Meinl Bank - Bilanzsumme 2008 fast halbiert

6. März 2009, 13:15
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MEL & Co. kosteten 718 Millionen Euro - Vorstände bekommen nur mehr die Hälfte - Weniger Kunden, weniger Mitarbeiter

Wien - Die Turbulenzen bei den ehemaligen Meinl-Gesellschaften MEL, MAI und MIP haben sich im Ergebnis der Meinl Bank für das Jahr 2008 deutlich niedergeschlagen. Die Bilanzsumme schrumpfte um 718 Mio. auf 820 Mio. Euro. 2007 waren es noch 1,54 Mrd. Euro. Das konsolidierte Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) stieg um 11,9 Prozent auf 139 Mio. Euro. Darin enthalten sind auch Sondereffekte aus MEL, MAI und MIP.

Mit ihrem verbliebenen Bankgeschäft verdiente die Meinl Bank etwa 20 Mio. Euro, sagte Vorstandssprecher Peter Weinzierl am Freitag bei einem Pressegespräch. Für das Jahr 2007 gebe es keine Vergleichszahl, hieß es.

Die Rückstellungen für Prozesskosten wurden 2008 von 32 Mio. auf 44 Mio. Euro erhöht. Dafür verdienten die Vorstände rund um die Hälfte weniger, unter anderem, weil die Boni weggefallen sind. 2007 waren noch rund 18 Mio. Euro an die Meinl-Bank-Chefs ausbezahlt worden.

"2008 war das letzte Jahr, wo MEL, MAI und MIP einen wesentlichen Einfluss auf die Bilanz hatten", so Weinzierl. Der Rückgang der Bilanzsumme resultiere daraus, dass die drei Gesellschaften Meinl European Land (MEL, heute Atrium European Real Estate), Meinl Airports International (MAI, heute Airports International, AI) und MIP (Meinl International Power, heute International Power, IP) ihre liquiden Mittel von der Meinl Bank abzogen und bei anderen Kreditinstituten veranlagt haben.

Weniger Kunden

Die Eigenmittel konsolidiert nach dem Bankwesengesetz beliefen sich zum Bilanzstichtag (31. Dezember 2008) auf 359 Mio. Euro (2007: 193 Mio. Euro).

Die Anzahl der Kundendepots ist 2008 um etwas mehr als 10 Prozent auf rund 48.000 zurückgegangen. Aktuell verwaltet die Meinl Bank ein Vermögen (Fonds, Wertpapiere und Bargeld) von rund 2,5 Mrd. Euro, im Vorjahr waren es laut Weinzierl noch rund 4 Mrd. Euro.

2008 hat die Meinl Bank etwa 50 Jobs abgebaut, aktuell hat das Finanzhaus rund 150 Mitarbeiter. Der Personalabbau ist laut Weinzierl im Wesentlichen abgeschlossen, allenfalls könne es noch zu internen Umschichtungen kommen. Gewisse Back-Office-Tätigkeiten seien durch den Wegfall der MEL-/MAI/MIP-Geschäfte weniger geworden. In boomenden Geschäftsbereichen wolle die Bank aber noch Mitarbeiter aufnehmen. Durch die Krise seien die Gehaltsniveaus internationaler Banker so gesunken, dass Mitarbeiter, die vor zwei Jahren noch viel zu teuer gewesen wären, nun auch für die Meinl Bank leistbar werden.

Positiver Ausblick

Die Meinl Bank will ihr operatives Ergebnis im Jahr 2009 um 10 bis 15 Prozent steigern, sagte Vorstandssprecher Peter Weinzierl am Freitag vor Journalisten. Die Bank sei derzeit besser positioniert als andere Kreditinstitute und "weit von Staatshilfe entfernt". Nach dem Wegfall vom MEL-/MAI-/MIP-Geschäft wolle sich die Bank "auf ihre Wurzeln" besinnen.

Künftig sollen die Geschäftsfelder Investment-Banking und Corporate Finance sowie Asset Management und Fondsmanagement forciert werden. Weinzierl hofft auch auf mehr Geschäft mit "illiquiden" Schuldentiteln. Neben einem CEE-Schwerpunkt ist die Bank auch im Zahlungsausgleich und Handel von nicht bedienten Schulden bestimmter Länder Afrikas und Lateinamerikas aktiv. Wegen der Finanzkrise werden auch Kunden aus Westeuropa erwartet. Die Volumina in Russland seien im Steigen, die Nachfrage nach Beratungs- und Transaktionsleistungen stark.

Die Meinl-Bank-Beratung im Corporate-Finance-Bereich seien 2008 unverändert stark auf die Sektoren Energie und Infrastruktur ausgerichtet gewesen, der Schwerpunkt liege nach wie vor auf Südosteuropa. Im Corporate-Banking-Segment ist das Institut insbesondere auf Handels- und Transportfinanzierungen spezialisiert. Die Meinl Bank selbst leide trotz ihres CEE-Fokus' nicht unter den Turbulenzen im Osten, weil sie keine Eigenpositionen habe, so Weinzierl. (APA)

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