Wenn der Kopf raucht und der Nacken schmerzt

10. März 2009, 16:51
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Wirbelsäule und Augen müssen einer Dauerbelastung standhalten - Tipps wie man gesund durch den Büroalltag kommt

Die Beine übereinander geschlagen, gekrümmter Rücken, keine Pausen und den Bildschirm direkt vor der Nase: So sieht bei vielen Österreichern der Arbeitsalltag aus. Laut Expertenschätzungen leisten rund die Hälfte aller Arbeitnehmer in Industrieländern Bildschirmarbeit. Im Laufe eines Arbeitslebens werden durchschnittlich 80.000 Stunden im Büro verbracht, 68.000 Stunden davon sitzend. Durch nicht richtig gestaltete Arbeitsplätze und falsche Sitzhaltungen entstehen oft gesundheitliche Schäden - dabei wären sie häufig mit nicht allzu großem Aufwand vermeidbar. Arbeiten am Bildschirm belasten nicht nur die Wirbelsäule, sondern auch die Augen sehr stark, wordurch unterschwelliger Stress entstehen kann, der nicht selten zu psychischen Auswirkungen wie Niedergeschlagenheit oder Unausgeglichenheit bis hin zu Burnout führt.

Schmerzen durch falsches Sitzen

Beschwerden, die im Bereich des Rückens, der Schultern oder des Nackens auftreten, können großteils auf eine falsche Sitzhaltung zurückgeführt werden. Der Rücken sollte gerade gehalten werden, die Sitzposition dynamisch sein, das heißt öfter durch leichtes Vor und Zurück verändert werden. Aber nicht nur die Haltung vor dem Computer ist wichtig, sondern auch die körpergerechte Sitz- und Tischhöhe. Aus ergonomischen Gründen müssen Tisch und Stuhl individuell anpassbar sein und Ober- und Unterschenkel sowie auch Ober- und Unterarme einen rechten Winkel bilden, damit die Sitzposition ideal ist.

Gesetzliche geregelt

Die Bildschirmarbeitsverordnung, die 1998 in Kraft getreten ist, konkretisiert die grundsätzlichen Bestimmungen des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes zu Bildschirmarbeit und hat rechtliche Unklarheiten beseitigt. "Die Verordnung gilt allerdings erst dann, wenn ununterbrochen mehr als zwei Stunden oder durchschnittlich mehr als drei Stunden der Tagesarbeitszeit mit Bildschirmarbeit verbracht werden", erklärt Harald Bruckner von der Arbeiterkammer Wien. Von besonderer Bedeutung sind die Inanspruchnahme von Bildschirmpausen, Augenuntersuchungen und die menschengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen, die durch die Verordnung geregelt sind. Der Arbeitsplatz samt zugehörigem Mobiliar muss so gestaltet sein, dass Belastungen und Beanspruchungen möglichst ausgeglichen werden.

Belastung für die Augen

Auch optimale Sehbedingungen sind bei Arbeiten vor dem Bildschirm sehr wichtig, die hohe Belastung der Augen ist unbestritten. Durch längeres ununterbrochenes Arbeiten vor dem Computer können nicht nur Augenzucken oder ein Verschwimmen von Buchstaben entstehen, sondern auch Kopfschmerzen auftreten. Der konzentrierte, starre Blick auf den Bildschirm führt dazu, dass die Augen seltener blinzeln - statt alle fünf bis zehn Sekunden nur mehr jeder halbe Minute oder weniger. Deshalb können die Augen leichter trocken werden. Das Lesen längerer Texte direkt auf dem Bildschirm sollte daher möglichst vermieden werden, besser ist es, Texte in ausgedruckter Form zu lesen.

Eine optimale Beleuchtung des Bildschirmarbeitsplatzes reduziert ebenfalls die Augenbelastung. Treten Verspannungen Nackenschmerzen auf, kann ein falscher Blickwinkel zum Bildschirm die Ursache dafür sein. Der Bildschirmrand sollte daher etwas unter Augenhöhe liegen und der Abstand zum Bildschirm 50 bis 70 Zentimeter betragen. Laut Bildschirmarbeitsverordnung haben Arbeitnehmer auch das Recht auf eine Untersuchung der Augen, wobei der Arbeitgeber die Kosten trägt. "Je größer das Unternehmen, desto eher werden die Vorschriften eingehalten", sagt Bruckner.

Pause machen

Ein Muss bei Bildschirmarbeit sind Pausen, denn jede Arbeit ermüdet. Um den Körper zu erholen und die Augen zu entspannen, sind mehrere kurze Pausen erholsamer als wenige längere. Nach jeder knappen Stunde ununterbrochener Bildschirmarbeit soll eine zehnminütige Pause oder stattdessen ein Tätigkeitswechsel gemacht werden. "Damit eine Tätigkeit einer Pause gleichwertig ist, muss sie allerdings die Augen entspannen. Lesen ist damit beispielsweise nicht gemeint", erklärt Bruckner.

Kurze Übungen zwischendurch, wie "Die zwölf Bildschirmtibeter" helfen, den Bewegungsmangel durch das stundenlange Sitzen auszugleichen und sind einfach am Arbeitsplatz durchführbar. Kurze Muskelanspannungen wechseln mit Entspannungsphasen, die Energieversorgung und Stoffwechsel fördern. (urs, derStandard.at, 10.03.2009)

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    Eine falsche Haltung vor dem Bildschirm ist oft der Grund für gesundheitliche Schäden

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