Wie auf Flickr-Videos die Zeit verrinnt

5. März 2009, 17:45
3 Postings

Seit kurzem könnten Benutzer der Fotosite Flickr hochauflösende Videos online stellen. Die "Flickr Clock" fügt den Zufall der zeitlichen Abfolge zur kollektiven Installation über Momente des Alltags zusammen.

Wie doch die Zeit vergeht. Oft vergeht sie so, dass man sich später gar nicht mehr an die Augenblicke erinnert, die die Stunden gefüllt haben. Und gar nicht erleben wir die Momente, wie dieselbe Zeit an anderen Orten für andere Menschen vergeht – die Short-Cuts (der Film von Regisseur Robert Altman), aus denen unsere Zeit gewoben ist.

Kollektive Installation

Flickr, die Fotosite von Yahoo, fügt jetzt diese Momente in einer Uhr, eine Art kollektive Installation ihrer User, zusammen, der "Flickr Clock". Seit wenigen Tagen können Benutzer nicht nur Fotos und Videos, sondern auch hochauflösende Videos hochladen. Und wenn sie diese Videos auch mit einem Zeitstempel versehen, dann werden sie von der Flickr-Uhr zu den Stunden des Tages zusammengefügt. In schmalen färbigen Balken reihen sich die Augenblicke aneinander, wie sie irgendjemand irgendwo gesehen und festgehalten hat: Das Lachen eines Babys, das mit einem Ballon spielt; die Lichter des Abendverkehrs zu den Klängen von Rockmusik; die Wolken, die am blauen Himmel im Zeitraffer über das Rathaus in Brügge ziehen; eine schwindelerregende Fahrt durch eine Tiefgarage hinaus auf eine irische Landstraße, von einem Pink-Song begleitet. Wird ein Balken angeklickt, wird die Uhr in Gang gesetzt.

Fotografische Videos

Anders als auf YouTube finden sich auf Flickr eher "fotografische" Videos, Augenblicksmotive und keine Kurzfilme, manche vertont, andere mit Oton. Entwickelt wurde Flickr Clock vom Design Studio Stamen in San Francisco, das sich seit 2001 künstlerisch und wissenschaftlich mit der Visualisierung von Datenströmen beschäftigt.

Crime- und Cabspotting

Zu den Arbeiten von Stamen gehört auch Digg Arc auf der News-Community Digg.com: In einem farbsegmentierten Kreis sieht man, welche News Digg-User gerade als interessant markieren, und wie sich das Interesse entwickelt. Andere Projekte zeigen die Verkehrsmuster von Taxis (Cabspotting, San Francisco), Kriminalitätsmuster auf Karten ("Crimespotting", Oakland), oder wie Fahrzeiten und Immobilienpreise zusammenhängen (MySociety, London). Stamen-Gründer Eric Rodenbeck: "Wir wollen Live-Ansichten von sozialen Netzwerken zeigen, das, was gerade passiert." (Helmut Spudich/ DER STANDARD Printausgabe, 6. März 2008)

  • Artikelbild
Share if you care.