass ein Tunnel allein noch keine neue Verkehrspolitik macht, zeige das ebenfalls am Dienstag beschlossene Gesamtverkehrskonzept, „die Richtschnur für die nächsten 15 Jahre". Die Grundlagen dazu wurden von Schweizer Verkehrsplanern gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern in drei Mobilitätskonferenzen erarbeitet.


Temporeduktion für den Individualverkehr, Busse im 15-Minuten-Takt und bessere Bedingungen für den Alltags-Radverkehr sind die wesentlichen Ziele. Durch den Tunnelbau will man den guten Ruf als Radler- und Fußgängerstadt, begründet durch acht Mobilitätspreise des VCÖ, schließlich nicht verlieren. (Jutta Berger, DER STANDARD Pringtausgabe 12.3.2009)

 

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