Obama erlaubt staatliche Förderung

10. März 2009, 11:58
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Wende in der Forschungspolitik: US-Präsident kippt Einschränkungen von Amtsvorgänger Bush

Washington - US-Präsident Barack Obama hat eine Kehrtwende in der Stammzellenforschung seines Landes vollzogen. Die Forschung an embryonalen Stammzellen werde in den USA ab sofort wieder mit staatlichen Mitteln unterstützt und vorangetrieben, sagte Obama am Montag in Washington. Der Präsident machte die Bestimmungen seines Vorgängers George W. Bush rückgängig, die den Einsatz von Staatsgeldern stark eingeschränkt hatten. Die neue Regelung wurde von Forschern mit Begeisterung aufgenommen.

In der Stammzellenforschung sollten die USA wieder an die Weltspitze rücken. "Unser Ziel wird sein, dass Amerika weltweit führend bei den Entdeckungen sein wird, die eines Tages daraus hervorgehen könnten", kündigte Obama an. Zwar könne er nicht garantieren, ob diese Forschungsrichtung die Hoffnungen auf Durchbrüche bei der Heilung schwerer Krankheiten erfülle. "Ich kann aber versprechen, dass wir es versuchen werden - aktiv, verantwortungsbewusst, und mit der nötigen Dringlichkeit, um verlorenen Boden gutzumachen."

Damit spielte Obama auf die strikten Beschränkungen an, denen die Stammzellenforschung in den USA seit 2001 unterworfen war. Regierungsgelder gab es nur für die wissenschaftliche Arbeit an embryonalen Stammzellen-Linien, die vor August 2001 gewonnen wurden. Sämtliche Versuche des Kongresses, die Restriktionen zu lockern, hatte Bush unter Verweis auf ethische Bedenken mit seinem Veto blockiert.

"Moral und Wissenschaft nicht unvereinbar"

Obama bezeichnete dies als eine "falsche Wahl zwischen vernünftiger Wissenschaft und moralischen Werten". "In diesem Fall bin ich der Meinung, dass diese beiden Aspekte nicht unvereinbar sind." Obama betonte, als gläubiger Christ sei er aufgerufen, leidenden Menschen zu helfen und verwies darauf, die embryonale Stammzellenforschung könnte zu einem Durchbruch etwa bei Krankheiten wie Parkinson und Diabetes führen. "Wir werden diese Forschung nie auf die leichte Schulter nehmen", versprach er. Es werde strenge Richtlinien geben, die genau umgesetzt würden. Obama beauftragte das Nationale Gesundheitsinstitut, binnen 120 Tagen Regelungen für die staatliche Unterstützung der Forschung an neu gewonnenen Stammzellenlinien auszuarbeiten.

Vertreter von konservativen und kirchlichen Gruppen kritisierten die Entscheidung des Präsidenten. Der Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, John Boehner, warf Obama vor, "den Schutz unschuldigen Lebens zu untergraben und unsere Nation in einer Zeit großer Herausforderungen weiter zu spalten". US-Kardinal Justin Rigali sprach von einem "traurigen Sieg der Politik über Wissenschaft und Anstand". US-Präsidentenwitwe Nancy Reagan dagegen begrüßte die von Obama eingeleitete Wende. Ihr Mann, der republikanische Ex-Präsident Ronald Reagan, war 2004 an den Folgen von Alzheimer gestorben.

Erkenntnisse statt Ideologie

Präsident Obama unterzeichnete am Montag außerdem ein Memorandum, dass "die Integrität von Regierungsentscheidungen in der Wissenschaft wiederherstellen" solle. "Wir müssen sicherstellen, dass unsere Politik auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht und nicht auf Ideologie", sagte Obama. Auch dies war als Abkehr von Bushs Politik zu verstehen: Der früheren Regierung war wiederholt vorgeworfen worden, wissenschaftliche Erkenntnisse etwa beim Klimawandel oder zum Artenschutz aus ideologischen Gründen zu ignorieren.

Stammzellen sind Grundbausteine des Körpers, aus denen sich andere spezielle Zellen bilden. Sie werden gegenwärtig meist aus wenige Tage alten Embryonen gewonnen. Daher ist die Stammzellenforschung ethisch umstritten. Die Forschung in den USA bleibt weiterhin durch ein Gesetz des Kongresses eingeschränkt, das Obama nicht aufheben kann. Die Wissenschaftler können demnach nicht selbst Stammzellen aus Embryonen erzeugen, sondern müssen sie kaufen. (APA/AFP/dpa/Reuters)

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