Mutter des Babys angeklagt

5. März 2009, 17:07
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Prozess wegen "Vernachlässigung" im Frühjahr

Innsbruck - Die Innsbrucker Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen die Mutter von Luca - jenem Kleinkind, das im November 2007 an den Folgen von schweren sexuellen Misshandlungen im SMZ-Ost in Wien gestorben ist. Der mediale Druck sei wohl zu groß geworden, sagt Anwalt Albert Heiss. Er wird die angeklagte Tirolerin beim Prozess, der noch vor dem Sommer am Landesgericht in Innsbruck stattfinden dürfte, verteidigen. Laut Anklageschrift habe die Frau die "Verpflichtung zur Fürsorge des Kindes vernachlässigt" . Die Höchststrafe liegt bei drei Jahren.

Im September 2008 wurde Lucas mutmaßlicher Vergewaltiger, der damalige Lebensgefährte der Mutter, am Landesgericht Korneuburg nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft und zur Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt.

Das Strafverfahren, das Lucas Mutter nun bevorsteht, bezeichnet Verteidiger Albert Heiss als "interessant" : Es werde "sehr umfangreich" sein. Vonseiten der Staatsanwaltschaft seien 17 Zeugen angefordert, bis zu zehn Zeugen werde die Verteidigung zur Anhörung bringen.

Laut Wilfried Siegele, Sprecher der Staatsanwaltschaft am Landesgericht, sei nicht der "mediale Druck" Auslöser für die Anklageerhebung: "Wenn sich Verdachtsmomente erhärten, ist eine Anklage normal" , sagt er. Mehr will Siegele nicht sagen, die Anklageschrift sei der Angeklagten noch nicht zugestellt worden.

Rund um den Fall Luca wurde auch immer wieder die zuständige Jugendwohlfahrt kritisiert. Die zuständige Sozialarbeiterin soll in den nächsten Monaten ebenfalls vor Gericht stehen. Der Strafantrag wird auf "Vernachlässigen von wehrlosen Personen" lauten. (Verena Langegger, DER STANDARD - Printausgabe, 6. März 2009)

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